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21.06.2014

10:22 Uhr

Nach Tumulten im Maracanã

Fifa beschämt, Polizei ändert Konzept

Obwohl ein Zwischenfall Sicherheitslücken offenbarte, soll das WM-Endspiel im Maracanã stattfinden. Die Fifa ist „beschämt“ und will reagieren. Doch Konstruktionsmängel lassen sich in der kurzen Zeit nicht mehr beheben.

Eine Tür, die beschädigt wurde als Fans den Presseraum im Maracana gestürmt haben. ap

Eine Tür, die beschädigt wurde als Fans den Presseraum im Maracana gestürmt haben.

Rio de JaneiroDie rote Horde hinterließ ein Bild der Zerstörung. Rund 100 chilenische Fans drangen am Mittwochabend gewaltsam in Brasiliens Fußball-Tempel Maracanã ein, rasten durch das Mediencenter im Bauch des Stadions und zerstörten Türen, Wände und Fernsehgeräte. Die FIFA war geschockt - und reagierte prompt: Keine 24 Stunden nach dem Zwischenfall verkündete der Weltverband, sein Sicherheitskonzept für die WM in Brasilien auf den Prüfstand zu stellen.

Das gab Sicherheitschef Ralf Mutschke am Donnerstag im Maracanã bekannt. Mutschke nannte es „beschämend“, dass es den Fans gelingen konnte, sich über das Mediencenter Zugang zu den Katakomben des Stadions zu verschaffen. „Wir haben den Vorfall untersucht, es wird in Zusammenarbeit mit den Behörden und dem Organisationskomitee alles auf den Prüfstand gestellt, das komplette Sicherheitskonzept. Wir sind zuversichtlich, dass so etwas nicht mehr vorkommt“, sagte Mutschke weiter.

Nach Angaben der Offiziellen hätten die Sicherheitsgitter dem Ansturm der Fans nicht standgehalten. Ein Grund sind zudem offenbar auch Konstruktionsmängel bei einigen der erst in letzter Sekunde vor der WM fertiggestellten Bauten.

Nun hat die Polizei die entsprechenden Änderungen beschlossen: Neben stärkeren Absperrungen sollen auch 600 zusätzliche Polizisten eingesetzt. „Mit den zusätzlichen Maßnahmen haben wir im Falle eines erneuten Sturms nun eine zweite Barriere“, sagte Hilario Medeiros, der Sicherheitschef des WM-Organisationskomitees auf einer Pressekonferenz.

Mutschke betonte, dass die privaten Sicherheitsdienste trotz des Vorfalls vor dem Spiel zwischen Spanien und Chile (0:2) einen guten Job gemacht hätten. Zahlreiche Messer und Feuerwerkskörper seien aus dem Verkehr gezogen worden. „Es ist nicht so sexy, über so etwas sprechen zu müssen, aber die Situation ist auch nicht so schlimm, wie sie manchmal dargestellt wird.“

87 chilenische und ein argentinischer Fan wurden nach Angaben der Behörden festgenommen. Keiner der Eindringlinge sei in den Innenraum des Stadions gelangt, hieß es. Brasilianische Medien berichteten von mehreren leicht verletzten Fans, auch Mutschke hatte von Verletzten gehört. Medeiros widersprach dem jedoch. „Wir arbeiten Tag und Nacht daran, dass so etwas nicht wieder passiert“, sagte er zudem, „beim nächsten Spiel wird es Veränderungen geben.“

Laut OK waren am und im Maracanã am Mittwoch 1037 Sicherheitsleute im Einsatz. Zudem überwachten 3000 Polizisten außerhalb der Arena die Lage. „Das Protokoll wurde exakt eingehalten, niemand verletzt. Alles, was getan werden konnte, lief erfolgreich“, sagte Andrey Passos Rodrigues vom zuständigen brasilianischen Justizministerium.

Der Zwischenfall vom Mittwoch war jedoch nicht der erste bei der WM. Bereits vor dem Spiel zwischen Argentinien und Bosnien-Herzegowina (2:1) am 15. Juni hatten rund 30 Fans versucht, ohne Karten ins Maracanã zu gelangen. Beim ersten Spiel der Chilenen am 13. Juni in Cuiaba gegen Australien (3:1) explodierten wie beim zweiten im Maracanã Feuerwerkskörper auf der Tribüne. Und in Fortaleza stand bei den Einlasskontrollen plötzlich nicht ausreichend Personal zur Verfügung. All diese Probleme seien unter Kontrolle, versicherte Medeiros.

Von

sid

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