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23.10.2011

11:34 Uhr

Trend zu Events

Der Motorsport entdeckt die Spaßkultur

VonThomas Mersch

Von Rennfahrern zu Cockpit-Helden: Motorsportserien setzen auf Events, um Zuschauer zu halten und neue Anhänger und Sponsoren zu locken. Großes Potenzial hat auch die Fahrervermarktung.

Auch hier wird die neue Rennfahr-Prominenz geboren: die „Stock Car Crash Challenge“ des Senders Pro Sieben. Selbst Moderator Stefan Raab crasht mit. obs

Auch hier wird die neue Rennfahr-Prominenz geboren: die „Stock Car Crash Challenge“ des Senders Pro Sieben. Selbst Moderator Stefan Raab crasht mit.

KölnAls das Hinterrad klemmt, greifen die Mechaniker zum Vorschlaghammer. Kurzerhand wird der Kotflügel aus dem Weg genagelt. Gelassen wartet Timo Scheider, bis seine Karre zurechtgebeult ist. Dann röhrt der zweimalige Champion der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) zurück auf die Strecke.

Anarchie im Motorsport? Nur für einen Tag. Stefan Raab hat Anfang Oktober zur Stock Car Crash Challenge in die Gelsenkirchener Veltins-Arena geladen. Karambolagen sind Pflicht - wer dem Vordermann ins Heck rauscht, sammelt Punkte. Neben Promis aus dem Show-Business sind mit Scheider und dem neuen DTM-Champion Martin Tomczyk zwei Top-Rennfahrer von Audi-Teams am Start. Es habe Spaß gemacht, lassen sie danach vermelden.

Ganz anders als ihre Fahrer üben sich die Verantwortlichen der DTM in Distanz zum Crash-Event. "Das Stock-Car-Rennen ist derart spezifisch - das kann man mit einer echten Motorsport-Veranstaltung nicht vergleichen", sagt Jürgen Pippig, Leiter der Motorsportkommunikation bei Audi und Vorstand des DTM-Veranstalters ITR. Freilich haben die Rennsportchefs in den letzten Jahren den Eventcharakter ihrer Serie selbst kräftig gestärkt. Konzerte in der Boxengasse oder Rennen im Stadion sollen den Motorsport für Anhänger attraktiv halten und ganz neue Zielgruppen erschließen. Denn der Wettbewerb um die Gunst der Sportfans verschärft sich.

"Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert", sagt Pippig. "Früher waren sie sportlich nicht so aktiv, heute gehen viele selbst zum Kiten, Surfen oder Tennisspielen - alles Konkurrenz für den Motorsport." Er ist überzeugt: "Die Zeiten, in denen die Leute sich auf die Tribüne gesetzt und stundenlang Rundentabellen geführt haben, sind vorbei."

Die Rennveranstalter steuern gegen - und die DTM setzt Zeichen bei der Eventkultur. "Man hat Renngeschehen und Rahmenprogramm schon immer als Gesamtpaket betrachtet", sagt Friedhelm Lange, Vertriebsmanager Motorsport der Sponsoringberatung Sport+Markt. So werde eine "Erlebniswelt" der teilnehmenden Marken zentral von der DTM organisiert - alle Veranstalter müssten Flächen dafür bereitstellen.

"Der Showcharakter im Motorsport nimmt zu", bestätigt Hans-Bernd Kamps, selbst ehemaliger Rennfahrer und Chef der Sponsoringagentur Tolimit. Die Schlüsselrolle sieht er bei den Fahrern. "Es ist wichtig, die Helden stärker in den Vordergrund zu rücken", sagt Kamps. "Mehr Zuschauer an die Strecken und vor den Fernseher bekommt man nur über Menschen, die eigenständige Typen mit klarem Image sind." Während dieser Trend in der Formel 1 schon länger zu beobachten sei, tue sich die DTM noch schwer. "Die Hersteller wollen vor allem ihre Produkte nach vorne bringen", sagt Kamps. "Natürlich ist das ihr gutes Recht."

DTM-Promotionveranstaltung in Graz: Martin Tomczyk fährt mit seinem Audi A4, die Zuschauer sind ganz nah dran. dapd

DTM-Promotionveranstaltung in Graz: Martin Tomczyk fährt mit seinem Audi A4, die Zuschauer sind ganz nah dran.

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