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21.08.2016

13:16 Uhr

Olympia-Ärger für US-Schwimmer

„Waffe auf uns gerichtet“

Die Partynacht in Rio wird US-Schwimmstar Ryan Lochte noch ausgiebig beschäftigen. Der sechsmalige Olympiasieger steht nach der Aussage eines Teamkollegen schlecht da – doch Lochte wehrt er sich erneut.

Er habe an jenem Abend „definitiv zu viel getrunken, sagt Schwimmer Ryan Lochte. AP

Ryan Lochte

Er habe an jenem Abend „definitiv zu viel getrunken, sagt Schwimmer Ryan Lochte.

Rio de JaneiroÄrger mit den Olympia-Bossen, Ärger mit dem Verband und jetzt auch noch Ärger durch einen der Team- und Partykollegen. Nach neuen Anschuldigungen wehrte sich US-Schwimmstar Ryan Lochte am Wochenende nun gegen die vielen Vorwürfe. Egal ob man es Raub, Erpressung oder Wiedergutmachung für einen Schaden nenne, sagte Lochte in einem NBC-Interview. „Alles was wir wissen, ist, dass eine Waffe auf uns gerichtet war und von uns Geld verlangt wurde“, bekräftigte der 32-Jährige diesen für ihn entscheidenden Teil seiner ursprünglichen Angaben. Die Folgen der nächtlichen Tour durch Rio de Janeiro samt Ausschmückung zum Überfall werden den sechsmaligen Olympiasieger weiter ausgiebig beschäftigen.

Lochte und seinen drei Teamkollegen Jack Conger, Gunnar Bentz und Jimmy Feigen droht eine Strafe durch den US-Schwimmverband. Auch das Internationale Olympische Komitee ermittelt in der Affäre. Ob dies Lochtes Karriereende beschleunigt oder den Ausnahmeschwimmer nochmal motiviert, sich würdiger aus einer bemerkenswerten Laufbahn zu verabschieden, wird sich zeigen.

Erst einmal räumte Lochte am Samstag in den USA Fehlverhalten ein. Er übernehme die volle Verantwortung dafür, dass er die Geschichte übertrieben habe, sagte der zwölfmalige Olympiamedaillengewinner. Sein „unreifes Verhalten“ habe ihn und seine drei Teamkollegen erst in dieses Schlamassel auf der nächtlichen Tour durch Rio gebracht. Dies sei dumm gewesen. Er habe an jenem Abend „definitiv zu viel getrunken“, gab Lochte zu, „und ich war sehr berauscht“.

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Sicherheit

Im Olympischen Dorf wird gestohlen, es gibt mehrere Überfälle und im Reitzentrum Einschüsse unklarer Herkunft. Aber unterm Strich machen 85 000 Sicherheitskräfte ihre Sache gut.

Transport

Ein kompliziertes System, teils stundenlange Anfahrten für Touristen zu Wettkampfstätten. Alles liegt weit auseinander - und bei einem Medienbus werden während der Fahrt Scheiben eingeworfen.

Sauberkeit

Einige Athleten greifen selbst zum Putzlappen, weil tagelang im Olympiadorf nicht gereinigt wird. Verstopfte Klos, schlechter Waschservice und Schmutz sorgen für viele Beschwerden.

Versorgung

Wenig Abwechslung, lange Wartezeiten und schlechte Qualität führen dazu, dass die Sportler-Schlangen bei McDonalds immer länger werden. Bei den Arenen geht für Zuschauer öfter das Essen aus.

Promi-Glanz

Nur 18 Staats- und Regierungschefs bei der Eröffnung, weniger Promis als sonst feuern die Olympioniken an. Dafür hat Model Gisel Bündchen als Ipanema-Girl einen bleibenden Auftritt.

Wasser

Zwar gibt es Entwarnung für die Segler in der als Kloake verschrieenen Guanabara-Bucht, dafür färbt sich aber das Wasser bei den Wasserspringen und Synchronschwimmern durch einen Defekt grün.

Zuschauer

Offiziell sind 85 Prozent der 6,1 Millionen Tickets verkauft worden, aber überall trüben teils leere Arenen das Bild. Aber zumindest wenn Brasilianer antreten, ist es meistens voll.

Saubere Spiele

Trotz des Reports über systematisches Staatsdoping dürfen rund 280 russische Athleten an den Start gehen. Bis zu 5000 Proben werden in Rio genommen, einige Athleten sind gedopt.

Nach Ansicht von Staffel-Olympiasieger Bentz hat Lochte maßgeblich zur Eskalation bei dem Zwischenfall beigetragen. Auf dem Rückweg ins olympische Dorf sei das Schwimmer-Quartett aus dem Taxi gestiegen und habe nach einer Toilette Ausschau gehalten. Da es in dem aufgesuchten Geschäft keine gegeben habe, hätten sie „dummerweise“ hinter dem Haus uriniert. Lochte habe ein nicht richtig befestigtes Werbeschild aus Metall umgeworfen.

Als sie wieder im Taxi saßen, hätten zwei Männer - offenbar Sicherheitskräfte - sie zum Aussteigen aufgefordert. Als Feigen und Conger vom Wagen weggingen, hätten im Verlauf beide Wachleute ihre Waffen gezogen. Die Schwimmer hätten sich auf den Bürgersteig setzen müssen. Lochte sei jedoch aufgestanden und habe die Wachmänner angeschrien. Bentz berichtete, er und Conger hätten Lochte dazu bewegen wollen, sich wieder zu setzen, doch der sechsmalige Olympiasieger habe sich mit den Sicherheitsleuten ein heftiges Wortgefecht geliefert.

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Technik

Im Olympiapark stürzt eine an Stahlseilen für Panoramaaufnahmen angebrachte Kamera ab, sieben Menschen werden verletzt. Ein Fehlalarm im Medienzentrum sorgt für Sendeausfälle.

Fahnen

Bei der Anordnung der Sterne auf Chinas Fahne ist etwas schiefgelaufen. Umgehend müssen neue bestellt und genäht werden – schließlich ist China ein recht emsiger Medaillensammler in Rio.

Eröffnung

Wer im Maracanã ist, kann nicht verstehen, dass die XXXI. Sommerspiele eröffnet sind. Interimspräsident Michel Temer, der Dilma Rousseff per Amtsenthebung beerben will, wird ausgepfiffen.

Fairness

Schmähgesänge zwischen Brasilianern und Argentiniern, Pfiffe für Gegner der Brasilianer. Stabhochspringer Renaud Lavillenie vergleicht die feindselige Rio-Stimmung mit Olympia in Berlin 1936.

Freiwillige

Viele der 50 000 Helfer fühlen sich mies betreut, können daher nur bedingt helfen und quittieren den Dienst, weil sie beschimpft werden. Einige geben Akkreditierungen an Unbefugte weiter.

Favela-Frieden

Abseits der olympischen Welt gelingt kein Frieden in Rios Favelas, Schießereien zwischen Drogengangs und Polizei, im Komplex Maré wird ein Militärpolizist angeschossen und stirbt.

Interesse

Millionen Brasilianer nehmen Olympia teilnahmslos hin, nur 50 Prozent stehen laut Umfragen hinter der Sause, immerhin wird auch Dutzenden Straßenkindern der Besuch von Wettkämpfen ermöglicht.

Aufbruchstimmung

Olympia sollte das tief gespaltene Brasilien einen - stattdessen werden die Arenen zu „Temer Raus“-Protesten genutzt, von Anhängern der suspendierten Präsidentin Dilma Rousseff.

„Verständlicherweise hatten wir in diesem Moment Angst und waren verwirrt“, schrieb Bentz. Ähnlich klang Lochte. „Wir wollten einfach nur weg dort“, sagte der 32-Jährige.

Laut Bentz sei ein Kunde des Ladens gekommen, der dank seiner Englisch-Kenntnisse vermittelt habe. Feigen und er hätten den beiden Wachmännern insgesamt rund 50 Dollar gegeben, dann hätten die Schwimmer gehen dürfen und seien mit einem anderen Taxi ins olympische Dorf zurückgekehrt. Weder die Tür und noch die Toilette des Geschäfts seien seines Wissens beschädigt, erklärte Bentz.

Lochte hatte zuvor allerdings von einem Überfall berichtet und behauptet, ihm sei sogar eine Waffe an den Kopf gehalten worden. Die brasilianischen Behörden hatten dies aufgrund von Zeugenaussagen und Videoaufnahmen als falsch bezeichnet. Sie wollte sogar das FBI um Mithilfe bitten, um weitere Informationen von Lochte zu bekommen.

Von

dpa

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