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09.02.2014

13:45 Uhr

Olympia in Sotschi

Deutsche Forscher und ihr Gespür für Schnee

Beim Wintersport kommt es auf Hundertstel-Sekunden an. Und der Erfolg hängt davon ab, wie präzise Wetterprognosen und gelieferte Daten sind. In Sotschi kümmern sich Experten aus Deutschland darum, dass niemand verwachst.

Wichtiges Gespür für Schnee: Deutsche Meteorologen sorgen in Sotschi für die richtigen Wetterdaten. dpa

Wichtiges Gespür für Schnee: Deutsche Meteorologen sorgen in Sotschi für die richtigen Wetterdaten.

KarlsruheIm Kampf um Hundertstelsekunden bei den olympischen Ski-Wettbewerben in Sotschi könnten Forschungsergebnisse aus Baden den Ausschlag geben. Das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) in Freiburg und Meteorologen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützen den Deutschen Skiverband (DSV) mit präzisen Wetterdaten sowie Empfehlungen für optimalen Skibelag und Wachsauftrag.

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann der Ski dann zur Rakete werden und zum Erfolg beitragen“, sagt Matthias Scherge. Der Professor leitet im IWM ein Geschäftsfeld mit der Bezeichnung Tribologie. Das ist die Wissenschaft von der Reibung, und die spielt im Skisport eine wichtige Rolle.

Denn je geringer sie zwischen Ski und Schnee ausfällt, desto schneller ist der Sportler unterwegs. Und das Ausmaß der Reibung verändert sich mit der Schneetemperatur: Bei höheren Temperaturen wird der sich zwischen Ski und Schnee bildende Wasserfilm dicker, was die Gleitfähigkeit verbessert. Allerdings kommt ein weiterer Faktor hinzu: Die Reibung wird größer, wenn die Kontaktfläche zwischen Ski und Oberfläche zunimmt.

„Wenn der Skibelag bei nassem Schnee zu glatt ist, dann saugt sich der Ski am Untergrund fest und das Gleiten wird schlechter“, erklärt der Wachsexperte beim schwäbischen Sportgeräte-Spezialisten Holmenkol, Willi Hartmann. Auch der Wachsauftrag müsse unterschiedlichen Bedingungen angepasst werden. Bei höheren Temperaturen sei die wasserabweisende Wirkung des Wachses besonders wichtig.

Für die Präparierung der Ski sei es „wichtig, dass wir schon 72 Stunden vorher ungefähr wissen, was für ein Wetter uns erwartet“, sagt Enrico Heisig, Cheftechniker der deutschen Biathleten, Skispringer, Kombinierer und Langläufer im DSV. Das sei dann besonders wichtig, wenn das Wetter schnell umschlägt wie in den Bergen über der Schwarzmeerküste.

Die Prognosen für Sotschi kommen vom KIT-Institut für Meteorologie und Klimaforschung. Dort hat Bernhard Mühr ein regionales Modell für die Umgebung von Sotschi aufgesetzt und mit verfügbaren globalen Wettermodellen verbunden. Damit lassen sich für jeden Punkt der Region im Abstand von zwei Kilometern Prognosen erstellen.

„Die Modelle liefern alle möglichen meteorologischen Parameter“, erklärt der Meteorologe. Bei der Vorbereitung der Sportgeräte interessierten sich die Techniker vor allem für Temperatur, Wind, Art und Menge der Niederschläge, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Schneezustand. Alle sechs Stunden wird eine neue Vorhersage berechnet, für jede einzelne Stunde. Für die Region bei Sotschi sei das eine große Herausforderung, erklärt Mühr. Auch der Rechenaufwand für die Erstellung der Prognosen sei enorm.

Ein besonderer Reiz des Projekts liegt für Mühr im Vergleich der Prognosen mit der Realität. „Mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten kann das Modell auf jedes beliebige Gebiet der Welt übertragen werden und weiteren Forschungszwecken wie beispielsweise Extremwetterereignissen dienen.“

Die Zusammenarbeit mit dem DSV kam über das Fraunhofer-Projekt Snowstorm zustande. Hier werden Athleten mit Gehbehinderungen bei der Teilnahme an den paralympischen Winterspielen vom 7. bis 16. März in Sotschi unterstützt.

Von

dpa

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