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08.01.2014

12:26 Uhr

Pressekonferenz zum Skiunfall

Schumacher fuhr abseits der regulären Piste

VonAnis Micijevic

Michael Schumacher ist bei seinem schweren Skiunfall mit „angemessener Geschwindigkeit“ den Berg hinabgefahren. Das erklärte die Staatsanwaltschaft Albertville. Er fuhr aber bewusst abseits der regulären Piste.

Skiunfall

Schumacher wohl nicht zu schnell

Skiunfall: Schumacher wohl nicht zu schnell

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Albertville/DüsseldorfMichael Schumacher ist nach ersten Erkenntnissen der Ermittler bei seinem schweren Unfall auf der Skipiste in Méribel nicht zu schnell gefahren. „Er fuhr mit angemessener Geschwindigkeit“, sagte der Kommandant der Gebirgsgendarmerie Savoyen, Stephane Bozon, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Albertville.

Auch die Skier seien in gutem Zustand gewesen und nicht die Ursache des Unfalls, erklärte Bozon. Das rund zwei Minuten lange Video der Helmkamera wird derzeit ausgewertet. Die Transkription aller Einzelbilder steht aber noch aus. „Der Film ist sehr gut verwertbar und bestätigt die Erkenntnisse, die wir zuvor gewonnen haben. Wir wissen genau, welche Route Schumacher gefahren ist“, sagte der zuständige Staatsanwalt Patrick Quincy.

Der Felsen, auf den Schumacher prallte, soll sich acht Meter abseits der Piste befunden haben. Schumacher wurde am 29. Dezember neun Meter abseits der regulären Piste gefunden. Er erlitt bei dem Aufprall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und liegt derzeit in einer Klinik in Grenoble im künstlichen Koma. 

Der tragische Schumacher-Unfall

29. Dezember 2013, gegen 11.00 Uhr

Schumacher verunglückt. Er hilft einem gestürzten Freund, verlässt die markierte Piste, verliert die Kontrolle über die Ski und kracht mit dem Kopf auf einen Felsen. Auch Sohn Mick zählt zur Ausflugsgruppe.

29. Dezember 2013, Minuten nach dem Unfall

Minuten nach dem Unfall: Bergretter versorgen Schumacher. Er ist ansprechbar, aber verwirrt. Sein Helm soll bei dem Aufschlag kaputt gegangen sein. Der Rettungshubschrauber bringt ihn von Méribel ins Krankenhaus nach Môutiers.

29. Dezember 2013, gegen 12:40 Uhr

Schumacher wird ins Universitätskrankenhaus von Grenoble eingeliefert. Die Verletzungen waren zu schwer, um in Môutiers behandelt zu werden. Schumacher wird sofort notoperiert. Er hat ein Kopftrauma mit Koma. Bis dato weiß die Öffentlichkeit noch nichts von Schumachers Unfall.

29. Dezember 2013, früher Nachmittag

Französische Medien berichten als erste von Schumachers Skiunfall. Managerin Sabine Kehm bestätigt zunächst nur: „Michael ist bei einem privaten Skitrip in den französischen Alpen auf den Kopf gestürzt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht und wird medizinisch professionell versorgt.“

29. Dezember 2013, Nachmittag

Schumachers Familie ist in Grenoble. Wie schwer der zweimalige Familienvater verletzt ist, bleibt unklar.

29. Dezember 2013, früher Abend

Schumachers Zustand verschlechtert sich. Er schwebe in Lebensgefahr, berichten französische Medien. Sein ärztlicher Wegbegleiter Gérard Saillant kommt unter Polizeiaufgebot in Grenoble an. Im Internet beginnt eine Welle der Genesungswünsche. „Ich bete für dich, mein Bruder!“, schreibt Felipe Massa, einst Schumachers Teamkollege bei Ferrari: „Gott segne dich, Michael.“

29. Dezember 2013, später Abend

Die Ungewissheit hat ein Ende. Die Sorgen werden aber größer. Schumacher ist in kritischem Zustand, heißt es vom Krankenhaus. Ross Brawn, guter Freund und Erfolgsbegleiter Schumachers, kommt nun auch in Grenoble an. Die Sportwelt bangt. „Meine Gedanken sind bei Schumi“, schreibt Dirk Nowitzki.

30. Dezember 2013, Morgen

Erste Nacht überstanden. Um 11.00 Uhr aber die Schock-Diagnose: Sein Zustand ist weiterhin „außerordentlich ernst“. Schumacher schwebt in Lebensgefahr. Weit verbreitete Verletzungen im Gehirn. „Wir sind beunruhigt über seinen Zustand“, sagt der Neurologe Gerard Saillant. Keine Prognose zu Überlebenschancen.

30. Dezember 2013, Mittag

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich betroffen. „Wie Millionen von Deutschen waren auch die Bundeskanzlerin und die Mitglieder der Bundesregierung außerordentlich bestürzt, als sie von Michael Schumachers schwerem Skiunfall erfahren haben“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Schumachers Familie bedankt sich für die ergreifende Anteilnahme weltweit.

30. Dezember 2013, im weiteren Verlauf

Leichte Besserung. Die Ärzte sind selbst überrascht nach einem entsprechenden Gehirnscan. Um den Druck weiter zu verringern, nachdem sich Schumacher ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit Blutungen und Hämatomen zugezogen hat, entscheiden sie sich nach Absprache auch mit der Familie für eine zweite Operation.

30. Dezember 2013, gegen 22:00 Uhr

Zweiter Eingriff. Ein Hämatom in der linken Hirnseite wird entfernt. OP-Dauer etwa zwei Stunden. Keine Komplikationen. Die Öffentlichkeit erfährt von diesem Eingriff erst am nächsten Vormittag.

31. Dezember 2013, gegen 11:00 Uhr

Zweite Pressekonferenz des hochrangigen Ärzteteams. Schumachers Unfall ist 48 Stunden her. Der Gesundheitszustand hat sich leicht verbessert, zumindest haben die Mediziner die Situation nach eigener Aussage nun „etwas besser unter Kontrolle“. Schumacher bleibt aber in Lebensgefahr.

31. Dezember 2013, nach der Pressekonferenz

Zum ersten Mal werden Details zum Unfallhergang bekannt. Schumacher-Managerin Kehm berichtet zudem von einem Journalisten, der sich als Priester verkleidet Zutritt zu Schumacher verschaffen wollte.

1. Januar 2014

Managerin Kehm tritt vor die Presse. Die gute Nachricht: Schumachers Zustand ist in der Neujahrsnacht und am Vormittag stabil. Aber auch weiter kritisch. Lebensgefahr bleibt.

3. Januar 2014

Schumachers 45. Geburtstag. Über hundert Ferrari-Fans pilgern nach Grenoble und huldigen ihrem ehemaligen Piloten. „Wir sind überwältigt!“, teilt die Familie am Abend mit.

4. Januar 2014

Managerin Kehm stellt in einer Mitteilung klar: Schumachers Zustand bleibt stabil, aber kritisch. Zudem: Die Helmkamera, die Schumacher beim Unfall trug, wurde den Untersuchungsbehörden übergeben – „freiwillig“.

5. Januar 2014

Der „Spiegel“ berichtet von einem angeblichen Video eines Skifahrers, das Erkenntnisse über den Unfallhergang bringen könnte. Offiziell gibt es keine neuen Information.

8. Januar 2014

Michael Schumacher ist nach ersten Erkenntnissen der Ermittler nicht zu schnell gefahren. „Er fuhr mit angemessener Geschwindigkeit“, sagte der Kommandant der Gebirgsgendarmerie. Der Felsen, auf den Schumacher prallte, soll sich acht Meter abseits der Piste befunden haben.

17. Januar 2014

Der Gesundheitszustand ist unverändert, aber stabil. Schumachers Managerin Sabine Kehm teilte mit, „dass Michaels Familie sehr zufrieden ist mit der Arbeit des behandelnden Ärzteteams und dass sie ihnen absolut vertraut“.

30. Januar 2014

Michael Schumachers Narkosemittel werden reduziert, um ihn in einen Aufwachprozess zu überführen.

17. Februar 2014

Die Staatsanwaltschaft teilt nach Abschluss der Ermittlungen mit, dass es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt und kein strafbares Verhalten vorliegt.

4. April 2014

„Michael macht Fortschritte auf seinem Weg. Er zeigt Momente des Bewusstseins und des Erwachens“, teilt seine Managerin Sabine Kehm in einer Stellungnahme mit.

16. Juni 2014

Schumachers Managerin gibt bekannt: „Michael hat das CHU Grenoble verlassen, um seine lange Phase der Rehabilitation fortzusetzen. Er ist nicht mehr im Koma.“

Staatsanwalt Quincy hat bisher keine Hinweise darauf, dass die Piste nicht nach französischen Normen gekennzeichnet war. „Die Kennzeichnung entsprach den Regeln und wer sich außerhalb der Piste bewegt, sieht das sofort“, bestätigte auch Gendarmerie-Kommandant Bozon. Warum sich Schumacher außerhalb der Piste bewegt hat, konnte oder wollte Staatsanwalt Quincy nicht abschließend beantworten. Er geht aber davon aus, dass Schumacher als erfahrener Skifahrer bewusst abseits der Piste gefahren ist.

Zum angeblichen Touristen-Video vom Schumacher-Unfall, von dem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet hatte, äußerte sich der Staatsanwalt skeptisch; „Ich habe meine Zweifel, was das angeht“, erklärte Quincy auf der Pressekonferenz.

Zu weiteren Details zum Unfallhergang wollte sich die Staatsanwaltschaft Albertville nicht äußern und verwies auf laufende Ermittlungen.

Kommentare (17)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

08.01.2014, 12:03 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

ohne_worte

08.01.2014, 12:18 Uhr

Ach du Nichtsnutz. Mich widern diese Menschen an, welche im Rahmen eines so schwerwiegenden Unfalls immmer und immerwieder das Steuerthema rausholen. Ja, über das Steuergebaren kann man sich unterhalten, aber muss es denn immmer im Zusammehang mit einer so schweren Verletzung genannt werden? Wird die Verletzung dadurch weniger dramatisch? Wiegt es hier irgendwas menschlich auf?

Rechtsberatung

08.01.2014, 14:00 Uhr

Das ist eher eine Nicht-Meldung.

Der Konferenz vorangestellt hatte Quincy die Bitte an die Medien, von weiteren Falschmeldungen abzusehen.... das spricht Bände.

Im Wesentlichen wurde da garnichts "Neues" berichtet, sondern die vielen unqualifizierten Meldungen der Presse, allen voran das Spiegel-Gewäsch über einen ominösen Film eines Dritten über den Vorgang, mit völligem Nichtwissen dementiert.

Das gleiche gilt auch für die "Helfer-Story": "Der herzensgute Schumi hift einem Dritten nach einem Sturz und bringt sich dabei selbst in Gefahr.... (...)

So geht Boulevardpresse...

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