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23.02.2014

16:34 Uhr

Nächster Doping-Fall

Österreichischer Langläufer positiv getestet

Österreich wird am Schlusstag der Olympischen Winterspiele von einem Doping-Fall geschockt. Skilangläufer und Mitfavorit Johannes Dürr ist des EPO-Dopings überführt worden. Mittlerweile gibt es sechs positive Tests.

Wird so schnell nicht mehr jubeln: Johannes Dürr. Reuters, Sascha Rheker

Wird so schnell nicht mehr jubeln: Johannes Dürr.

SotschiÖsterreich sorgt acht Jahre nach dem Skandal von Turin bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi wieder für Doping-Schlagzeilen. Skilangläufer und Medaillenhoffnung Johannes Dürr wurde positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet. Dies teilte das Nationale Olympische Komitee Österreichs (ÖOC) am Sonntag mit. „Er hat gesagt, er ist ein Einzeltäter, niemand anders ist involviert“, erklärte ÖOC-Präsident Karl Stoss am Sonntag, dem Schlusstag der Sotschi-Spiele, auf einer Pressekonferenz in Krasnaja Poljana. Dürr habe zugegeben, gedopt zu haben.

Der 26-jährige Ausdauerathlet aus Göstling an der Ybbs war am 16. Februar bei einer Trainingskontrolle in Österreich positiv auf ein EPO-Präparat getestet worden. Nach Sotschi angereist war der Dritte der Tour de Ski, der zwei Weltcupsiege feierte, erst am Freitag. Dürr galt als Mitfavorit für das 50-Kilometer-Rennen am Sonntag. Er soll bei 14 Doping-Tests in der vorolympischen Saison nicht aufgefallen sein.

„Es tut mir unglaublich weh und auch leid, weil wir ja tolle Spiele erlebt haben“, sagte ÖOC-Chef Stoss, dessen Olympia-Team bis zum Bekanntwerden des Doping-Falls 17 Medaillen gewann. „Leider haben wir zum Schluss einen Einzeltäter, der überführt werden konnte.“ Das sei wirklich „ein trauriges Kapitel und ein schwarzer Sonntag“.

Nach den österreichischen Doping-Affären in Salt Lake City 2002 und in Turin 2006, durch die die Beziehungen zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgekühlt waren, erwartet das ÖOC keine weitergehenden Konsequenzen durch das IOC. „Ich glaube nicht. Vonseiten des IOC ist es wichtig, dass wir sofort die richtigen Konsequenzen gesetzt haben“, sagte Stoss.

Wie 2006 bei den Winterspielen in Turin kommt der Doping-Wirbel aus dem nordischen Skibereich. Vor acht Jahren war es in den Quartieren der Langläufer und Biathleten zu Razzien durch die italienische Polizei gekommen. Die dort gefunden Gerätschaften und Präparate lösten einen Skandal aus, der zu Sperren, Prozessen und Olympia-Ausschlüssen führte. Keiner der Athleten war positiv getestet worden. Dennoch gelten Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner, Martin Tauber, Jürgen Pinter, Johannes Eder und Roland Diethart als Dopingfälle. Bis auf Diethart wurden alle lebenslang für Olympia gesperrt. Ihre Ergebnisse von Turin wurden gestrichen.

Medaillenziele und Finanzierung der Verbände

Medaillen laut Plan

Zielkorridore für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Angegeben ist jeweils die Gesamtförderung pro Verband für das Jahr 2013 sowie die Anzahl der anvisierten Medaillen.

Bob- und Schlittenverband für Deutschland

9 bis 13 Medaillen, Grundförderung: 2.148.562 Euro, Projektmittel: 1.017.205 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 3.166.767 Euro

Deutscher Curling-Verband

Olympische Qualifikation, Grundförderung: 248.450 Euro, Projektmittel: 36.500 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 284.950 Euro

Deutscher Eishockey-Bund

0 bis 1 Medaille, Grundförderung: 383.000, Projektmittel: 98.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 481´.000 Euro

Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft

2 bis 4 Medaillen, Grundförderung: 1.355.000 Euro, Projektmittel: 475.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 1.830.000 Euro

Deutsche Eislauf-Union

1 Medaille, Grundförderung 574.331 Euro, Projektmittel: 99.000 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 673.331 Euro

Deutscher Skiverband

14 bis 20 Medaillen, Grundförderung: 0 Euro, Projektmittel: 700.000 Euro, Gesamtfördersumme: 700.000 Euro

Snowboard Verband Deutschland

1 bis 3 Medaillen, Grundförderung: 680.000 Euro, Projektmittel: 326.500 Euro, Gesamtfördersumme: 1.006.500 Euro

Summe der Olympischen Wintersportverbände

27 bis 42 Medaillen, Grundförderung: 5.389.343 Euro, Projektmittel: 2.752.205 Euro, Gesamtfördersumme 2013: 8.141.548 Euro.

Quelle: Deutscher Olympischer Sportbund, Ziele und Förderung, 24. Juni 2013

Bereits 2002 in Salt Lake City waren in einem von ÖSV-Langläufern genutzten Privathaus leere Blutbeutel und Injektionsnadeln gefunden worden. Das IOC disqualifizierte die Athleten Marc Mayer und Achim Walcher, bei denen UV-Behandlungen des Blutes durchgeführt wurden.

Bei den Winterspielen in Sotschi war der Sportbetrug von Dürr der fünfte Dopingfall. Zuvor waren die deutsche Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle, Eishockey-Spieler Vitalijs Pavlovs (Lettland), der Bobfahrer William Frullani (Italien) und die Skilangläuferin Marina Lisogor (Ukraine) des Dopings überführt worden. Bei allen wurden die im Wettkampf verbotenen Stimulanzmittel entdeckt.

Kurz nach dem Eishockey-Finale am Abend wurde dann bekannt, dass der Schwede Nicklas Bäckström ebenfalls positiv getestet wurde. Ursache soll einem Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees zufolge eine Substanz gewesen sein, die in einem Allergiemittel enthalten ist. Bäckström wurde kurz vor dem Finale gegen Kanada aus dem Kader der Skandinavier gestrichen. Die Schweden verloren das Endspiel mit 0:3.

Von

dpa

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