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10.01.2007

13:55 Uhr

Rallye Dakar

Immer wieder Afrika

VonMartin Henkel

Sieben Mal ist Sven Quandt den Wüstenklassiker Dakar gefahren. 1998 wurde er Weltmeister in der Klasse der seriennahen Fahrzeuge. Seit Montag ist er mit dem Rallyetross schon wieder da – als Eigner des kleinen Privatteams, für das Jutta Kleinschmidt fährt.

Rallyepilotin Jutta Kleinschmidt fährt mit ihrem BMW X 3 durch die Wüste während der vierten Etappe der Rallye Dakar. Foto: dpa

Rallyepilotin Jutta Kleinschmidt fährt mit ihrem BMW X 3 durch die Wüste während der vierten Etappe der Rallye Dakar. Foto: dpa

TREBUR. Liegt einfach so da das Buch. Großformat, Hochglanz, Bilder von Wanderdünen, Springböcken, türkisblauem Meer und Weite, grenzenloser Weite. Ist Dekoration. Und Hinweis. Afrika, auch hier, in Trebur-Astheim, plattes Niemandsland, irgendwo zwischen dem Frankfurter Flughafen, dem Odenwald und der Rheinebene. Sven Quandt hat es von seiner letzten Reise mitgebracht.

Was der Sohn aus zweiter Ehe des früheren Großaktionärs von BMW, Herbert Quandt, sonst noch so eingesammelt hat, steht in Vitrinen oder hängt an den Wänden. Masken, Figuren aus Holz, handgewebte Gobelins. Sein Büro ist voll davon. Erinnern ist gut für die Seele.

Afrika! Lässt einen ja auch nicht mehr los. Da spiele es auch keine Rolle, ob man auf einem Kamel sitzt oder hinterm Steuer eines Rallye-Autos. Sagt Sven Quandt, gute zwei Meter groß, ruhige und freundliche Stimme, Maßanzug. Und der sollte es wissen.

1988 ist er mit seiner Frau zum ersten Mal mit einem Unimog von München nach Johannesburg gefahren. Die hatte ihm ein Jahr zuvor ein Offroad-Fahrertraining auf dem Nürburgring geschenkt. Kurz darauf Einladung ins Camel-Trophy-Camp, Qualifikation für das spätere Rennen. Dann der Blinddarm, Absage. Ein Jahr darauf Südafrika. War „Liebe auf den ersten Blick. Die Wüste war beeindruckend, diese Weite und diese Ruhe. Das vergisst man sein Leben nicht mehr.“

Also wiederkommen. Jedes Jahr. Sieben Mal ist Sven Quandt, der jugendliche Mopedtuner und erwachsene Autonarr, den Wüstenklassiker Dakar gefahren. 1998 wurde er Weltmeister in der Klasse der seriennahen Fahrzeuge. Seit Montag ist er mit dem Rallyetross schon wieder da. Wie immer im Januar.

Nur fährt er nicht mehr selbst. Sven Quandt, der mit dem Verkauf seiner Aktien am Batterieunternehmen „Varta“ über ein geschätztes Vermögen von 60 Millionen Euro verfügt, ist 50, „da ist man nicht mehr so verwegen“. Also hat er sich seinen eigenen Rennstall aufgebaut. Nennt sich BMW X-raid, eine Werkstatt, ein Büro im dritten Stock eines schmucklosen Bürowürfels, finanziert wird es fast ausschließlich von ihm selbst. Nur der Motor, die Lampen, Spiegel, Frontgrill und Embleme kommen vom bayerischen Motorenwerk.

Für fünf Autos reicht es trotzdem, drei X3 CC und zwei X5 CC. In einem sitzt Jutta Kleinschmidt, die hat 2001 die Dakar gewonnen, ist seither so etwas wie das deutsche Gesicht der Rallye, und war im Sommer frei. Ihr Ruhm ist etwas abgenutzt, VW wollte nach drei Jahren den Vertrag nicht mehr verlängern. Also zu Quandt. Für den ist sie schon mal gefahren, 1995 in einem Mitsubishi von Geco-Raid. Sven Quandt sagt: „Jutta ist gut fürs Team.“

Kann man ihm getrost glauben, Quandt hat ein Faible für Fahrer, die keiner mehr oder generell nicht auf der Liste hat. Und er will gern zeigen, dass man auch mit einem kleinen Team vorne mitfahren kann. Einzige Bedingung: Leidenschaft für den Rallyesport und Loyalität. Der „Rest kommt dann meistens von allein.“ Auch bei denen, die nicht schon ihre Pubertät auf Kartbahnen oder Dreckpisten verbracht haben. Hat Luc Alphand ja bestens bewiesen.

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