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09.08.2016

10:57 Uhr

Dopingsünderin Jefimowa

Alle gegen Eine

Buhrufe, Ablehnung, Ignoranz: Beim Rennen über 100 Meter Brust stellt sich die gesamte Halle gegen Dopingsünderin Julija Jefimowa. Die Russin gewinnt Silber - und bricht in Tränen aus.

Die Russin Julija Jefimowa (hier im August 2015) klagte ihr Startrecht für Olympia entgegen einer Dopingsperre ein. Beim Rennen über 100 Meter Brust beantwortete die Schwimm-Welt das mit kollektiver Ablehnung und Ignoranz. AFP; Files; Francois Guillot

Ausgestoßene

Die Russin Julija Jefimowa (hier im August 2015) klagte ihr Startrecht für Olympia entgegen einer Dopingsperre ein. Beim Rennen über 100 Meter Brust beantwortete die Schwimm-Welt das mit kollektiver Ablehnung und Ignoranz.

Rio de JaneiroDas demonstrative Dauerlächeln löste sich in Tränen auf. Die Schwimm-Welt zeigte Julija Jefimowa ihre gesammelte Ablehnung. Die Konkurrenz schnitt die russische Dopingsünderin so gut es ging, das Publikum empfing Jefimowa vor dem Olympia-Rennen über 100 Meter Brust am Montagabend (Ortszeit) mit Pfiffen und Buhrufen.

Julija Jefimowa hat zu ihrem Ruf als Bad Girl und Gesicht des Dopings durch eigenes Verhalten beigetragen. Die einhellige Meinung, gar Furcht lautete: Eine Olympiasiegerin Julija Jefimowa würde dem ohnehin schon ramponierten Sportimage der Spiele von Rio de Janeiro weiteren Schaden zufügen.

Als die 19-jährige Amerikanerin Lilly King und nicht Jefimowa als Erste anschlug, war der Jubel auch im Vorbereitungsraum auf die folgenden Rennen groß, berichtete die Deutsche Alexandra Wenk. King feierte im Wasser den Sieg mit ihrer Teamkollegin und ignorierte Jefimowa auf der Bahn neben ihr. Keiner gratulierte der Weltmeisterin über die doppelte Distanz zu Olympia-Silber. Die erste menschliche Wärme in der olympischen Schwimmhalle erhielt die dann weinende Jefimowa in den Armen eines russischen TV-Reporters.

Nachdem sie tapfer allen TV-Stationen Rede und Antwort gestanden hatte, vergoss sie in der Interviewzone bei der Ehefrau ihres Managers weitere Tränen. „Versuchen Sie mich zu verstehen und sich in meine Rolle hineinzuversetzen“, appellierte sie mit dünner Stimme an die Weltpresse. Es gebe auch saubere Athleten in Russland, sie selbst trainiere seit vier Jahren in den USA, entgegnete sie Fragen nach russischem Staatsdoping.

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Bei Olympiasiegerin King durfte sie auf kein großes Mitgefühl hoffen. „Ich bin stolz, sauber zu schwimmen“, sagte sie. Auf die Frage, warum sie Jefimowa nicht gratuliert hatte, antwortete King kühl: „Wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, würde ich darauf keinen großen Wert legen, wenn jemand nicht in den höchsten Tönen von mir spricht.“

Auch Rekord-Olympionike Michael Phelps positionierte sich eindeutig gegen Jefimowa, die sich nach einer Doping-Sperre ihr Startrecht kurz vor den Spielen eingeklagt hatte. Es könne nicht sein, dass nach mehreren positiven Dopingtests Athleten wieder an Wettkämpfen teilnehmen dürften. „Das ist gegen alle Werte des Sports und das kotzt mich an“, sagte Phelps: „Das bricht mir das Herz.“ Jefimowa hatte ihre milde Sperre, die ihr den Start 2015 bei der Heim-WM in Kasan ermöglichte, mit einem Strafzettel im Straßenverkehr verglichen.

Für den deutschen Chefbundestrainer Henning Lambertz ist das Dopingproblem im Schwimmsport nicht nur an Russland festzumachen. Auffallende Leitungssprünge gebe es auch bei anderen Nationen. „Dann ist das zumindest so, dass uns das erstmal ein bisschen ein Fragezeichen ins Gesicht zaubert. Die Sprünge hätten wir auch alle gerne“, sagte Lambertz.

Nachsichtiger als Jefimowa wurde zumindest am Montag (Ortszeit) Olympiasieger Sun Yang behandelt. Der Chinese kam vor den Spielen ähnlich wie Jefimowa mit einer glimpflichen Sperre davon. Bei der Siegerehrung umarmten ihn seine Kontrahenten, Pfiffe waren kaum zu hören. „Es ist nicht der Athlet, der schuld ist, sondern das System, das schuld ist“, sagte Paul Biedermann und sieht auch den Weltverband FINA in der Pflicht.

Von

dpa

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