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08.07.2014

19:29 Uhr

Prozess um Formel-1- Boss

Ecclestone nutzte Briefkastenfirma in Panama

Um die Gelder an den Banker Gribkowsky umzulenken, nutzte Formel-1-Boss Ecclestone den Umweg über eine Firma in Panama. Er selbst reiste nach Zeugenaussagen nicht dorthin, ob es die Firma tatsächlich gibt, ist unklar.

Es ist keine schöne Beschäftigung, vor Gericht zu stehen, das sieht man der Mine von Bernie Ecclestone, hier mit seinem Anwalt Sven Thomas, an. Während der Ausgang offen ist, zehrt der Prozess an seiner Psyche und Physis. Reuters

Es ist keine schöne Beschäftigung, vor Gericht zu stehen, das sieht man der Mine von Bernie Ecclestone, hier mit seinem Anwalt Sven Thomas, an. Während der Ausgang offen ist, zehrt der Prozess an seiner Psyche und Physis.

MünchenDer Geldsegen kam aus Panama: Über eine Auslandsfirma hat Formel-1-Boss Bernie Ecclestone seine Millionenzahlungen an den ehemaligen Bankvorstand Gerhard Gribkowsky nach Darstellung eines Zeugen verschleiert. Im Bestechungsprozess vor dem Landgericht München sagte der ehemalige Wirtschaftsberater am Dienstag, Ecclestone habe ihn im Jahr 2007 mit der „Operation Gribkowsky“ beauftragt.

Der 76-jährige Zeuge, der in der Anklage als Helfer Ecclestones bezeichnet wird, nahm die Sache in die Hand und sorgte dafür, dass eine Firma namens Lewington Invest in Panama das Geld an Gribkowsky überwies. Wofür wusste er aber nach eigenen Worten nicht. Ecclestone habe ihm den Grund für die Zahlungen nicht genannt und auch darum gebeten, seine Identität herauszuhalten. „Er wollte natürlich nicht, dass sein Name in Erscheinung tritt.“

In mehreren Teilbeträgen überwies die Panama-Firma schließlich insgesamt 22 Millionen Dollar an Gribkowsky. Eine Summe in ähnlicher Größenordnung floss zudem über Ecclestones Familienstiftung Bambino an den damaligen Bayern LB-Vorstand. Während Ecclestone die Zahlungen mit einer Erpressung begründete, wirft die Staatsanwaltschaft ihm Bestechung des Bankers vor.

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Die Ankläger gehen davon aus, dass die Firma Lewington eine Briefkastengesellschaft war, die nur den Zweck hatte, die Geldströme zwischen Ecclestone und Gribkowsky zu vertuschen. „Lewington hat nichts produziert“, sagte der Zeuge auf Nachfragen des Richters. Auch Gribkowsky ließ sich die Millionen nicht auf sein privates Girokonto überweisen, sondern an eine Stiftung Sonnenschein in Österreich, die sich angeblich um die Familien krebskranker Kinder kümmerte. Er wurde wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung bereits zu jahrelanger Haft verurteilt und soll am 14. August erneut als Zeuge vernommen werden.

Mit dem Geld wollte Ecclestone laut Anklage erreichen, dass Gribkowsky die Mehrheit an der Formel 1, die damals der Bayerischen Landesbank gehörte, an seinen Wunschkäufer CVC veräußerte. Der Investor kaufte die Mehrheit schließlich im Jahr 2006 und besitzt sie noch heute. Am Mittwoch soll CVC-Mitbegründer Donald MacKenzie als Zeuge dazu aussagen, wie der Kauf abgelaufen ist. Er hatte im vergangenen Jahr mit Ecclestones Rauswurf gedroht, sofern dieser sich strafbar gemacht habe. Bis zu einem möglichen Urteil vergehen aber wohl noch Monate: Richter Peter Noll legte zusätzliche Prozesstage bis Mitte Oktober fest.

Von

dpa

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