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10.08.2012

19:14 Uhr

Nach Veröffentlichung

Deutsche Athleten verfehlen Medaillenvorgabe deutlich

Die deutschen Athleten haben bei Olympia viel weniger Medaillen geholt als geplant. Das geht aus jetzt veröffentlichten Unterlagen des Bundesinnenministeriums hervor. Nun drohen dem deutschen Sport Mittelkürzungen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will nach Olympia die Sportförderung auf den Prüfstand stellen. dpa

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will nach Olympia die Sportförderung auf den Prüfstand stellen.

LondonDer deutsche Sport hat seine selbst gesetzten Medaillenziele in London krass verfehlt. Unmittelbar vor dem großen Olympia-Finale stand fest, dass die in der internen Zielvereinbarung zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Fachverbänden angestrebte Anzahl von 86 Medaillen, davon 28 aus Gold, deutlich an der Realität vorbeiging. Nach mehr als 80 Prozent der 302 Entscheidungen hatte das 391-köpfige Team lediglich 38 Mal Edelmetall (10 Gold, 17 Silber, 11 Bronze) gewonnen. Die betroffenen Fachverbände müssen nun Mittelkürzungen durch das Bundesinnenministerium (BMI) befürchten.

Laut Unterlagen, die am Freitag vom BMI erstmals veröffentlicht wurden, haben von den 23 in London vertretenen Sportarten bisher lediglich Tischtennis und Kanuslalom das angepeilte Ziel erreicht. Als große Verlierer kehren vor allem die Schwimmer, Fechter und Schützen nach Hause zurück. Im Fußball, Basketball und Handball hatten sich die Deutschen erst gar nicht qualifiziert.

Historische Medaillenspiegel

1992

Bei den Sommerspielen in Barcelona landete die erste Gesamtdeutsche Mannschaft nach der Wiedervereinigung auf Rang drei der Nationenwertung. 82 Medaillen wurden geholt, 33 Mal Gold, 21 Mal Silber und 28 Mal Bronze.

1996

Im US-amerikanischen Atlanta konnte der dritte Platz im Medaillenspiegel verteidigt werden. Dazu musste das Olympia-Team nur noch 65 Mal Edelmetall holen. Die Athleten gewannen 20 Goldmedaillen, 18 Mal Silber und 27 Mal Bronze.

2000

In Sydney reichten 56 Medaillen nur noch für den fünften Rang. 13 Goldmedaillen, 17 Silbermedaillen und 26 Bronzemedaillen sammelte der deutsche Olympia-Kader ein.

2004

Etwas schlechter sah es dann 2004 in Athen aus. 13 Mal Gold, 16 Silbermedaillen und 20 Mal Bronze - 49 Medaillen langten in der Nationenwertung für den sechsten Platz.

2008

Bei den Spielen in Peking wurde der Trend umgekehrt: 16 Mal Gold, 10 Mal Silber und 15 Bronzemedaillen holten deutsche Olympioniken - Rang fünf im Medaillenspiegel.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper verteidigte die getroffenen Vereinbarungen. „Es handelt sich hierbei um Ziele, auf die sich jeder einzelne Sportfachverband mit dem DOSB zu Beginn des olympischen Zyklus vor vier Jahren verständigt hat“, sagte Vesper. „Dies als konkrete Medaillenplanwirtschaft zu interpretieren, wäre naiv und ginge an der Sachlage vorbei. Jeder, der sich im Sport auskennt, weiß, dass sich erfahrungsgemäß nur ein Teil der Jahre zuvor identifizierten Medaillenchancen realisieren lässt.“

Nach außen hatte die Dachorganisation stets kommuniziert, das Niveau von Peking mit 41 Medaillen (16 Gold, 10 Silber, 15 Bronze) und Rang fünf in der Nationenwertung halten zu wollen. „Nach dem Ausgang der Olympischen Spiele werden wir gemeinsam mit dem Sport nach einer sorgfältigen sportfachlichen Analyse die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Sportförderung ziehen“, kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich am Freitag an.

Kommentare (8)

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RamonGaluptra

10.08.2012, 19:44 Uhr

Jetzt mal im Ernst... was für geisteskranke tummeln sich da im Innenministerium? Mehr als doppelt so viele wie in Peking. Wo sollen die bitte herkommen? Soviele hatte zuletzt die DDR 1988.
Ein großer Teil der Sportler sind reine Amateure, die mit maximal 300-400 EUR / Monat gefördert werden. Wie sollen sie da mit Profis konkurrieren, die sich ausschließlich um ihren Sport kümmern?
Wieder einmal unglaublich was diese Funktionäre sich erlauben. Sehr durchschaubar das Ganze. Erst die Anforderungen unerfüllbar hoch ansetzen, damit man hinterher wegen Nichterfüllung sie Mittel kürzen kann.
Erbärmlich!

Blinse

10.08.2012, 22:34 Uhr

Guter Kommentar. Damit ist alles gesagt.

kit_fisto

10.08.2012, 22:54 Uhr

Wo leben wir hier - China? Ist dieser Artikel eine Art H.G. Wells'scher Fiktion.....?!?

Skandal Nadja Drygalla - Das ist alles was von der deutschen Teilnahme bei Olympia 2012 von nachhaltig politischer Bedeutung bleiben wird - Die Offenbarung einer Geist-entleerten, moralisch verrotteten, primär und primitiv an Image-, Prestige- und Gewinn-orientierten Funktionärs- und Politiker-Clique, die jegliches Maß und Anstand verloren hat.

Funktionäre, Verbandssprecher, Politiker - Ein Schandmal für ein angeblich Freies Land. Staat-Medien-Konsumenten - Unser System muss dringend reformiert und wieder auf die Beine gestellt werden! Man kann und muss die Bürgerbeteiligung, Vereine wie "Mehr Demokratie", und Elemente aus der Schweizerischen Direkten Demokratie nur gutheißen - Wir haben einen Filz in Deutschland, der dem Emanzipations-Prinzip des Humanismus mittlerweile nicht mehr nur im Weg steht, sondern sogar schon dagegen arbeitet! Gleichschaltung ist wieder angesagt.

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