Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2012

20:25 Uhr

Olympia 2012

Griechischer Journalist verursacht Twitter-Eklat um Keller

Ein griechischer Journalist hat der deutschen Fahnenträgerin Natascha Keller politisch inkorrekte Aussagen über das griechische Olympia-Team in einem Tweet in den Mund gelegt. Die Aufregung im deutschen Lager ist groß.

Ein griechischer Journalist legte offenbar Natascha Keller politisch inkorrekte Aussagen in den Mund. dpa

Ein griechischer Journalist legte offenbar Natascha Keller politisch inkorrekte Aussagen in den Mund.

AthenEin Tweet über angebliche Aussagen der Fahnenträgerin des deutschen Olympia-Teams und Hockey-Rekord-Nationalspielerin Natascha Keller hat am Freitag für Unmut gesorgt. Das Rätsel um den Tweet wurde inzwischen offenbar geklärt: Wie die griechische Sport-Webseite Sport24.gr in einem von dem bekannten Sportjournalisten Jannis Fileris unterzeichneten Beitrag am späten Freitagnachmittag berichtete, hat sein griechischer Kollege Dimitris Zakcheos am Mittwoch auf Griechisch folgenden Tweet über dessen persönlichen Account veröffentlicht:

„Die deutsche Fahnenträgerin Natascha Keller erklärte: 'Das Olympia-Dorf ist nun voller barfüßiger griechischer Sportler. Sobald wir sie sehen, stellen wir uns blöd, weil wir Angst davor haben, dass sie uns um Kredit bitten'. Kurze Zeit später erklärte Keller unter dem Eindruck des dadurch ausgelösten Lärms in den Social Media-Seiten: 'Ich habe Respekt vor allen Menschen. Ich habe nichts mit der Politik zu tun.'"

Die Inspiration für den betreffenden Tweet habe Zakcheos eigenen Angaben zufolge von einem Fileris-Tweet vom gleichen Tag gehabt. Sport 24.gr veröffentlichte zur Dokumentation beide Tweets vom Mittwoch, also die Twitter-Einträge von Zakcheos sowie Fileris.

Beobachtern zufolge war der Eklat um die griechische Dreispringerin Voula Papachristou der Anlass für beide Twitter-Einträge. Papachristou war nach einem als rassistisch eingestuften Tweet vom griechischen Chef de Mission, Isidiros Kouvelos, kurzerhand von den Olympischen Sommerspielen in London ausgeschlossen worden, obwohl sich Papachristou für den Tweet entschuldigt hatte.

Deutsche Fahnenträger seit der Wiedervereinigung

1992

In Barcelona führte 1992 Manfred Klein, Olympiasieger von 1988 und Steuermann des Ruder-Achters, das erste gesamtdeutsche Team an.

2000

In Sydney wurde die Ehre als Fahnenträgerin der heute achtmaligen Olympia-Siegerin Birgit Fischer zuteil. Die Kanutin startete von 1980 bis 2004 bei sechs Sommerspielen

1996

In Atlanta wurde die deutsche Equipe von Degenfechter und Goldmedaillengewinner Arnd Schmitt angeführt.

2004

In Athen führte Springreiter Ludger Beerbaum das Team ins Stadion. Pikant: Wegen Dopings wurde er später nachträglich disqualifiziert, dem deutschen Team die Goldmedaille aberkannt.

2008

Bei den Spielen in Peking trug Basketball-Star Dirk Nowitzki die Fahne für das Olympia-Team. Die Ernennung gilt als umstritten, da Nowitzki zwar als prominent, aber zu diesem Zeitpunkt sportlich nicht zu Speerspitze des Olympia-Kaders gehörte.

2012

In London wird Hockeyspielerin Natascha Keller die Ehre zuteil, die Fahne tragen zu dürfen. Die 35-Jährige war 1999 beste Sportlerin ihrer Zunft, erlebt ihre fünften Olympischen Spiele und holte 2004 mit dem deutschen Team die Goldmedaille.

Laut Beobachtern wollten Zakcheos und Fileris mit ihren Tweets ihre Kritik an der Kouvelos-Entscheidung auf humorvolle Art und Weise zum Ausdruck bringen.

Wenige Stunden vor ihrem großen Auftritt als Fahnenträgerin des deutschen Olympia-Teams in London stärkte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nach dem Eklat der 35 Jahre alten Keller unterdessen energisch und demonstrativ den Rücken. „Es ist eine Frechheit, dass Unbekannte das deutsch-griechische Verhältnis damit belasten wollen", sagte Chef de Mission Michael Vesper am Freitag in London: „Wer immer dahinter steckt, sollte sich schämen. Es ist eine erbärmliche Aktion, die keinen weiteren Kommentar verdient." Vesper informierte am Freitag auch den griechischen Chef de Mission über den Vorgang.

Nach dem Zakcheos-Tweet war Keller in all ihren Social-Media-Kanälen von aufgebrachten Griechen mit Kommentaren überflutet worden, in denen ihr Rassismus vorgeworfen wurde. Sie solle sich schämen und sei eine Schande für Olympia, hieß es dort. Kellers Twitter-Account, ihre Homepage und ihr Facebook-Profil wurden daraufhin zu ihrem Schutz vom Netz genommen, ebenso der Kommentarbereich in ihrem Athletenprofil der Webseite der deutschen Olympiamannschaft.

Von

dapd

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rechner

28.07.2012, 19:38 Uhr

Na - da haben sich die Wutgriechen eben 'mal auf Arsebook ausgetobt.

Wenn die doch bloß die gleiche Energie in die Begleichung ihrer Schulden stecken würden.

Grieche

04.08.2012, 08:16 Uhr

Kollege da oben, oder die gleiche Energie wie zb beim fälschen von Doktortitel, wo die deutschen unschlagbar sind!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×