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03.02.2014

16:52 Uhr

Olympia in Sotschi

Die Welt zu Gast bei Feinden

VonStefan Kaufmann

Korruption, Kostenexplosion, Diskriminierungen – die Olympischen Winterspiele stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Russlands Präsident Putin kann es egal sein – er profitiert von dem Großereignis wie kein Politiker vor ihm.

Russlands Präsident Wladimir Putin im Skigebiet Krasnaya Polyana bei Sotschi. AFP

Russlands Präsident Wladimir Putin im Skigebiet Krasnaya Polyana bei Sotschi.

DüsseldorfAuf der Fahrt in einem Geländewagen will Wladimir Putin die Idee gehabt haben. Er war noch jung im Amt des Präsidenten und kurvte durch die Schwarzmeerregion. Dann der Einfall: Russlands erste Olympische Winterspiele, im schönen Sotschi direkt am Meer, Pisten mit Blick auf den Palmenstrand, das wär's doch. Und so reifte vor mehr als zehn Jahren der Entschluss, von Sotschi aus ein neues Russland aufzubauen. „Es ist besonders schön zu sehen, was hier passiert, weil ich den Ort selbst gewählt habe“, sagte Putin, als er die Geschichte nun in einem Beitrag des Staatsfernsehsenders Rossija erzählte.

In vier Tagen beginnt ein Sportspektakel der Superlative: Rund 2800 Athleten kämpfen vom 7. bis 23. Februar um Gold, Silber und Bronze, so viele wie nie zuvor. 98 Medaillen-Entscheidungen stehen an, mehr als je zuvor. 37,5 Milliarden Euro stecken in Sportanlagen, Infrastruktur und neuen Luxushotels, so viel wie noch nie. Und noch ein Rekord fehlt in der Aufzählung der Veranstalter nie: Rund 50 Staats- und Regierungschefs werden während der Spiele in Sotschi erwartet – mehr als in Vancouver und 2006 in Turin, wie die Regierung betont.

Das deutsche Team in Daten

7. Februar 2014

Eröffnungsfeier in Sotschi - und gleichzeitig der Geburtstag des Ski-Freestylers Thomas Fischer.

152

Zahl der deutschen Starter, davon 77 Frauen und 75 Männer.

31. Dezember 1998

Geburtstag der jüngsten deutschen Olympia-Teilnehmerin Gianina Ernst (Skispringen).

10. April 1964

Geburtstag des ältesten deutschen Olympioniken John „Johnny“ Jahr (Curling) - mit 48 Jahren ist er Olympia-Debütant.

1,52 Meter

Körpergröße von Eiskunstlauf-Hoffnung Aljona Savchenko. Sie ist damit die kleinste deutsche Olympionikin.

1,98 Meter

Körpergröße der Bob-Anschieber Marko Hübenbecker und Jannis Bäcker.

43 Kilogramm

Gewicht der leichtesten deutschen Athletin, Shorttrack-Starterin Anna Seidel.

116 Kilogramm

Bob-Anschieber Hübenbecker ist nicht nur der größte, sondern auch der schwerste deutsche Olympia-Starter.

Das ist ganz nach Putins Geschmack. Nicht von ungefähr betont er regelmäßig, dass die Olympischen Spiele kein „Wettkampf der Politiker“ sei. Diese Ansicht vertritt auch das Internationale Olympische Komitee. IOC-Präsident Thomas Bach versucht jedenfalls eine Grenze zu ziehen zwischen den nationalen Belangen Russlands und der Mission von Olympia. Von Putin-Spielen könne keine Rede sein. „Es sind Olympische Spiele in Russland“, sagte Bach in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Man dürfe nicht den Fehler machen, „die politische Meinung über ein Land auf die Spiele zu übertragen.“ Der Sport dürfe nicht als Knüppel der Politik missbraucht werden.

„Ich finde, wenn Politiker eine politische Botschaft haben, dann sollten sie auch den Mut haben, diese Botschaft im direkten Dialog mit den politisch Verantwortlichen vorzubringen und sie nicht auf dem Rücken der Athleten zu transportieren“, sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees. „Die Spiele sind für die Athleten da und den Sport. Die Athleten sollten von den Politikern unterstützt werden.“

Doch die Dauerkritik der vergangenen Wochen in den vornehmlich westlichen Medien an den Hochglanzspielen von Sotschi hat Spuren hinterlassen: Die Berichte handeln von Korruption, ausgebeuteten Wanderarbeitern, Umweltzerstörung, der Diskriminierung von Homosexuellen, einem Demonstrationsverbot, das mittlerweile wieder aufgeweicht wurde. Die Angst vor Terroranschlägen und die enormen Sicherheitsvorkehrungen werden häufiger thematisiert als die Schwierigkeiten der Abfahrtsstrecke oder die Schönheit der Schwarzmeerregion. Konsequenz: Sportler sind verunsichert, Politiker sagen ihre Besuche ab.

Kommentare (41)

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pro-d

03.02.2014, 17:02 Uhr

Man muss ja über die Russen schimpfen.

Im Gegensatz zu uns können die ihren Staatschef DIREKT wählen.

also das kann ja wohl nicht sein, das ist einfach Demokratie pur und wo kommen wir denn da hin, wenn das Volk bestimmen darf, wer da oben sitzt. am Ende wollen die noch die Volksabstimmung.

Armes, dummes Volk = Gutes Volk

Old.

03.02.2014, 17:06 Uhr

"Die Welt zu Gast bei Feinden"

Sind wir im Krieg?
Nur ein wenig, zumindest solange, wie uns Waren abnimmt.

Anon

03.02.2014, 17:17 Uhr

"Die Welt zu Gast bei Feinden"

Dieser Titel ist eine Frechheit. Schande für das Handelsblatt.

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