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12.10.2015

16:18 Uhr

Nico Rosberg

Das Rennfahrer-Herz ist gebrochen

Trotz der Team-Weltmeisterschaft für Mercedes ist Rennfahrer Nico Rosberg am Boden zerstört. Denn er weiß genau: Aus dem Rennen um die Weltmeisterschaft der Fahrer ist er raus. Sogar um Platz zwei muss er bangen.

Der deutsche Rennfahrer Nico Rosberg ist raus aus dem Rennen um die Formel-1-Weltmeisterschaft. Nächstes Jahr kann er es erneut versuchen. ap

Nico Rosberg

Der deutsche Rennfahrer Nico Rosberg ist raus aus dem Rennen um die Formel-1-Weltmeisterschaft. Nächstes Jahr kann er es erneut versuchen.

SotschiDas greifbare Titel-Glück des Lewis Hamilton bricht Nico Rosberg das Rennfahrer-Herz. Traurig quälte sich der Deutsche nach dem Pannenfrust von Sotschi am Montag zur Feier der Team-Weltmeisterschaft in die Formel-1-Fabriken von Mercedes – im festen Wissen, dass die nächste WM-Party schon in zwei Wochen für seinen britischen Teamkollegen steigen könnte. „Ich habe das Gefühl, dass es für mich ein Seuchenjahr ist“, klagte Rosberg, dem Ferrari-Star Sebastian Vettel sogar die Vize-Weltmeisterschaft entwenden könnte.

Der Kampf um Platz zwei dürfte dann auch das Spannendste sein, was der Saison-Endspurt noch zu bieten hat. Im viertletzten WM-Lauf in Austin kann Spitzenreiter Hamilton seinen beiden deutschen Herausforderern auch die letzte rechnerische Hoffnung auf den WM-Triumph rauben. „Es ist die beste Zeit meiner Karriere, ich bin so dankbar“, schwärmte der Doppel-Champion, den die italienische „Gazzetta dello Sport“ zum „Zar Hamilton“ ernannte. Spaniens „El Periódico“ meinte sogar: „Der Brite braucht sich nun nicht mehr auf die WM konzentrieren, sondern kann unbekümmert seine Partys feiern.“

Was für ein Kontrast zum Seelenschmerz seines Stallrivalen Rosberg, der sich in der Vorsaison erst im Finale geschlagen geben musste. Spätestens seit der frustrierenden Russland-Reise weiß der 30-Jährige, dass er im nächsten Jahr wieder einen neuen Anlauf auf seinen ersten WM-Titel nehmen muss.

Die Budgets und Mitarbeiter der Formel-1-Teams

Ferrari

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 700

Mercedes

Budget: 250 Millionen Euro
Mitarbeiter: 550

Red Bull

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 640

Williams

Budget: 140 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

McLaren

Budget: 230 Millionen Euro
Mitarbeiter: 560

Force India

Budget: 95 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Toro Rosso

Budget: 120 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Lotus

Budget: 85 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

Sauber

Budget: 100 Millionen Euro
Mitarbeiter: 300

Seit fast vier Monaten schon wartet er auf einen Sieg, nie in der gemeinsamen Mercedes-Zeit war sein Rückstand auf Hamilton größer. 73 Punkte sind es jetzt, sieben fehlen ihm auf Vettel. „Ich werde stark wieder zurückkommen“, versprach Rosberg und wünschte sich doch ganz dringend heim zu Frau Vivian und Tochter Alaïa: „Wenn ich die Familie sehe, bin ich wieder okay.“

Es sind harte Zeiten für den gebürtigen Wiesbadener, der schnell wieder die Motivation für die nächsten Angriffe auf Hamilton und Vettel finden muss, will er nicht demnächst ganz zum Nebendarsteller im Duell der Weltmeister werden. „Nico ist jetzt in seiner Situation, in der er ruhigbleiben muss“, mahnte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Er ist ein irrsinniger Kämpfer“, betonte der Österreicher.

Wolff braucht ein starkes Duo Hamilton/Rosberg, denn für die kommende Saison rechnet der Branchenführer fest mit der Attacke von Ferrari. „Ferrari ist das Team, mit dem man sich messen will. Wir erwarten, dass sie nächstes Jahr sehr stark sein werden“, sagte Wolff.

Genau das ist der Plan von Vettel und seinen Rotkäppchen. „Noch sind sie uns ein wenig voraus, aber wir machen einen guten Job und holen Schritt für Schritt auf“, vermerkte der Hesse nach seinem elften Podiumsplatz des Jahres. Vettel holt das Maximum aus seiner Debütsaison bei der Scuderia und hat das strauchelnde Traditionsteam mit seinem Enthusiasmus wiederbelebt. Der „Corriere dello Sport“ schwärmte bereits vom Ferrari für die Zukunft: „Vettel Zweiter, die Roten im Aufwind. Ein kleiner Schritt in der WM-Wertung, ein großer Schritt in der Formel 1.“

Sogar Hamilton beobachtet die Entwicklung mit Vergnügen. Wünscht er sich doch für das kommende Jahr Rad-an-Rad-Zweikämpfe mit Vettel, den er in Sotschi mit dem 42. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere einholte. „Ich kann es kaum erwarten, dass Sebastian und ich uns solche Duelle auf der Strecke liefern“, sagte der Silberpfeil-Überflieger in Russland. Für Nico Rosberg war in dieser Vision schon kein Platz mehr.

Von

dpa

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