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12.02.2014

14:32 Uhr

Nordische Kombination

Frenzels Luftsprung ins Gold-Glück

Eric Frenzel holt sich in überlegener Manier den Olympiasieg in der Nordischen Kombination. Der 25-Jährige beweist spätestens im Schlussspurt seine Leistungsstärke. Er ist das Herzstück einer erfolgshungrigen Mannschaft.

Eric Frenzel hebt ab und zelebriert seinen Sieg in der Kombination. ap

Eric Frenzel hebt ab und zelebriert seinen Sieg in der Kombination.

Krasnaja PoljanaEin geschmeidiger Telemark über die Ziellinie, dann war es vollbracht: Eric Frenzel ist der fünfte deutsche Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Mit einer Demonstration seiner Stärke auf der Schanze und in der Loipe schüttelte der Oberwiesenthaler am Mittwoch in Krasnaja Poljana im Schlussspurt seinen Konkurrenten Akito Watabe ab und fuhr noch überlegen mit 4,8 Sekunden Vorsprung zum Sieg. Eine Minute lang lag er danach im Schnee, ließ sich von seinen Teamkollegen feiern und herzen, um später mit einem langgezogenen „Jaaaaaa“ den größten Triumph seiner Laufbahn zu feiern.

Frenzel, der das erste deutsche Kombinations-Gold seit Georg Hettich 2006 in Turin holte, führte ein unglaublich starkes Team an. Johannes Rydzek aus Oberstdorf wurde Sechster, der Breitnauer Fabian Rießle Achter und Tino Edelmann aus Zella-Mehlis Neunter. „Wahnsinn, was Eric geleistet hat. Er ist so abgeklärt, da brauchten wir gar nicht viel helfen. Er hat etwas Geiles vollbracht“, schwärmte Rießle und Rydzek ergänzte: „Er ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden, das schaffen nur die ganz Großen.“ Bronze ging an den Norweger Magnus Krog.

Bereits nach dem Springen führte der Sachse, der im richtigen Moment wieder einen imposanten Flug auf 103 Meter zeigte. Weinbuch war hin und her gerissen: „Ein cooler Hund ist er schon, so einen Sprung herauszuhauen“, lobte der Coach, warnte aber vor zu großer Sicherheit angesichts der schweren Laufstrecke. Frenzel selbst, am Vormittag noch etwas nervös, nahm es gelassen: „Der Sprung war ganz ordentlich, vor allem der Telemark hat funktioniert. Mittlerweile bin ich ganz relaxt.“

Das zeigte er auch im Lauf. Watabe ließ er schnell herankommen, dann harmonierten die beiden wie Teamkollegen. Sie wechselten sich ständig in der Führungsarbeit ab und sicherten sich damit ihren Vorsprung vor einer von den Norwegern angeführten bärenstarken Verfolgergruppe. „Das war verdammt schwer und ein hartes Stück Arbeit. Die Norweger waren extrem stark, aber wir haben den Olympiasieger“, jubelte Rydzek, der sich wie die anderen Deutschen nie an der Verfolgungsjagd beteiligte, eher als Bremse wirkte.

Frenzel ist das Herzstück einer jungen, erfolgshungrigen Mannschaft. Er selbst entschied sich 2012 dafür, noch mehr dafür zu investieren, um der beste Kombinierer der Welt zu werden. „Das war eine mentale Sache, die wir ohne Psychologen angegangen sind. Wir haben es angesprochen, und er war bereit dazu. Das ist eine Sache, die musst du mit dir selbst ausmachen. Er hat einen Weg gefunden, wie das funktioniert. Er ist noch selbstsicherer geworden“, sagte „Goldschmied“ Weinbuch über seinen Musterschüler.

Nach dem WM-Titel in Oslo 2011 ging es weiter bergauf. Im vergangenen Winter wurde Frenzel Weltmeister in Val di Fiemme und holte den Gesamtweltcup. Diesen dürfte er nach acht Saisonsiegen in dieser Saison verteidigen. Ein wichtiger Grund dafür: Eine funktionierende Familie. Im Herbst will er seine Freundin Laura heiraten, der gemeinsame Sohn Philipp versucht sich ebenfalls schon als Sportler.

„Ohne den Rückhalt der Familie wäre vieles schwerer. Wenn man weiß, dass alles für einen getan wird, dann ist das beruhigend und angenehm“, sagte Frenzel und freut sich auf die Ankunft der beiden in Sotschi am 16. Februar. Dann kann er ihnen schon das ersehnte, erträumte Gold zeigen.

Von

dpa

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