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10.08.2016

16:22 Uhr

Leichtathletik in Rio

Alle hoffen auf Superstar Bolt

Doping, Wetterkapriolen, Organisationsprobleme: Die Olympischen Spiele in Rio laufen nur schleppend an. Am Freitag starten die Leichtathleten in den Wettkampf. Superstar Bolt könnte die Stimmung noch retten.

Die Stimmung in Rio ist bislang eher verhalten. Jetzt soll Superstar Usain Bolt die Spiele retten. dpa

Trüber Start

Die Stimmung in Rio ist bislang eher verhalten. Jetzt soll Superstar Usain Bolt die Spiele retten.

Rio de JaneiroNach Doping-Skandalen und der Affäre um den Weltverband IAAF ist die Leichtathletik beschädigt wie nie zuvor. Erstmals seit dem Olympia-Boykott 1984 in Los Angeles fehlen die russischen Athleten - bis auf Weitspringerin Darja Klischina. Sie studiert in Florida und fiel deshalb nicht unter den Bann der IAAF.

Doping-Whistleblowerin Julia Stepanowa muss außen vor bleiben - sehr zum Unwillen zahlreicher Athleten. Die mittlerweile in den USA lebende 800-Meter-Läuferin hatte die Enthüllungen über das systematische Doping in Russland, wie später die Internationale Anti-Doping-Agentur WADA urteilte, ins Rollen gebracht.

Zuletzt war auch erneut Kenias Leichtathletik mit seinen seit Jahrzehnten herausragenden Lauf-Assen wieder einmal ins Zwielicht geraten. Der Weltverband unter der neuen Führung von Sebastian Coe hat zwar die Russen von den Sommerspielen ausgeschlossen, seine eigene Glaubwürdigkeit jedoch längst eingebüßt: Der Skandal um Coe-Vorgänger Lamine Diack ist einzigartig im Weltsport. Der Senegalese sitzt wegen des Verdachts der Korruption und Geldwäsche in Paris in Haft, er soll Dopingfälle vertuscht und dabei auch noch kassiert haben.

Nun hoffen alle auf Lichtgestalt Usain Bolt. Er will zur Legende werden und soll die Leichtathletik mit seiner Ein-Mann-Show aus dem Schattenreich holen. In der tiefsten Krise der olympischen Kernsportart beginnen an diesem Freitag die Wettkämpfe in Rio de Janeiro. Der jamaikanische Supersprinter feiert am Schlusstag der Spiele seinen 30. Geburtstag und will dann sein drittes Gold-Triple nach 2008 und 2012 feiern. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) möchte seinen Aufwärtstrend fortsetzen und hofft mit seinen 89 Sportlern auf eine ähnliche Ausbeute wie vor vier Jahren in London.

Topstar Bolt bereitet die Zukunft der Leichtathletik keine Angst: „Ich denke, es geht in die richtige Richtung und ist in der richtigen Spur“, sagte der Weltrekordler bei einem groß inszenierten PR-Termin in Rio. „Man muss durch harte Zeiten gehen, bevor es wieder gute gibt. In eine paar Jahren wird der Sport sauber sein und alles wird großartig.“

Rio – Millionen-Stadt am Zuckerhut

Rio de Janeiro

Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Sie hat etwa 6,5 Millionen Einwohner, im Großraum leben 12,2 Millionen Menschen. 1960 hat Brasilia sie als Hauptstadt des südamerikanischen Landes abgelöst.

Bekannte Wahrzeichen

Zu den bekanntesten Wahrzeichen gehört der 396 Meter hohe Zuckerhut. Berühmt ist auch die 30 Meter hohe Christus-Statue auf dem Gipfel des Granitfelsens Corcovado. Der Karneval in Rio ist alljährlich ein buntes Spektakel. Die Stadt lockt zudem die Touristen mit zahlreichen Stränden an. Der bekannteste liegt im Stadtteil Copacabana.

Unsicher?

Der Olympiastadt Rio de Janeiro wird Unrecht getan, wenn sie pauschal als gefährlich und unsicher eingestuft wird. Barra, der Stadtteil, wo sich der Olympiapark mit den meisten Sportstätten befindet, gilt als sicher, zudem ist hier viel Polizei und Militär konzentriert.

Sicherheit an den Stränden

An Stränden wie in Copacabana oder Ipanema ist die Zahl von Überfällen im Vergleich zu früher zurückgegangen. Die Strände werden nachts erleuchtet, hunderte Kameras und Polizei sollen helfen, dass wenig passiert.

Sicherheit am Hafen

Ebenso beim Olympia-Boulevard am Hafen, der mit Kulturangeboten hunderttausende Gäste anlocken will, sollen hunderte Kameras und Polizei helfen, das wenig passiert.

Gefährliche Orte (1)

Als am gefährlichsten gilt derzeit die Nordzone der Stadt - aber hier kommen Olympia-Touristen in der Regel nicht hin. Favelas wie der Complexo do Alemão und Maré sind sehr gefährlich, hier bekämpfen sich Drogenbanden und Polizei.

Gefährliche Orte (2)

Auch im Stadtzentrum von Rio muss man stark aufpassen. Ebenso im sehenswerten, am Berg gelegenen Bohème-Viertel Santa Teresa, wo in den ersten vier Monaten dieses Jahres schon über 320 Überfälle gezählt wurden. Hier gab es im Mai einen Raubüberfall auf ein Team um den spanischen Olympiasieger Fernando Echevarri.

Sorgen

85.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, besondere Sorge neben der „Alltagskriminalität“ bereitet der islamistische Terrorismus - allerdings ist Südamerika bisher hiervon verschont geblieben. Hier werden rund um Olympiastätten Maßnahmen und Blockaden noch einmal verstärkt, als eine Konsequenz aus dem Lastwagen-Anschlag von Nizza.

App für Schusswechsel

Schießereien gibt es meistens in den Favelas, Amnesty International hat die App „Fogo Cruzado“ (Kreuzfeuer) entwickelt - sie soll mit Angaben von Augenzeugen Schusswechsel in der Stadt dokumentieren.

Bolt strebt erneut Gold über 100, 200 und 4 x 100 Meter an. Seine Show beginnt am Samstag mit den Vorläufen über 100 Meter, das Finale folgt am Sonntag 3.25 Uhr MESZ. Seine Rolle spielt der elfmalige Weltmeister gern und gut: Bolt möchte bei seinen letzten Spielen den Fans nicht nur das Triple und einen 200-Meter-Weltrekord (bisher 19,19 Sekunden) bieten. „Ich bin ein Sprinter, aber auch ein Entertainer.“

Vor vier Jahren hatte Diskus-Riese Robert Harting als Olympiasieger öffentlichkeitswirksam sein Hemd zerrissen, zudem gab es viermal Silber und dreimal Bronze für das deutsche Team. Der dreimalige Weltmeister tritt zusammen mit seinem Bruder Christoph an, bei den Frauen steht zudem seine Freundin Julia Fischer im Ring. „Also eine Medaille klappt auf jeden Fall!“, verspricht er. Überhaupt ruhen die Hoffnungen wieder einmal auf den Werfern wie die Kugelstoß-Asse Christina Schwanitz und David Storl und die Speerspitzen Thomas Röhler, Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong.

Auch Top-Talente wie Gesa Krause (24), die WM-Dritte über 3000 Meter Hindernis, Dreisprung-Europameister Max Hess (20) und Höhenjägerin Marie-Laurence Jungfleisch (25) machen dem DLV Hoffnung auf den einen oder anderen Coup bei insgesamt 47 Entscheidungen. Zuletzt hatte das deutsche Team bei der eher unwichtigen EM in Amsterdam gleich 16 Medaillen gewonnen. „Die Europameisterschaften waren erfolgreich, aber von einer EM kann man nicht auf Olympische Spiele schließen“, erklärte Chef-Bundestrainer Idriss Gonschinska.

Ein öffentlich verkündetes Medaillenziel gibt es vom DLV - wie seit vielen Jahren - nicht. „Wir treten mit einer Mischung aus erfahrenen und jungen Sportlern an und haben dabei in einer Reihe von Disziplinen gute Chancen auf Medaillen und Finalplätze“, sagte Verbandspräsident Clemens Prokop. „Trotz des Wissens über die Stärke der internationalen Konkurrenz gehen unsere Athletinnen und Athleten mit Optimismus in Rio an den Start.“

Von

dpa

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