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05.12.2015

09:01 Uhr

Renault und die Formel 1

Mit Vollgas in die gute, alte Zeit

VonThomas Hanke, Alexander Möthe

Der Abschied war fest eingeplant: Nach dem Zerwürfnis mit Red Bull wollte Renault der Formel 1 den Rücken kehren. Umso spektakulärer ist das Comeback: Mit eigenem Team wollen die Franzosen wieder um den Titel kämpfen.

Für Renault gewinnt Fernando Alonso 2005 den großen Preis von Hockenheim – solche Erfolge wollen die Franzosen wiederholen. dpa

Da waren noch Zeiten

Für Renault gewinnt Fernando Alonso 2005 den großen Preis von Hockenheim – solche Erfolge wollen die Franzosen wiederholen.

ParisRenault und die Formel 1, das ist eine Geschichte mit allen Höhen und Tiefen. Lange konnte der Konzern sich nicht entscheiden, ob er sich ganz aus der Königsklasse zurückziehen, sein Engagement als Motorenlieferant fortsetzen oder wieder mit einem eigenen Rennstall antreten solle. Renault-Chef Carlos Ghosn äußerte sich im vergangenen Jahr so euphorisch über die neue „Formel E“, in der nur Stromer antreten, und so zögerlich über die F1, dass man den Eindruck bekam: Der Abschied ist nur noch eine Frage der Zeit.

Doch die Formel E findet noch weitgehend ohne Anteilnahme der Öffentlichkeit statt, und die Formel 1 begeistert zunehmend die Asiaten, also die Märkte, auf denen die Marke mit dem Rhombus am Grill stärker werden will. Deshalb entscheid Ghosn nun: „Wir kehren mit eigenem Auto in die Formel 1 zurück.“ In „drei Jahren“ wolle man um die Weltmeisterschaft mitfahren, gab er im Interview mit „Le Figaro“ am Freitag als Ziel vor. Die Franzosen kaufen den unter Lotus antretenden Rennstall zurück, dessen Vorläufer sie 2009 an einen Finanzinvestor verkauft hatten.

Die Budgets und Mitarbeiter der Formel-1-Teams

Ferrari

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 700

Mercedes

Budget: 250 Millionen Euro
Mitarbeiter: 550

Red Bull

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 640

Williams

Budget: 140 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

McLaren

Budget: 230 Millionen Euro
Mitarbeiter: 560

Force India

Budget: 95 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Toro Rosso

Budget: 120 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Lotus

Budget: 85 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

Sauber

Budget: 100 Millionen Euro
Mitarbeiter: 300

Seitdem waren die Franzosen nur noch als Motorenlieferanten aktiv – allerdings so erfolgreich, dass sie zeitweilig die Formel 1 nach Lust und Laune dominierten: 2010, 2011, 2012 und 2013 gewannen Rennwagen mit Renault-Triebwerken die Weltmeisterschaft. Wer als Fahrer einen im Werk Viry-Chatillon südlich von Paris gebauten Motor im Kreuz hatte, besaß fast ein Abo auf den Sieg. Der Fahrer hieß in allen vier Jahren Sebastian Vettel.

Elfmal gewann ein Renault-Triebwerk die Weltmeisterschaft, zwei Mal im eigenen Werkswagen, und zwar 2005 und 2006 mit Fernando Alonso. Auch andere erfolgreiche Fahrer fuhren mit Renault als erste über die Ziellinie, etwa Alain Prost oder Ayrton Senna, der 1985 in einem Renault-getriebenen Auto seinen ersten Grand Prix gewann.

Zukunft der Formel 1: Motorenkrieg um Red Bull

Zukunft der Formel 1

Motorenkrieg um Red Bull

Woher sollen die Motoren kommen? Der Rennstall Red Bull kämpft um seine Zukunft in der Formel 1. Gerüchten zufolge könnte Honda sie liefern. Auch ein Ausstieg aus der Rennserie scheint derzeit nicht ausgeschlossen.

Zwischen 1992 und 1997 gingen fünf von sechs möglichen Weltmeistertiteln an ein Team mit Renault-Motoren. Nigel Mansell, Damon Hill, Jacques Villeneuve, Alain Prost und nicht zuletzt Michael Schumacher holten sich die Motorsportkrone mit dem französischen Aggregat. Die Formel 1 und Renault, das passte lange Zeit sehr gut zusammen.

Doch 2014 brach die mit Red Bull geschaffte Erfolgsserie ab. Das österreichische Team warf den Franzosen vor, ein unzuverlässiges Triebwerk mit unterlegener Leistung zu bauen, Renault gab den Druck weiter an seinen Brenn- und Schmierstofflieferanten Total, doch die Ergebnisse besserten sich kaum.

Dietrich Mateschitz, Chef des Brauseherstellers und nicht für seine Geduld bekannt, ätzte oft und ungehemmt gegen den Motorenpartner. An Vierfachweltmeister Vettel wollte er die Schuld am plötzlichen Abriss des Erfolgs ebenso wenig festmachen wie an Konstrukteurslegende Adrian Newey. Letzterer hatte schon in den 90ern mit seinen Entwürfen dafür gesorgt, dass Boliden mit Renault-Power eine wahre Dominanz erreichten.

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