Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.08.2016

16:19 Uhr

Kritik an Marathon-Zwillingen

„Hand in Hand geht man spazieren“

War das alles nur eine PR-Aktion? Die Marathon-Twins Lisa und Anna Hahner machten nicht nur sportlich keine gute Figur bei ihrem Olympia-Rennen. Dass sie Hand in Hand auf den Plätzen 81 und 82 landeten, kam nicht gut an.

Anna und Lisa Hahner überqueren Hand in Hand die Ziellinie beim Olympia-Marathon. dpa

Kurz vor dem Ziel

Anna und Lisa Hahner überqueren Hand in Hand die Ziellinie beim Olympia-Marathon.

Rio de JaneiroIn ungewöhnlicher Schärfe hat der Deutsche Leichtathletik-Verband den Marathon-Auftritt der Hand ins Hand über die Ziellinie gelaufenen Zwillinge Lisa und Anna Hahner bei den Rio-Spielen kritisiert. „Einen olympischen Lorbeer haben sich die Hahner-Zwillinge mit ihrem Auftritt und ihren Leistungen nicht verdient“, schimpfte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen am Montag in Rio de Janeiro. „Hand in Hand geht man spazieren, aber nicht über eine olympische Marathon-Distanz.“

Die Hahner-Geschwister hatten ihr olympisches Marathon-Rennen mit mehr als 21 Minuten Rückstand auf die Siegerin und mehr als 15 Minuten über ihren Bestleistungen auf Platz 81 und 82 beendet. „Es wirkte so, als absolvierten sie einen Volkslauf und nicht die olympische Entscheidung“, wetterte Kurschilgen. Die Hahner-Zwillinge wollten sich dazu am Montag nicht öffentlich äußern. „Wir lassen das unkommentiert“, sagte Manager Thomas Dold.

Kurschilgen äußerte sein Unverständnis über die Nonchalance der beiden Athletinnen. Wenn Platzierung und Zeit bei einem olympischen Wettbewerb in den Hintergrund treten, wie es beide unmittelbar nach dem Zieleinlauf formuliert hatten, „dann ist das respektlos und ein Schlag ins Gesicht gegenüber allen anderen Athleten der deutschen Olympiamannschaft“.

Die bestverdienenden Sportler bei Olympia

Kevin Durant - Basketball

Der US-Basketballer ist der Top-Verdiener der Top-Verdiener: In der ohnehin aus fürstlich entlohnten Profis bestehenden Olympiamannschaft dominiert Durant noch einmal. Der 2,06 Meter große Superstar wird vom Manager-Magazin Forbes als fünftbestbezahlter Sportler der Welt geführt, geschätztes jährliches Einkommen: 56,2 Millionen Dollar.

Neymar

Der brasilianische Fußballer in Diensten des FC Barcelona wurde von seinem Verein jüngst mit einem üppigen „Rentenvertrag“ über zehn Jahre Laufzeit ausgestattet. Jährliches Salär: Geschätzte 14,5 Millionen Dollar. Aber es gibt ja noch Werbeverträge: Insgesamt verdient der 24-Jährige pro Jahr 37,5 Millionen Dollar.

Novak Djokovic

Der „Djoker“ musste im olympischen Tennisturnier bereits seine Koffer packen: Zunächst schied der Weltranglisten-Erste völlig überraschend in der ersten Einzel-Runde gegen den Argentinier Juan Martin del Potro aus. Dann verlor der Serbe mit Teamkollege Nenad Zimonjic auch sein Zweitrunden-Doppel. Trösten könnte ihn ein Blick aufs Konto: Djokovic verdient laut Forbes 55,8 Millionen Euro im Jahr. Auch beim ihm stammt mit 34 Millionen Dollar der Großteil davon aus Werbung und Sponsorendeals.

Serena Williams

Auch für Serena Williams ist das olympische Tennis-Turnier bereits vorbei. Mit Williams scheiterte damit auch im Frauen-Tennis die Nummer Eins der Weltrangliste, in ihrem Fall im Achtelfinale. Während Williams-Zeit als beste Tennis-Spielerin der Welt damit langsam zu Ende gehen könnte, ist die Sportlerin was ihre Verdienste angeht in der kompletten weiblichen Sportwelt weiterhin unerreichbare Spitze. Als einzige Frau in den Forbes Top-100 der bestbezahlten Sportler rangiert Williams mit einem Jahresverdienst von 28,9 Millionen Euro auf Rang 40 – und damit beispielsweise noch vor Fußballern wie Wayne Rooney oder Sergio Agüero.

Usain Bolt

Der Sprint-Superstar verdient im Jahr laut Forbes 32,5 Millionen Dollar. Natürlich nicht durchs Laufen allein: Startgelder und Prämien bringen dem Jamaikaner zwar durchaus achtbare 2,5 Millionen Euro, der Mammut-Anteil von 30 Millionen Dollar kommt aber auch bei Bolt von Sponsoren.

Martin Kaymer

Der Deutsche ist einer der wenigen Top-Golfer der sich für Olympia begeistern kann – von den Top-Zehn Spielern der Welt sagten sechs ihre Teilnahme ab. Angebliche Angst vor dem Zika-Virus war dabei die beliebteste Ausrede. Anders als bei den Majors gibt es bei Olympia eben kein üppiges Preisgeld zu gewinnen, sondern nur Edelmetall. Kaymer leistet sich in Rio das Spiel für die Ehre – und obwohl er weit von den Top-Verdienern seines Sports entfernt ist, kann er das auch locker: Geschätzte 30 Millionen Dollar hat der beste aktive deutsche Golfer in seiner Karriere bisher verdient.

Michael Phelps

Das Vermögen des Schwimmstars und erfolgreichsten Olympioniken der Gegenwart (21 Goldmedaillen, zweimal Silber, zweimal Bronze) wird auf insgesamt 55 Millionen Dollar geschätzt.

Bei Olympia dürfe „die PR-Strategie nicht über den Interessen“ einer deutschen Nationalmannschaft stehen, kritisierte Kurschilgen. Die „Hahner-Twins“ hatte zwei Tage zuvor bei einem PR-Termin ihres Ausrüsters in Interviews sowie mit Foto-Shootings und Filmaufnahmen kräftig für sich geworben.

Bei den Olympischen Spielen würden die Besten der Besten aus allen Ländern und Kontinenten antreten und ihre Sieger ermitteln. „Damit grenzt sich ein olympisches Finale, ein olympischer Marathon von Fun-oder Fitnessbewegungen, Volks- oder Hobbyläufen ab“, argumentierte Kurschilgen.

„Das ist die Ästhetik des Leistungssports, der sich die Athleten einer Olympiamannschaft oder einer Nationalmannschaft stellen sollten.“ Es gehe immer auch um die Art und Weise, wie eine Leistung erbracht werde. „Das macht neben dem Sieg für jeden einzelnen Akteur den Wert seines Spitzensports aus“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×