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27.07.2016

15:48 Uhr

Olympia

Pechstein nennt IOC-Chef Bach einen Lügner

Der Druck auf Thomas Bach wird heftiger: Die Sportler Robert Harting und Claudia Pechstein wollen den Rücktritt des IOC-Präsidenten, russische Athleten kündigen eine Klagewelle. Lob erhält Bach jedoch von Kremlchef Putin.

Hat sich Thomas Bach politisch kaufen lassen? So lautet ein Vorwurf gegen den IOC-Chef. dpa

Thomas Bach

Hat sich Thomas Bach politisch kaufen lassen? So lautet ein Vorwurf gegen den IOC-Chef.

BerlinDie heftige Kritik an Thomas Bach reißt nicht ab. Und sogar das Verlangen nach einem Rücktritt des IOC-Präsidenten wird laut. Athleten wie etwa Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein und die Nationale Anti-Doping-Agentur stärkten Robert Harting in seinem vernichtenden Urteil über das Internationale Olympische Komitee den Rücken - und dem IOC droht eine Klagewelle russischer Athleten. Zahlreiche betroffene Sportler kündigten rechtliche Schritte an.

„Bach hat sich in meinen Augen politisch kaufen lassen. Er lügt die Welt an, wenn er öffentlich predigt, es gelte für jeden Sportler die Unschuldsvermutung“, sagte die Berlinerin Pechstein am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Ihr eigener Fall sei der beste Beweis für die Unrichtigkeit von Bachs Äußerungen. „In meinem Fall hat nie die Unschuldsvermutung gegolten. Ich wurde zu Unrecht ohne jeden Beweis, nur aufgrund einer absurden Wahrscheinlichkeitsrechnung verurteilt.“

Pechstein kritisierte, Bach und das IOC hätten vor dem Ausschluss der russischen Leichtathleten von Olympia erst die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS abgewartet und sich in Sachen des Rio-Banns von Athleten anderer Sportarten hinter den Fachverbänden versteckt. „Das ist eine feige Entscheidung, Bach drückt sich vor der Verantwortung und wird seiner Führungsrolle als IOC-Chef einmal mehr nicht gerecht. Das Ganze ist ein unwürdiges Trauerspiel.“

Rio 2016 in Zahlen

306...

Goldmedaillen, 136 für Frauen, 161 für Männer, neun Mixed.

10.500...

Athleten werden sich in Rio messen, aus 206 Ländern.

3200...

Schiedsrichter und Assistenten begleiten die Spiele.

39 Milliarden...

Reais sollen die Spiele kosten (10,4 Milliarden Euro).

45.000...

freiwillige Helfer sollen im Einsatz sein.

85.000...

Sicherheitskräfte schützen die Spiele (London: 42.000).

65 Millionen...

Einwohner; im Großraum Rio leben 12,2 Millionen.

763: Favelas - über 20 Prozent der Einwohner leben hier.

24...

Zahl der Strände in Rio. Der bekannteste ist Copacabana.

33.000: Zahl der Taxis in Rio, stecken oft im Stau fest.

1202...

Morde in Rio gab es 2015, der niedrigste Stand seit 1991.

396: Meter hoch ist der Zuckerhut, der vorgelagerte Hausberg.

218 Millionen...

weltweit verkaufte Havaianas-Schlappen pro Jahr.

1: Anzahl der Olympischen Spiele in Südamerika

Auch Diskus-Olympiasieger Harting war nach seiner tags zuvor geäußerten Kritik zu dem gleichen Schluss über den deutschen Spitzen-Funktionär gekommen: „Er ist für mich als IOC-Präsident nicht weiter tragbar. Er nimmt meine Werte als Athlet nicht wahr“, unterstrich der Berliner in Sport1. Er sei für ihn ein „Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für ihn“, hatte Harting gesagt. Bach hatte das als „nicht akzeptable Entgleisung“ und Beleidigung zurückgewiesen.

„Absolutes Entsetzen“ herrsche über die IOC-Entscheidung unter den Anti-Doping-Agenturen vieler Länder, sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch). Da sei „eine große Chance verpasst worden“. Es sei ein Rückschlag für saubere Athleten. Diese würden sich fragen, „was muss passieren, bevor harte Konsequenzen gezogen werden? Russland ist ja nicht das einzige Land, in dem es nicht so läuft, wie wir uns das wünschen.“

Lob für das IOC kam von Kremlchef Wladimir Putin. „Das IOC hat sich ungeachtet eines riesigen öffentlichen Drucks nicht an der Spaltung der olympischen Bewegung beteiligt“, meinte er bei der Verabschiedung des russischen Olympia-Teams und bezeichnete die Doping-Vorwürfe gegen russische Sportler und Funktionäre als „Kampagne“. Die Abwesenheit zahlreicher russischer Athleten sei für Olympia in Rio ein Verlust.

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