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25.10.2015

13:11 Uhr

Zukunft der Formel 1

Motorenkrieg um Red Bull

Woher sollen die Motoren kommen? Der Rennstall Red Bull kämpft um seine Zukunft in der Formel 1. Gerüchten zufolge könnte Honda sie liefern. Auch ein Ausstieg aus der Rennserie scheint derzeit nicht ausgeschlossen.

Welche Motoren kommen in den Red-Bull-Wagen nächstes Jahr zum Einsatz? Derzeit sucht das Team noch einen Lieferanten. AFP

Red-Bull-Fahrer Daniil Kyvat

Welche Motoren kommen in den Red-Bull-Wagen nächstes Jahr zum Einsatz? Derzeit sucht das Team noch einen Lieferanten.

AustinChristian Horner setzte sein Pokerface auf. „Es gibt im Moment unheimlich viele Spekulationen, die ohne Zweifel bald klarer werden“, sagte der Red-Bull-Teamchef – und versuchte, im Motoren-Krieg Zuversicht zu verbreiten. Doch der Brite kämpfte am Rande des Grand Prix der USA in jeder Menge Hinterzimmer-Treffen zunehmend verzweifelt um die Zukunft von Red Bull in der Formel 1. „Wir müssen eine Lösung finden. Dafür arbeite ich sehr hart“, sagte der 41-Jährige.

„Derzeit gibt es viele Vermutungen über unsere Situation“, sagte Horner. In Austin hielt sich nämlich hartnäckig das Gerücht, dass das ehemalige Team von Ferrari-Star Sebastian Vettel in der kommenden Saison mit einem Antrieb von Honda im Heck an den Start gehen könnte. Das Problem: Die Idee schmeckt McLaren-Boss Ron Dennis gar nicht.

Auch Chefpromoter Bernie Ecclestone mischte sich in die Gespräche ein. Der Big-Boss will Red Bull und damit auch das Junior-Team Toro Rosso unbedingt in der Formel 1 halten, damit dass Fahrerfeld nicht noch weiter zusammenschrumpft.

Horner wollte die Verhandlungen mit Honda weder bestätigen noch dementieren, plauderte aber freimütig über offenbar geplatzte Sondierungen mit dem Volkswagen-Konzern. „Es gab Diskussionen mit der VW-Gruppe, aber vor dem Hintergrund ihrer Probleme ist die Formel 1 vermutlich das Letzte, woran sie derzeit denken“, sagte Horner.

Die Budgets und Mitarbeiter der Formel-1-Teams

Ferrari

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 700

Mercedes

Budget: 250 Millionen Euro
Mitarbeiter: 550

Red Bull

Budget: 240 Millionen Euro
Mitarbeiter: 640

Williams

Budget: 140 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

McLaren

Budget: 230 Millionen Euro
Mitarbeiter: 560

Force India

Budget: 95 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Toro Rosso

Budget: 120 Millionen Euro
Mitarbeiter: 320

Lotus

Budget: 85 Millionen Euro
Mitarbeiter: 500

Sauber

Budget: 100 Millionen Euro
Mitarbeiter: 300

Red Bull versetzt die Formel 1 in diesen Tagen in ziemlichen Aufruhr. Und wie immer geht es dabei um Macht, Millionen und Eitelkeiten. Horner ist noch immer mächtig sauer auf Mercedes und Ferrari. Die beiden Premium-Hersteller weigern sich hartnäckig, Motoren an den direkten Konkurrenten zu liefern. Und das Verhältnis zum bisherigen Partner Renault ist und bleibt zerrüttet. Oder kommt es doch noch zu einer spektakulären Wende?

Red Bull gerät jedenfalls immer stärker unter Druck, die Zeit drängt. Ein Auto für 2016 lässt sich ohne Motor nicht so ohne weiteres bauen. Doch Horner gibt sich optimistisch. „Ein Ausstieg aus der Formel 1 ist für mich keine Option“, sagte er.

Aber dafür sehr wohl für Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. „Entweder wir erhalten einen konkurrenzfähigen Motor oder wir steigen aus“, hatte der Österreicher zuletzt gesagt. Doch Honda lieferte im Heck des McLaren in diesem Jahr bisher eine alles andere als überzeugende Vorstellung ab.

Im Hintergrund arbeitet Ecclestone derweil an einem besonders spektakulären Deal. Zusammen mit FIA-Präsident Jean Todt will er eine Motoren-Revolution durchdrücken und ab der Saison 2017 neben dem aktuellen Hybrid-Antrieb einen Motor ohne Elektropower erlauben. „Wenn wir die Formel 1 retten wollen, müssen wir einen konkurrenzfähigen Motor anbieten, den jeder kaufen kann, der keinen Werksmotor bekommt. Sonst sind wir den Herstellern ausgeliefert“, sagte Ecclestone dem Fachmagazin „Auto, Motor und Sport“. So müsste Red Bull nur ein Jahr mit dem schwachen Honda-Antrieb oder mit Renault überbrücken. Auch eine einjährige Pause scheint in diesem Krimi nicht ausgeschlossen.

„Es ist noch überhaupt nichts beschlossen“, sagte Horner und setzte wieder sein Pokerface auf: „Wir führen intensive Verhandlungen im Hintergrund, und ich hoffe sehr, dass wir zu einer Lösung kommen.“

Von

sid

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