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18.08.2016

17:21 Uhr

Andre de Grasse

Der schnelle Mann neben Usain Bolt

VonThilo Neumann

Vor vier Jahren bestritt Andre de Grasse seinen ersten 100-Meter-Lauf. Am Sonntag gewann der 21-jährige Kanadier olympisches Bronze, nun möchte er auch über 200 Meter überraschen – mit Hilfe eines simplen Tricks.

Der Kanadier André De Grasse (l.) hielt im 200-Meter Halbfinale gut mit. Usain Bolt freut es. Reuters

André De Grasse

Der Kanadier André De Grasse (l.) hielt im 200-Meter Halbfinale gut mit. Usain Bolt freut es.

Rio de JaneiroAls Andre de Grasse neben Usain Bolt aus seinem Startblock hochschnellt, sieht er nicht die blaue Tartanbahn vor sich, sondern eine Treppe. Sie reicht in die Höhe, bis weit über die Tribünen des Olympiastadions von Rio hinaus. Die ersten Stufen stehen weit auseinander, ein, zwei Meter, de Grasse muss sie mit großen, kraftvollen Sätzen überwinden.

Doch je höher er kommt, desto enger stehen die Absätze beieinander. De Grasses Schritte verkleinern sich, seine Füße prasseln wie ein Trommelwirbel in kurzer Abfolge auf den Boden. So erklimmt er Stufe um Stufe, das Crescendo der Tritte wird schneller und schneller, bis er schließlich, in luftiger Höhe, die Ziellinie passiert, als Drittschnellster – Bronze über 100 Meter, bei seinen ersten olympischen Spielen.

Die Treppe, sie dient dem Kanadier Andre de Grasse als imaginärer Spickzettel im Kampf gegen die besten Sprinter der Welt. Aufgeschrieben wurde er von seinem Trainer, Stuart McMillan, der so seit Jahresbeginn versucht, den Laufrhythmus seines Schützlings zu ordnen. Mit Erfolg: mit erst 21 Jahren musste sich de Grasse im 100-Meter-Finale von Rio nur Usain Bolt und Justin Gatlin geschlagen geben, den beiden Übersprintern der letzten Jahre.

Die bestverdienenden Sportler bei Olympia

Kevin Durant - Basketball

Der US-Basketballer ist der Top-Verdiener der Top-Verdiener: In der ohnehin aus fürstlich entlohnten Profis bestehenden Olympiamannschaft dominiert Durant noch einmal. Der 2,06 Meter große Superstar wird vom Manager-Magazin Forbes als fünftbestbezahlter Sportler der Welt geführt, geschätztes jährliches Einkommen: 56,2 Millionen Dollar.

Neymar

Der brasilianische Fußballer in Diensten des FC Barcelona wurde von seinem Verein jüngst mit einem üppigen „Rentenvertrag“ über zehn Jahre Laufzeit ausgestattet. Jährliches Salär: Geschätzte 14,5 Millionen Dollar. Aber es gibt ja noch Werbeverträge: Insgesamt verdient der 24-Jährige pro Jahr 37,5 Millionen Dollar.

Novak Djokovic

Der „Djoker“ musste im olympischen Tennisturnier bereits seine Koffer packen: Zunächst schied der Weltranglisten-Erste völlig überraschend in der ersten Einzel-Runde gegen den Argentinier Juan Martin del Potro aus. Dann verlor der Serbe mit Teamkollege Nenad Zimonjic auch sein Zweitrunden-Doppel. Trösten könnte ihn ein Blick aufs Konto: Djokovic verdient laut Forbes 55,8 Millionen Euro im Jahr. Auch beim ihm stammt mit 34 Millionen Dollar der Großteil davon aus Werbung und Sponsorendeals.

Serena Williams

Auch für Serena Williams ist das olympische Tennis-Turnier bereits vorbei. Mit Williams scheiterte damit auch im Frauen-Tennis die Nummer Eins der Weltrangliste, in ihrem Fall im Achtelfinale. Während Williams-Zeit als beste Tennis-Spielerin der Welt damit langsam zu Ende gehen könnte, ist die Sportlerin was ihre Verdienste angeht in der kompletten weiblichen Sportwelt weiterhin unerreichbare Spitze. Als einzige Frau in den Forbes Top-100 der bestbezahlten Sportler rangiert Williams mit einem Jahresverdienst von 28,9 Millionen Euro auf Rang 40 – und damit beispielsweise noch vor Fußballern wie Wayne Rooney oder Sergio Agüero.

Usain Bolt

Der Sprint-Superstar verdient im Jahr laut Forbes 32,5 Millionen Dollar. Natürlich nicht durchs Laufen allein: Startgelder und Prämien bringen dem Jamaikaner zwar durchaus achtbare 2,5 Millionen Euro, der Mammut-Anteil von 30 Millionen Dollar kommt aber auch bei Bolt von Sponsoren.

Martin Kaymer

Der Deutsche ist einer der wenigen Top-Golfer der sich für Olympia begeistern kann – von den Top-Zehn Spielern der Welt sagten sechs ihre Teilnahme ab. Angebliche Angst vor dem Zika-Virus war dabei die beliebteste Ausrede. Anders als bei den Majors gibt es bei Olympia eben kein üppiges Preisgeld zu gewinnen, sondern nur Edelmetall. Kaymer leistet sich in Rio das Spiel für die Ehre – und obwohl er weit von den Top-Verdienern seines Sports entfernt ist, kann er das auch locker: Geschätzte 30 Millionen Dollar hat der beste aktive deutsche Golfer in seiner Karriere bisher verdient.

Michael Phelps

Das Vermögen des Schwimmstars und erfolgreichsten Olympioniken der Gegenwart (21 Goldmedaillen, zweimal Silber, zweimal Bronze) wird auf insgesamt 55 Millionen Dollar geschätzt.

„Ich habe zu Beginn des Rennens ein paar Fehler gemacht, sonst hätte ich vielleicht auch Silber holen können“, sagte de Grasse, nachdem er in 9,91 Sekunden ins Ziel gekommen war, zwei Hundertstel Sekunden hinter Gatlin. Ein Ergebnis, das dem Mann mit den funkelnden Ohrsteckern und dem zarten Kinnbart Auftrieb gibt: „Ich habe noch viel zu lernen, aber so ein Lauf gibt mir Selbstvertrauen.“

Zum Beispiel für das Rennen über 200 Meter, das am Donnerstag ansteht. Vermutlich wird der Kanadier seinen Medaillencoup angesichts der starken Konkurrenz nicht wiederholen können. Doch sofern die Lernkurve des Andre de Grasse weiter so steil ansteigt wie die Stufen vor seinem inneren Auge, dürften sich seine Aussichten auf weiteres Edelmetall in Zukunft deutlich erhöhen.

Den Laufsport betreibt Andre de Grasse erst seit vier Jahren – zuvor lief er in Markham, Ontario, nicht über Tartanbahnen, sondern Basketballcourts. An der Milliken Mills Highschool gehörte er zu den besten Korbjägern, doch seine Leidenschaft wurde nur von wenigen geteilt: Als sich zu wenig Interessierte für die Schulmannschaft meldeten, wurde das Team ein Jahr vor de Grasses Abschluss vom Spielbetrieb abgemeldet.

Für den damals 17-jährigen de Grasse ein schwerer Verlust, weswegen er seine Mutter um Erlaubnis bat, die Schule wechseln zu dürfen. Beverley de Grasse verweigerte ihrem Sohn diesen Wunsch – er solle sich auf seine Abschlussprüfungen konzentrieren und nicht seine Zeit mit Basketball verschwenden. Ihr Filius fügte sich widerwillig.

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