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11.08.2016

15:55 Uhr

Deutschland bei Olympia

Auch ein siebter Platz ist ein sehr gutes Ergebnis

VonDiana Fröhlich

Deutschland lässt sich den Spitzensport Millionen kosten – gefördert werden auch die, die sich um die Karriere abseits des Sports kümmern. Doch der vorbildliche Ansatz ist ein Grund für die Misere in Rio. Ein Kommentar.

Der Weltmeister über 200 Meter Brust wurde in Rio Siebter. dpa

Schwimmer Marco Koch

Der Weltmeister über 200 Meter Brust wurde in Rio Siebter.

DüsseldorfEs ist die bislang doch recht magere Bilanz der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro, die aufhorchen lässt. Ein paar wenige Medaillen, ein paar mehr Finalplätze, die Bilanz nach knapp einer Woche fällt bescheiden aus. In Zahlen heißt das: Trotz zweier Goldmedaillen im Rudern am Donnerstag nur Platz zehn im Medaillenspiegel. Woran liegt das?

Die Gründe sind so vielfältig und vielschichtig wie die Sportler selbst. Die große internationale Konkurrenz ist einer davon, Verletzungspech ein anderer, vielleicht auch die steigende Zahl an Athleten, die ihre Leistung mit Hilfe von Medikamenten erbringen. Doch es gibt auch einen Faktor, der bei den allermeisten deutschen Athleten eine große Rolle spielt: Zeit.

Zeit zum Training, Zeit, sich zu entwickeln, Zeit, aus einem Talent ein Olympiasieger zu werden. Doch genau an dieser Zeit mangelt es häufig. Wer in Deutschland Hochleistungssport betreibt, der wird finanziell gefördert. Und weil Politiker, Funktionäre und auch die Wirtschaft wissen, dass eine Medaille zwar Ruhm und Ehre bringt, aber kaum Geld, unterstützen sie in verschiedenen Initiativen die duale Karriere.

Rio 2016 in Zahlen

306...

Goldmedaillen, 136 für Frauen, 161 für Männer, neun Mixed.

10.500...

Athleten werden sich in Rio messen, aus 206 Ländern.

3200...

Schiedsrichter und Assistenten begleiten die Spiele.

39 Milliarden...

Reais sollen die Spiele kosten (10,4 Milliarden Euro).

45.000...

freiwillige Helfer sollen im Einsatz sein.

85.000...

Sicherheitskräfte schützen die Spiele (London: 42.000).

65 Millionen...

Einwohner; im Großraum Rio leben 12,2 Millionen.

763: Favelas - über 20 Prozent der Einwohner leben hier.

24...

Zahl der Strände in Rio. Der bekannteste ist Copacabana.

33.000: Zahl der Taxis in Rio, stecken oft im Stau fest.

1202...

Morde in Rio gab es 2015, der niedrigste Stand seit 1991.

396: Meter hoch ist der Zuckerhut, der vorgelagerte Hausberg.

218 Millionen...

weltweit verkaufte Havaianas-Schlappen pro Jahr.

1: Anzahl der Olympischen Spiele in Südamerika

Gefragt sind also Aktive, die sich auf dem sportlichen Weg in die Weltspitze auch um ihre Ausbildung, um ihr Studium oder ihren Job kümmern. Denen es nicht reicht, sich auf die nächsten Titelkämpfe zu konzentrieren, sondern auch auf ihre berufliche Zukunft. Doch die Zeit, die sie täglich hinter einem Bankschalter, vor einem Bildschirm oder im Hörsaal verbringen, die fehlt ihnen zum Training.

Beispiele, die in der Folge entweder den Sport oder das Studium seinlassen, gibt es genügend. Denn der eigentlich vorbildliche Ansatz der dualen Karriere heißt in der Konsequenz häufig auch: Chancenlos zu sein im Vergleich mit Nationen wie beispielsweise China. Dort werden Sportler sehr früh spezialisiert. Es wird dafür gesorgt, dass ihr Alltag ausschließlich aus Sport besteht, weil sportlicher Erfolg längst zu einem Staatsziel erklärt wurde. Das Ergebnis: bereits 23 Medaillen - mit welchen Mitteln auch immer.

 

Der Wunsch nach 44 Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen in Brasilien – ebenso viele haben die deutschen Sportler 2012 in London gewonnen – ist auch vor diesem Hintergrund ein Balanceakt zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Natürlich sollen und müssen die deutschen Athleten im Gegenzug zur (sicher noch ausbaufähigen) finanziellen Förderung etwas leisten.

Doch man darf eben auch nicht zu viel von ihnen erwarten. Der Alltag eines deutschen Ruderers, Schwimmers, Weitspringers oder Judokas sieht anders aus als der vieler Sportler aus China, Russland oder den USA, die derzeit auf den Siegertreppchen stehen. Der deutsche Spitzensportler hat eine 60-Stunden-Woche, trainiert, lernt, kommt wegen einer Klausur zu spät zum Wettkampf oder wegen eines Wettkampfs zu spät zur Klausur.

Und das für rund 600 Euro im Monat. Profis und damit auch Gutverdiener sind nur die allerwenigsten. Wer sich darauf einlässt, der will etwas erreichen, der ist ehrgeizig, motiviert. Und der weiß, was ein siebter oder achter Platz bei Olympischen Spielen unter den genannten Voraussetzungen bedeutet: Im Vergleich zu den Methoden und Machenschaften der großen Sportnationen ist das ein sehr gutes Ergebnis. Und eine wertvolle Erkenntnis in einem Geschäft, in dem sonst nur Medaillen zählen.

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