Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2014

17:35 Uhr

Niederländischer Dreifachsieg

Beckert stark, Bergsma gewinnt

Sven Kramer kann bei Olympia über 10 000 Meter einfach nicht gewinnen. Gegen seinen Landsmann Jorrit Bergsma musste er eine bittere Niederlage einstecken. Patrick Beckert wurde überraschend sechster.

Fuhr ein richtig gutes Rennen: Patrick Beckert. Reuters

Fuhr ein richtig gutes Rennen: Patrick Beckert.

SotschiPatrick Beckert riss beim erneuten Oranje-Festival den Zeigefinger in die Luft und zeigte auf die Anzeigetafel. Mit einem famosen Steigerungslauf übertraf der Erfurter am Dienstag im olympischen 10 000-Meter-Rennen von Sotschi mit Platz sechs selbst die kühnsten deutschen Erwartungen. Den vierten Dreifacherfolg der niederländischen Eisschnellläufer konnte der 23-Jährige aber nicht verhindern. Dabei gab es eine dicke Überraschung: Rekord-Weltmeister Sven Kramer konnte die Schmach von Vancouver nicht tilgen und kam viereinhalb Sekunden hinter Jorrit Bergsma (12:44,45) nur auf Platz zwei. Moritz Geisreiter (Inzell) hielt sich als Achter respektabel.

Beckert freute sich zunächst nur verhalten - obwohl er in 13:14,26 Minuten das beste Flachland-Ergebnis seiner Laufbahn verbuchte und sogar zwölf Sekunden schneller war als bei seinem achten WM-Platz im Vorjahr. „So richtig zufrieden bin ich erst, wenn ich mal eine Medaille bei einem Top-Event wie Olympia gewinne“, sagte er.

Nach bedächtigem Beginn wurde der Thüringer von Runde zu Runde stärker und steigerte sich am Ende sogar in einen Rausch. Ausgerechnet die letzten 400 Meter des 25-Runden-Rennens absolvierte er in 29,72 Sekunden am schnellsten. Bundestrainer Stephan Gneupel ballte die Fäuste, Schwester Stephanie applaudierte ihrem Bruder gewohnt zurückhaltend. „Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich mein Rennen allein gestalten musste und nicht mit Bob de Jong gepaart war. Vielleicht wäre Bob heute zu knacken gewesen“, analysierte Beckert.

Kramer war unterdessen restlos bedient. Vier Jahre nach seiner spektakulären Disqualifikation wegen falschen Bahnwechsels im Olympia-Rennen von Richmond reichte es für ihn wieder nicht zum Sieg. Trotz seiner sechsten Olympia-Medaille (2/2/2) verfehlte der Eis-Millionär aus Heerenveen sein Ziel, den berühmten Ard Schenk (3/1/0) als erfolgreichsten männlichen Olympia-Skater im Mutterland des Eisschnelllaufs abzulösen. Nach dem Rennen klagte er über Rückenprobleme.

Der vom Eis-Marathon kommende Bergsma war einfach konstanter - und krönte den nächsten Durchmarsch der Niederländer. Bronze ging an Bob de Jong (13:07,19), der mit seinen 37 Jahren nun der zweitälteste Medaillengewinner im olympischen Eisschnelllauf nach Julius Skutnabb ist. Der Finne hatte 1928 Silber über 5000 Meter gewonnen. Die niederländischen Eisschnellläufer haben damit ihre eindrucksvolle Bilanz von Sotschi auf das Rekordergebnis von 19 Medaillen (6/6/7) in neun Rennen verbessert. Jeder der angereisten zehn Teammitglieder darf sich über mindestens eine Olympia-Medaille freuen.

Für Geisreiter kam diese erneute Oranje-Dominanz nicht überraschend. „Ich habe mich aber ganz auf mich konzentriert und bin eigentlich ganz zufrieden. Die letzten fünf Runden liefen aber technisch nicht mehr so gut“, sagte der WM-Vierte von 2012, für den Platz acht nun die A-Kader-Förderung bedeutet. „Nach meiner Sprunggelenk-Fraktur bin ich froh, dass ich diese Saison noch so gut hinbekommen habe.“ Alexej Baumgärtner musste die Höchststrafe mit einer Überrundung durch de Jong hinnehmen und kam nur auf Rang 13.


Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×