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10.08.2016

17:09 Uhr

Olympia im russischen Haus

War da was?

Doping-Skandal? Wettbewerbssperre? Alles Intrigen des Auslands, da sind sich die russischen Sportfunktionäre sicher. Ein Abend im russischen Haus mit Bier, Wodka und einer ziemlich klaren Sicht auf die Dinge.

So sehen die russischen Sportfunktionäre sich selbst. Diese Fassade erwartet Besucher vor dem russischen Haus an der Copacabana. Ein brasilianischer Soldat passt auf. dpa

Ein Herz für den Sport

So sehen die russischen Sportfunktionäre sich selbst. Diese Fassade erwartet Besucher vor dem russischen Haus an der Copacabana. Ein brasilianischer Soldat passt auf.

Rio de JaneiroAlexander Schukow hat ziemlich gute Laune, im Trainingsanzug entert der Chef des Nationalen Olympischen Komitees die Bühne. Ein Medaillengewinner nach dem anderen wird auf die Bühne gerufen. Hier ist Russland in Rio. Weiß, blau, rot. Die Nationalhymne ertönt, Hand aufs Herz: „Russland, unser geheiligtes Land. Russland, unser geliebtes Land. Mächtiger Wille, großer Ruhm. Sind dir zu Eigen, für alle Zeiten“.

Schukow will, dass die Athleten nach dem Doping-Teilausschluss eine sportliche Antwort geben, „an all diese Missgünstigen“. Ein Abend im russischen Haus ist recht aufschlussreich - und ein Deutscher wird in höchsten Tönen gelobt. Es ist eine gut gesicherte Premiumanlage, am Militär-Fort von Copacabana. Von der Terrasse ein Blick über die Bucht, den Strand, das Meer, den Zuckerhut. Hier ist der Club dos Marimbás beheimatet, 1932 gegründet, ein Treffpunkt der Oberschicht.

Nun haben die Russen den Club gemietet, kein anderes Land hat ein Olympia-Zentrum in so exponierter Copacabana-Lage, einer der Hauptsponsoren ist Gazprom. Das Gelände wird von einer Mauer umgeben, die an den deutschen WM-Sieg erinnert, verschiedene Szenen wie das Hochrecken des Pokals, Brasilianer mit hängenden Köpfen nach dem 1:7 im Halbfinale wurden auf die Mauer gemalt. Ein beliebtes Foto-Motiv.

Doch Touristen bekommen es während Olympia nicht zu sehen - denn davor wurden Fassaden installiert, die große russische Olympiahelden zeigen. Und ein geschwungenes Herz in Brasilien- und Russland-Farben.

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Besucher werden von überlebensgroßen Matrjoschka-Figuren empfangen, hier wird nur Russisch gesprochen. Baltika-Bier, es wird Wodka gereicht. Viele Leute mit Funkgeräten. Und es gibt ein begehbares Model des Sukhoi-Sportjets. Ein Flugzeug-Prototyp mit wunderbaren Massageliegen und Fitnessgeräten an Bord, damit Sportler sich auch in der Luft bestens auf den nächsten Wettkampf vorbereiten können.

Plötzlich taucht auf der riesigen Public-Viewing-Leinwand die Mutter von Natalia Kuziutina auf, sie hat im Judo Bronze gewonnen. „Ich bin aufgewacht und plötzlich Mutter einer berühmten Tochter“, sagt sie, zugeschaltet aus Russland, wo es bereits frühmorgens ist.

Ihre Tochter hat die Medaille um den Hals baumeln. Fünf Stunden pro Tag hat sie für den Traum trainiert. Das Doping-Thema? „Es ist alles politisch, nur Russland hat es getroffen.“ Auch die Kollegen, die nicht dabei sein dürfen, hätten hart vier Jahre für diesen Moment trainiert - und dürften dann nicht in Rio teilnehmen. „Ich bin sehr traurig darüber. Alle wurden getestet und die Tests waren negativ“.

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