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20.08.2016

15:06 Uhr

Olympia-Finale im Fußball

Traumfinale oder neues Trauma?

VonKlaus Ehringfeld

Kein Brasilianer hat die epochale Pleite gegen Deutschland bei der Heim-WM 2014 vergessen. Nun besteht die Chance auf Revanche. Nicht auszudenken, was bei einer weiteren Pleite in dem Land los wäre.

Der Glauben an die eigene Elf, die um Neymar aus vielen unbekannten Spielern geformt wurde, ist unter den Brasilianern nicht sehr groß. AP

Brasiliens Neymar

Der Glauben an die eigene Elf, die um Neymar aus vielen unbekannten Spielern geformt wurde, ist unter den Brasilianern nicht sehr groß.

Rio de JaneiroEs war ein hübsches Wortspiel, mit dem „O Globo“ seinen Sportteil aufmachte: „Complexo do alemão“ stand da nur, dazu ein Bild des Spielführers Neymar. Der „Deutschland-Komplex“ ist zum einen eine der größten und gefährlichsten Favela-Siedlungen in Rio de Janeiro und zum anderen – na ja – eben die Angst vor dem Gegner vom Samstag. Kein Brasilianer und erst recht kein Fußball-Fan in dem Land hat die epochale Pleite gegen Deutschland bei der Heim-WM 2014 vergessen, die jetzt zwei Jahre und gut einen Monat zurückliegt. Sie hat sich allen Brasilianern in die kollektive DNA eingeschrieben. „Das ist mein persönliches 1:7“ lautet inzwischen ein geflügeltes Wort, wenn jemandem etwas richtig schiefgeht. Und nun besteht die Chance auf Revanche. Wiedergutmachung oder weitere Pleite. Nicht auszudenken, was dann in Brasilien los wäre.

Auch der Trainer der Olympia-Auswahl, Rogério Micale, hat keine guten Erinnerungen an das Spiel von damals. Er war nicht im Stadion in Belo Horizonte, aber er trainierte den Nachwuchs von Altlético-MG, dem ortsansässigen Club. Er wohnte neben dem Stadion Mineirão und wird die gespenstische Stille nach den deutschen Toren niemals vergessen. „Nach dem vierten Tor war ich so erschüttert, dass ich nicht mehr weiter geschaut habe“, sagte er diesen Tagen brasilianischen Medien.

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Das größte Problem seiner Mannschaft ist, den Gedanken an die Revanche aus den Köpfen zu bekommen. „Sie denken alle nur daran, das wieder gerade zu biegen“, warnt Micale. Dabei war außer Mannschaftskapitän und Superstar Neymar kein einziger Spieler der Olympia-Auswahl im WM-Kader, und Neymar fehlte gegen Deutschland mit der Rückenverletzung aus dem Viertelfinale gegen Kolumbien.

Aber da es nun mal jeder Brasilianer als eine nationale Pflicht betrachtet, diese Scharte auszuwetzen, kann sich auch kein Spieler davon frei machen. So auch nicht Außenverteidiger Zeca. Er weiß noch, wie damals am 8. Juli 2014 sein Großvater vor dem Fernseher in Tränen ausbrach. „Ich habe ihm versprochen, in die Nationalmannschaft zu kommen und auf die Revanche zu hoffen. Dass diese nun so schnell kommt, hat auch Zeca nicht erwartet. „Wir müssen Deutschland schlagen, um die Stärke Brasiliens zu zeigen“, sagt der Spieler vom FC Santos, der bisher alle Spiele bei Olympia bestritten hat.

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Das klingt nach sehr viel Druck, die sich die jungen Männer auferlegt haben. Dagegen hat die relativ zusammengewürfelte deutsche Mannschaft um Trainer Horst Hrubesch schon mehr erreicht, als ihr alle zugetraut hatten. Sie hat kaum Druck im Finale. Beide Mannschaften sind eher durch die Vorrunde geholpert, haben aber in den Alles-oder-nichts-Spielen überzeugt. 8:0 Tore haben die Brasilianer in den letzten drei Spielen erzielt, 16:0 gar die Gegner. Brasilien spielt nach drei verlorenen Olympia-Finals einmal mehr um das ersehnte Gold.

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