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23.08.2016

16:55 Uhr

Der Wimbledon-Effekt

Warum die Vorherrschaft im Sport so häufig wechselt

VonFelix Lill

Die Briten im Tennis, die Deutschen im Turnen oder die Amerikaner im Triathlon: den Urhebernationen von Sportarten wird früher oder später oft der Rang abgelaufen. Das nagt am Selbstbewusstsein, ist aber verständlich.

Hambüchen holte am Reck olympisches Gold, doch insgesamt ist Deutschland in der Sportart nicht an der Spitze. dpa

Fabian Hambüchen

Hambüchen holte am Reck olympisches Gold, doch insgesamt ist Deutschland in der Sportart nicht an der Spitze.

Rio de JaneiroIm Turnen hätte eigentlich immer nur Deutschland siegen dürfen. „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts die Bewegung begründete, hatte sich das so vorgestellt. Die Franzosen wären zu weichlich, die Russen zu wenig diszipliniert, die Engländer hätten Anderes in Kopf.

Den deutschen Männern aber, diszipliniert und regeltreu, müssten die akrobatischen Übungen, die Jahn sich ausdachte, gut zu Gesicht stehen. Indem die Jugend diese perfekt durchführte, sollte sich eine Generation für den nächsten Krieg in Europa stählen. Und diesen athletischen Vorteil dürfe man sich nicht nehmen lassen.

Nun stählen sich Turner heute nicht mehr für den Krieg, sondern für die olympischen Spiele, quasi dem Gegenteil. Aber trotz der olympischen Goldmedaille in Rio, die Fabian Hambüchen am Reck erturnte, würde sich Friedrich Ludwig Jahn wohl im Grab umdrehen, wenn er sähe, wie viel Boden die deutschen Turner schon verloren haben – sportlich gesehen.

Die bestverdienenden Sportler bei Olympia

Kevin Durant - Basketball

Der US-Basketballer ist der Top-Verdiener der Top-Verdiener: In der ohnehin aus fürstlich entlohnten Profis bestehenden Olympiamannschaft dominiert Durant noch einmal. Der 2,06 Meter große Superstar wird vom Manager-Magazin Forbes als fünftbestbezahlter Sportler der Welt geführt, geschätztes jährliches Einkommen: 56,2 Millionen Dollar.

Neymar

Der brasilianische Fußballer in Diensten des FC Barcelona wurde von seinem Verein jüngst mit einem üppigen „Rentenvertrag“ über zehn Jahre Laufzeit ausgestattet. Jährliches Salär: Geschätzte 14,5 Millionen Dollar. Aber es gibt ja noch Werbeverträge: Insgesamt verdient der 24-Jährige pro Jahr 37,5 Millionen Dollar.

Novak Djokovic

Der „Djoker“ musste im olympischen Tennisturnier bereits seine Koffer packen: Zunächst schied der Weltranglisten-Erste völlig überraschend in der ersten Einzel-Runde gegen den Argentinier Juan Martin del Potro aus. Dann verlor der Serbe mit Teamkollege Nenad Zimonjic auch sein Zweitrunden-Doppel. Trösten könnte ihn ein Blick aufs Konto: Djokovic verdient laut Forbes 55,8 Millionen Euro im Jahr. Auch beim ihm stammt mit 34 Millionen Dollar der Großteil davon aus Werbung und Sponsorendeals.

Serena Williams

Auch für Serena Williams ist das olympische Tennis-Turnier bereits vorbei. Mit Williams scheiterte damit auch im Frauen-Tennis die Nummer Eins der Weltrangliste, in ihrem Fall im Achtelfinale. Während Williams-Zeit als beste Tennis-Spielerin der Welt damit langsam zu Ende gehen könnte, ist die Sportlerin was ihre Verdienste angeht in der kompletten weiblichen Sportwelt weiterhin unerreichbare Spitze. Als einzige Frau in den Forbes Top-100 der bestbezahlten Sportler rangiert Williams mit einem Jahresverdienst von 28,9 Millionen Euro auf Rang 40 – und damit beispielsweise noch vor Fußballern wie Wayne Rooney oder Sergio Agüero.

Usain Bolt

Der Sprint-Superstar verdient im Jahr laut Forbes 32,5 Millionen Dollar. Natürlich nicht durchs Laufen allein: Startgelder und Prämien bringen dem Jamaikaner zwar durchaus achtbare 2,5 Millionen Euro, der Mammut-Anteil von 30 Millionen Dollar kommt aber auch bei Bolt von Sponsoren.

Martin Kaymer

Der Deutsche ist einer der wenigen Top-Golfer der sich für Olympia begeistern kann – von den Top-Zehn Spielern der Welt sagten sechs ihre Teilnahme ab. Angebliche Angst vor dem Zika-Virus war dabei die beliebteste Ausrede. Anders als bei den Majors gibt es bei Olympia eben kein üppiges Preisgeld zu gewinnen, sondern nur Edelmetall. Kaymer leistet sich in Rio das Spiel für die Ehre – und obwohl er weit von den Top-Verdienern seines Sports entfernt ist, kann er das auch locker: Geschätzte 30 Millionen Dollar hat der beste aktive deutsche Golfer in seiner Karriere bisher verdient.

Michael Phelps

Das Vermögen des Schwimmstars und erfolgreichsten Olympioniken der Gegenwart (21 Goldmedaillen, zweimal Silber, zweimal Bronze) wird auf insgesamt 55 Millionen Dollar geschätzt.

Die USA, Großbritannien und Japan schnitten auch diesmal deutlich besser ab. Abgesehen von einer Goldmedaille im Trampolin 2004 war Hambüchens Sieg zudem der erste deutsche Olympiatriumph im Turnen seit 20 Jahren. Im historischen Vergleich steht Deutschland nur noch auf Platz zehn, viel bevölkerungsärmere Länder wie Ungarn oder die Schweiz sind weiter vorne. Deutschland ist im Turnen keine Weltspitze.

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Für Patrioten ist das ein schweres Eingeständnis. Weltweit aber ist es ein typisches Muster: häufig geben die Länder, die einen Sport einst erfanden, früher oder später das Heft aus der Hand. Nur warum passiert das?

Ein Faktor, der die Deutschen noch nicht unbedingt entschuldigt, ist Zeit. Je länger die Entwicklung einer Sportart zurückliegt, desto besser konnten andere Länder aufholen. Das beste Beispiel sind die Leichtathletikdisziplinen, die überwiegend aus dem antiken Griechenland stammen.

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