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09.01.2009

09:45 Uhr

Motorsport Motorrad

Kawasaki zieht sich aus der Motogp zurück

Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Motogp-Klasse nicht halt. Der Hersteller Kawasaki zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Rennserie zurück.

Kawasaki zieht sich aus der Motogp zurück. Foto: AFP SID

Kawasaki zieht sich aus der Motogp zurück. Foto: AFP

Die weltweite Finanzkrise hat auch die Motorrad-WM erreicht und den renommierten Hersteller Kawasaki zur Vollbremsung gezwungen. Die Japaner gaben in Tokio den sofortigen Rückzug aus der "Königsklasse" Motogp bekannt.

Die Entscheidung bedeutete den vierten Ausstieg eines Konzerns aus dem Land der aufgehenden Sonne binnen weniger Wochen wegen der Weltwirtschaftskrise. Zuvor hatten sich Anfang Dezember Honda aus der Formel 1 sowie danach Suzuki und Subaru aus der Rallye-WM zurückgezogen.

Kawasaki-Sprecher Katsuhiro Sato begründete die Entscheidung mit dem Zwang zur drastischen Kostenreduzierung wegen eingebrochener Verkaufszahlen in den USA und Europa. Zuletzt hatte Kawasaki das zudem weitgehend erfolglose Motogp-Engagement jährlich etwa 32 Mill. Euro gekostet.

Sato ließ die Möglichkeit einer Rückkehr der Renommiermarke am Freitag offen: "Wir haben seit Mitte Dezember über einen Rückzug nachgedacht. Bevor sich das jetzige Wirtschaftsklima nicht wieder nachhaltig verbessert, ist es schwierig zu sagen, ob Kawasaki wiederkommen wird."

Bradls Teamchef Kiefer hofft auf "Einzelfall"

Die Motorrad-Szene reagierte zurückhaltend auf die schlechten Nachrichten aus Fernost. "Ich hoffe, dass es ein Einzelfall bleibt, und denke, dass das nicht die Reihe macht ", sagte Teamchef Stefan Kiefer für den Rennstall des 125er-WM-Vierten Stefan Bradl (Zahling) dem Sport-Informations-Dienst (sid). Wegen der Wirtschaftskrise merke man aber schon, dass es schwierig sei und vor allem die größeren Teams einige Probleme hätten.

Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Drucks war der Ausstieg für Kawasaki angesichts des Mangels erstklassiger Ergebnisse naheliegend. Im WM-Abschlussklassement der höchsten Motorrad-Rennserie kam der US-Amerikaner John Hopkins im Vorjahr als bester Kawasaki-Fahrer auf Rang 16. Das beste Resultat der Japaner seit ihrer Rückkehr in die Königsklasse vor sieben Jahren war 2007 der zweite Platz des Franzosen Randy de Puniet beim Japan-Grand-Prix.

Drittes Engagement endet

Für Kawasaki endete damit das dritte Engagement in der höchsten Motorrad-Klasse. Die Asiaten waren erstmals von 1970 bis 1975 mit eigenen Maschinen in der damaligen 500-ccm-Klasse am Start und feierten gleich in der Debüt-Saison durch Rang zwei für den Neuseeländer Ginger Molloy in der WM-Wertung ihren bis heute größten Erfolg. 1979 folgten nochmals vier Jahre, ehe Kawasaki sich 2002 nach 20-jähriger Abstinenz zum zweiten Mal zurückmeldete.

Kawasakis Abschied stellt in der Motogp ungeachtet aller allgemeinen Finanzprobleme offenbar eine Ausnahme dar. Der nationale Rivale Yamaha bekräftigte nach der Bekanntgabe des Rückzugs seines Konkurrenten, für die WM-Saison 2009 keine Pläne für einen Ausstieg seines Teams um Weltmeister und Superstar Valentino Rossi (Italien) zu haben. Honda und Suzuki hatten bereits zuvor signalisiert, trotz der Einstellung ihrer Aktivitäten im Automobilsport weiterhin in der Königsklasse des Motorradsports engagiert zu bleiben.

Hopkins und Melandri stehen "auf der Straße"

Durch Kawasakis Abschied stehen die für das niederländische Werksteam verpflichteten Piloten Hopkins und Marco Melandri (Italien), der gerade erst von Ducati zu den Japanern gewechselt war, gut drei Monate vor dem WM-Start beim Nachtrennen in Katar (12. April) ohne Maschinen da.

Allerdings soll sich eine spanische Sponsoren-Gruppe bereits darum bemühen, das bisherige Werksteam in Eigenregie zu übernehmen und weiterzuführen. Nach derzeitigem Stand jedoch schrumpft das Motogp-Starterfeld damit vorbehaltlich der Ausgabe von Wildcards für einzelne Rennen an talentierte Nachwuchsfahrer auf 17 Fahrer. WM-Punkte werden in den Rennen jeweils bis Platz 15 vergeben.

© SID

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