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24.06.2015

13:39 Uhr

Rennsport in der Krise

Wahnsinnssumme für die Formel 1

VonJoachim Hofer

Ein US-Investor und Katar wollen die Formel 1 übernehmen: Der Deal ist noch nicht durch. Sicher ist nur, dass das Geschehen in den Hinterzimmern der Sportszene spannender ist als die Rennen der Boliden. Ein Kommentar.

Die Formel 1 ist zur Zeit spannender in der Hinterzimmern der Funktionäre als auf dem Asphalt. dpa

Formel 1

Die Formel 1 ist zur Zeit spannender in der Hinterzimmern der Funktionäre als auf dem Asphalt.

MünchenDer Formel Eins laufen die Fans davon: In Deutschland gibt’s dieses Jahr gar kein Rennen und im österreichischen Spielberg kamen am Wochenende nur noch halb so viele Zuschauer wie 2014. Das ist keine neue Entwicklung, schon seit Jahren geht es mit der bekanntesten Rennserie der Welt bergab.

Dass sich jetzt ein Eigentümerwechsel anbahnt, ist daher auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Schließlich kann die Formel Eins frischen Wind dringend gebrauchen. Ein US-Milliardär und Katar wollen gut ein Drittel der Anteile an dem Motorsportzirkus für sieben Milliarden Euro kaufen. Ob der Deal zustande kommt ist allerdings noch völlig offen.

Fest steht hingegen, dass sich die Formel 1 wandeln muss, und zwar schnell. Die Rennen sind viel zu langweilig, die komplizierte Technik versteht kein Mensch, und das Reglement ist ein Buch mit sieben Siegeln. Gleichzeitig dominieren seit Jahren zwei, drei Teams. Der Rest fährt hinterher.

Wer ist Stephen Ross?

Football

- Besitzer der Miami Dolphins aus der amerikanischen Football-Profiliga NFL (zusammen mit Katar Sports Investment, Besitzer des französischen Fußball-Meisters Paris Saint-Germain)
- Besitzer des Dolphin Stadiums, Heimstätte der Miami Dolphins

Sportrechte

- Besitzer von RSE Ventures, multinationales Sportrechte- und Entertainmentunternehmen
- Mitglied des Exekutivkomitees von NYC2012, New Yorks Olympia-Bewerbung 2012

Immobilien

- Chef und Mehrheitseigner der Related Companies, ein global operierendes Immobilienunternehmen, dass er 1972 gründete
- Entwickler von Time Warner Center und Hudson Yards Redevelopment Project

Bildung

- Besitzer von Kangaroo Media, Produzent von FanVision
- Namensgeber der Ross Business School der University of Michegan, nachdem er 100 Millionen Dollar an die Uni spendete

Politik

- Unterstützer und Financier der Präsidentschaftskampagne von Republikaner Mitt Romney

Persönliches

- in zweiter Ehe mit Kara Ross, Schmuckdesignerin, verheiratet
- zwei Kinder

Vermögen

- 4,8 Milliarden US-Dollar (Forbes-Liste)
- residiert in New York
- 11.000 Quadratmeter Anwesen in Palm Beach direkt am Meer

Mögliches Formel-1-Angebot

- Ross und Katar Sports Investment wollen 35,5 Prozent der Londoner Private Equity Firma CVC Capital & knapp fünf Prozent von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone übernehmen
- Angebotssumme: 7 Milliarden Euro

Viel schlimmer noch: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone verweigert sich nach wie vor modernen Kommunikationswegen über die sozialen Netze. Die Rennserie erreicht deshalb Jahr für Jahr weniger junge Menschen und droht zu vergreisen.

Es ist daher höchst bemerkenswert, dass der amerikanische Unternehmer Stephen Ross und Katar jetzt sieben Milliarden für einen Minderheitsanteil auf den Tisch legen wollen. Alles in allem wäre die Formel Eins damit mehr als 20 Milliarden Euro wert. Eine Wahnsinnssumme angesichts sinkender TV-Quoten und leerer Tribünen.

Offenbar gehen die Investoren davon aus, dass sie das Spektakel wiederbeleben können. Und nicht nur das: Sie rechnen scheinbar damit, die Königsklasse des Motorsports in neue Dimensionen zu führen. Nur so lässt sich der hohe Preis ökonomisch erklären.

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