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13.07.2014

16:35 Uhr

„Nur Gott kann dieses Desaster erklären“

Die Seleção liegt in Trümmern

Brasiliens Fußball steht vor schweren Zeiten. Nach dem enttäuschenden vierten Platz geht es hinter den Kulissen drunter und drüber. Bei den Niederlanden verabschiedet sich Louis van Gaal mit einer WM-Medaille.

Die Tage von Brasiliens Weltmeister-Trainer von  2002, Luiz Felipe Scolari, dürften nach dem Debakel bei der Heim-WM gezählt sein. Reuters

Die Tage von Brasiliens Weltmeister-Trainer von 2002, Luiz Felipe Scolari, dürften nach dem Debakel bei der Heim-WM gezählt sein.

BrasíliaBrasilien hatte endgültig genug von seinen WM-Versagern. Kein Abschied mit Würde, keine Versöhnung, nur noch kollektiver Frust. So schnell es ging buhten die Fans ihre abgestürzten Helden mit dem humpelnden Neymar vom Platz und feierten nach dem 0:3 (0:2) gegen die Niederlande lieber den WM-Dritten um Arjen Robben. „Eine WM der Negativ-Rekorde für Brasilien“, titelte „O Globo“. Nicht nur die Zeitung „Folha de São Paulo“ forderte „nach dem neuen Fiasko“ das sofortige Ende für den unglücklichen Coach Luiz Felipe Scolari. Sogar der große Pelé war über das Turnier mit dem 1:7-Debakel gegen Deutschland als Tiefschlag entsetzt: „Nur Gott kann dieses Desaster erklären.“

Die stolze Fußball-Nation rechnete mit der Seleção gnadenlos ab. Bei allem Ärger über das eigene Team zeigten sich die Zuschauer im Estádio Nacional von Brasília als gute Verlierer: Minutenlang liefen der überragende Bayern-Superstar Robben und seine Mannschaftskollegen unter Beifall die Ehrenrunde und verabschiedeten ihren Bondscoach Louis van Gaal. „Ich denke, dass sie immer einen Platz in meinem Herzen haben werden“, berichtete der Erfolgstrainer sentimental über die Gefühle für sein Team. „Es gibt eine besondere Beziehung zueinander“, antwortete Robben wenig später.

Für Scolari war die Aufarbeitung des gründlich missratenen Heimturniers wesentlich ungemütlicher. Immer wieder versuchte der angeschlagene Coach bei der Pressekonferenz, den aufgebrachten brasilianischen Journalisten die neue Schande zu erklären. Dann kam plötzlich Neymar als moralische Unterstützung durch die Tür. Der verletzte Superstar schlich mit schwarzer, falsch herumgedrehter Kappe zu Scolari und herzte seinen Coach, der ihm zum Dank ein Küsschen auf die Wange drückte. Szenen eines wahrscheinlichen Abschieds.

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