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25.07.2016

07:42 Uhr

Rio 2016

Verbände bezeichnen olympisches Dorf als „unbewohnbar“

Die Mängelliste für die olympischen Spiele in Rio wird kurz vor der Eröffnung immer länger. Die australische Delegation bezeichnet das olympische Dorf jetzt als „unbewohnbar“ – und weicht lieber in Hotels aus.

In diesen Wohntürmen sollen die Athleten unterkommen. dpa

Olympisches Dorf in Rio

In diesen Wohntürmen sollen die Athleten unterkommen.

Rio de JaneiroDie Mängelliste liest sich recht dramatisch, angesichts der Tatsache dass in wenigen Tagen hier über 10.000 Sportler wohnen sollen. „Blockierte Toiletten, undichte Rohre, freiliegende Stromkabel, dunkle Treppenaufgänge, wo kein Licht installiert wurde, verdreckte Böden, die eine intensive Reinigung erfordern“, listet Australiens Delegationschefin Chef Kitty Chiller auf.

Die Konsequenz: Kein Teammitglied zieht vorerst in das Olympische Dorf in Rio de Janeiro ein. Für die Organisatoren der ersten Olympischen Spiele in Südamerika ist das mehr als peinlich.

Können die Probleme überhaupt noch gelöst werden? Die Australier sind nicht allein, auch die Briten oder Neuseeländer klagen über eine lange Mängelliste. Aus der australischen Delegation heißt es, viele Apartments seien „unbewohnbar“. Am Sonntag hatte die Anlage mit 31 Hochhaustürmen ihre Pforten offiziell geöffnet.

Das kostet Olympia in Rio

Gesamtkosten

Die Gesamtkosten der ersten Olympischen Spiele in Südamerika sollen gut 39 Milliarden Reais betragen - umgerechnet rund 9,8 Milliarden Euro.

Quelle: dpa

Das olympische Dorf

Davon sollen 60 Prozent vom privaten Sektor aufgebracht werden, zum Beispiel die Gelder für den Bau des Olympischen Dorfes.

Die Sportstätten

Sieben Milliarden Reais (1,75 Milliarden Euro) entfallen auf die Sportstätten.

Die Infrastruktur

Der Großteil der Olympia-Milliarden dürfte in die Infrastruktur fließen. Alleine die Metrolinie Richtung Olympiapark soll 10 Milliarden Reais (2,5 Milliarden Euro) kosten.

Die Kalkulation

Als Rio sich um die Spiele bewarb, wurde mit Kosten von nur 28,8 Milliarden Reais (7,2 Milliarden Euro) gerechnet. So teuer war am Ende in etwa die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Vergleich zu London

Die Veranstaltung in Rio soll aber weit billiger werden als die Spiele 2012 in London. Die Kosten für die Olympia-Austragung in der britischen Hauptstadt wurden mit etwa 12 bis 14 Milliarden Euro beziffert.

Am Samstagabend hatten die Australier einen „Stresstest“ für ihre Wohnungen unternommen. „Der ist schiefgegangen“, sagt Chiller. Alle Wasserhähne und Toilettenspülungen wurden auf mehreren Etagen gleichzeitig bedient. „Wasser kam Wände herunter, es gab einen starken Geruch von Gas in einigen Wohnungen und es gab einen Kurzschluss“. Man sei gezwungen, vorerst mit den bereits angereisten Mitgliedern der Delegation in Hotels zu wohnen. „Das Olympische Dorf sei weder sicher noch fertig.“

Das Organisationskomitee räumt zerknirscht ein: Ja, es gebe Mängel. „Arbeiter werden 24 Stunden am Tag arbeiten, bis die Probleme gelöst sind.“ Bis zu 500 Personen sollen das Dorf fit machen. Ankommende Sportler, Trainer und Betreuer, für die noch nicht bewohnbare Komplexe vorgesehen waren, sollen vorerst in funktionierende Apartments der aus 31 Hochhäusern bestehenden Anlage untergebracht werden.

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