Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2014

16:30 Uhr

Neuer Formel-1-Weltmeister

Hamilton krönt die Dominanz der Silberpfeile

Lewis Hamilton ist Formel-1-Weltmeister. Der Brite siegte beim letzten Rennen der Saison in Abu Dhabi, wo die Spannung schnell verflogen war. Nicht zuletzt weil Nico Rosberg zum großen Pechvogel wurde.

Lewis Hamilton reckt die Siegerfaust in den Himmel von Abu Dhabi: Der Brite ist zum zweiten Mal Weltmeister. AFP

Lewis Hamilton reckt die Siegerfaust in den Himmel von Abu Dhabi: Der Brite ist zum zweiten Mal Weltmeister.

Abu DhabiLewis Hamilton hat sich beim Alptraum-Finale für seinen Mercedes-Widersacher Nico Rosberg zum neuen Formel-1-Weltmeister gekrönt. Rosberg wurde nach einem verlorenen Startduell auch noch von einem kaputten Silberpfeil gebremst und im Feld durchgereicht. Beim Sieg des neuen Champions auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi landete der gebürtige Wiesbadener am Sonntag auf dem 14. Platz, in der vorletzten Runde wurde er von Hamilton auch noch überrundet. Aufgeben wollte er aber trotz eines Aufrufs von der Box nicht.

Ungebremster Jubel herrschte dagegen bei Hamilton: Der 29 Jahre alte Brite wiederholte seinen WM-Triumph von 2008. In der Box lagen sich die Mechaniker, Hamiltons Freundin und die Familie mit Freudentränen in den Armen. „Ich danke euch so sehr“, sagte Hamilton nach der Zieldurchfahrt mit Feuerwerk. Selbst Prinz Harry durfte an den Funk: „Danke Lewis.“ Mit der britischen Fahne an Bord drehte Hamilton seine Ehrenrunde.

Dennoch bleibt für das Team auch ein bitterer Nachgeschmack. Eine WM-Entscheidung durch einen Technik-Defekt „wäre ein Alptraum“, hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff vor dem Rennen betont. Der Alptraum der schlimmsten Mercedes-Träume wurde wahr. Nach nicht mal der Hälfte der Renndistanz fehlten Rosberg die 150 Zusatz-PS durch das Hybridsystem ERS.

Direkt hinter dem elfmaligen Saisonsieger Hamilton schafften es Felipe Massa und Valtteri Bottas jeweils im Williams aufs Podest. Der seit langem entthronte Sebastian Vettel kam in seinem letzten Rennen für Red Bull auf den sechsten Platz.

Fakten zu Lewis Hamilton (A bis H)

Lewis Hamilton

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton kann zum zweiten Mal nach 2008 Formel-1-Weltmeister werden. Der SID stellt den Briten von A bis Z vor.

A wie Ayrton Senna

Hamiltons Held. „Ich war neun Jahre alt, als Senna starb und versteckte mich hinter einem Lastwagen, damit mich mein Vater nicht weinen sah“, sagte der 29-Jährige einmal.

B wie Bruder

Hamilton vergöttert seinen um sieben Jahre jüngeren Halbbruder Nicolas, der an Kinderlähmung leidet und selber eine Rennfahrerkarriere anstrebt.

C wie Carl Lewis

Der Weltmeister wurde nach der Leichtathletik-Legende benannt.

D wie Debüt

2007 stieg Hamilton mit 22 Jahren bei McLaren in die Formel 1 und feierte noch im selben Jahr in Kanada seinen ersten Grand-Prix-Sieg.

E wie Ehrgeiz

Als Zehnjähriger ging Hamilton am Rande einer Motorsportgala auf McLaren-Teamchef Ron Dennis zu und sagte: „Ich will eines Tages für Ihr Team fahren und Formel-1-Weltmeister werden!“ Gesagt, getan. 2008 holte er seinen ersten Titel.

F wie Facebook

Hamilton ist sehr aktiv in dem sozialen Netzwerk, auch bei Twitter zwitschert er eifrig über Wichtiges und Nichtiges.

G wie Grenada

Hamiltons Großeltern väterlicherseits stammen von der Karibikinsel und wanderten in den 1950er Jahren nach Großbritannien aus.

H wie Hai

Hamilton weigert sich, auf dem offenen Meer zu schwimmen - weil er Angst vor dem Raubfisch hat.

Nicht Rosberg wird nach diesem tragischen Showdown damit die Weltmeister-Nummer 1 des viermaligen Weltmeisters und künftigen Ferrari-Piloten Vettel auf dem Wagen tragen, sondern Hamilton. Alles Daumendrücken für dessen deutschen Widersacher von der Fußball-Nationalmannschaft bis zu Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer halfen nichts.

Denn schon als die Roten Ampeln im leichten Dämmerlicht ausgingen, präsentierte sich Hamilton in Champions-Form. In der Qualifikation hatte nicht alles gepasst, nur Platz zwei hinter Rosberg. Der konnte die elfte Pole Position in dieser Saison aber wie schon so oft nicht nutzen. Rosberg hatte nichts entgegenzusetzen und bog schon mit einigen Metern Rückstand auf den neuen Titelträger in die erste Kurve ein. Nur mit Mühe konnte Rosberg verhindern, dass auch noch Massa im Williams an ihm vorbeikam.

Vorne aber regierte nur einer: Hamilton. Nichts mit Nervosität ob der Psycho-Sticheleien Rosbergs vor dem Rennen. Und der kurzfristige Besuch von Freundin Nicole Scherzinger schien den aus einfachen Verhältnissen stammenden Engländer nur noch mehr zu beflügeln.

„Es fühlt sich heute an wie der wichtigste Tag in meinem Leben“, hatte Hamilton vor dem Rennen getwittert. „Aber ich bin ruhig und fokussiert.“ Die Konsequenz: Nach der ersten Runde von 55 Umläufen auf dem Kurs am Yachthafen von Abu Dhabi lag Hamilton schon 1,2 Sekunden vor Rosberg. Und damit war der deutsche Verfolger schon außerhalb der einen Sekunde, die die Überholhilfe DRS erlaubt. Vorbeikommen also fast unmöglich. In der Box des gebürtigen Wiesbadeners begann das Bangen. Papa Keke, Weltmeister von 1982 mit nur einem Sieg, zitterte zu Hause mit.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×