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22.08.2016

12:50 Uhr

Rio nach Olympia

Die Rückkehr der Drogenbanden

VonFelix Lill

Für Olympia 2016 und die WM 2014 sind Brasiliens Brennpunkte wie die Favelas in Rio de Janeiro mit Macht befriedet worden. Doch Rio gilt nach wie vor als Drogenhauptstadt – und die Kartelle bringen sich in Stellung.

Trotz der Polizeieinsätze der vergangenen Jahre posieren die Drogenhändler – schwer bewaffnet. AFP; Files; Francois Guillot

Junge Männer am vergangenen Samstag in einer Favela

Trotz der Polizeieinsätze der vergangenen Jahre posieren die Drogenhändler – schwer bewaffnet.

Rio de JaneiroSie ziehen lustige Posen, lächeln in ihre Linsen, schauen drein wie unbeirrbar glückliche Menschen. Eine Fotoausstellung in Maré hat für Aufsehen gesorgt. Wann zuvor wurden schon mal Drogenabhängige mit Kameras ausgestattet, damit sie sich selbst ablichten und daraus Kunst wird? Und dann noch in Maré, einer der als so gefährlich und verschrienen Favelas. Das Fotoprojekt in einer umfunktionierten Lagerhalle dieses Slums zog sogar Besucher aus den reicheren Vierteln an. Denn irgendwie positiv dreinschauende Cracksüchtige, das klang sensationell. So, als könnte man das notorische Problem einfach hinter sich lassen.

Zumindest die Vorstellung daran ermuntert Viele in Rio. Oft wird Brasiliens zweitgrößte Stadt als weltweit größter Standort für Crack genannt, in Sachen Konsum und Herstellung. Offizielle des Gesundheitssystems riefen vor der Fußball-WM 2014 schon eine Epidemie aus. Durch die weltweite Aufmerksamkeit, die Brasilien und Rio durch die WM vor zwei Jahren und die Olympischen Spiele diesen Sommer erfuhren, hatte sich die Politik vorgenommen, die ärmsten Viertel von den Problemen um diese Drogen zu befreien.

Nach der Abschlussfeier der Olympischen Spiele am Sonntag wird sich die Welt aber wieder abwenden. Vergeht den Gesichtern aus der Ausstellung dann auch wieder das Lachen?

Das Drogenproblem war natürlich nie aus der Welt. Ein paar Straßen weiter von den exponierten Fotos in Maré sind die Bilder zu sehen, auf denen nicht posiert wird. Vor Häusern am Kantstein wird im regen Alltag Kokain und Crack auf Tischen verkauft, beschützt von bewaffneten Männern. Die Polizei ist weit und breit nicht zu sehen. Ganze Straßenabschnitte und sogar Viertel sind in Rio als „crackolandia“ bekannt – Cracklands. Hier taumeln lauter Leute durch die Gegend, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind. Sie holen sich einen Kick, ohne vor der Staatsgewalt bangen zu müssen. Denn so sehr sich die Regierung bemühte, die Zahl der Süchtigen geringzuhalten – immer wieder poppte woanders ein neuer Drogenhub auf.

Laut des Brasilianischen Instituts für Geographie und Statistik leben sechs Prozent der landesweiten Bevölkerung in Slums, also etwa zwölf Millionen. Der Großteil fällt auf Rio und Sao Paulo, die beiden größten Städte, deren Problemviertel zugleich besonders häufig unter Armut, Kriminalität und eben Drogenabhängigkeit leiden. Selbst wenn nur 0,5 Prozent dieser Bevölkerung cracksüchtig ist, wie einige Studien vermuten, sind das 60.000 Drogenopfer. Mehrere Favelas wurden in den letzten zwei Jahren „befriedet.“

Brasilien – Schwergewicht mit Schwächen

Das Land

Brasilien ist mit rund 205 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Das Land umfasst nahezu die Hälfte der Fläche Südamerikas. Es gehört zu den aufstrebenden Schwellenländern in der Weltwirtschaft, auch wenn es in den letzten Jahren in eine Schwächephase abglitt. Brasilien ist eine Republik mit bundesstaatlicher Struktur.

Politik

In den vergangenen Jahren hat sich das politische Klima nicht zuletzt durch viele Skandale und wachsende soziale Spannungen immer mehr verschlechtert. Das Land ist politisch instabiler geworden. So wurde kurz vor den Olympischen Spielen die seit 2011 regierende linke Präsidentin Dilma Rousseff nach einer Serie von Korruptionsskandalen in ihrem Umfeld für 180 Tage vom Amt suspendiert. Wie es an der Spitze des Staates weitergeht, ist offen. Übergangspräsident ist seit Mai der bürgerliche Politiker Michel Temer.

Das Land ist in sich zerrissen zwischen zwei großen politischen Strömungen: dem bürgerlichen Lager, das die wirtschaftlich starken Bundesstaaten im Süden des Landes dominiert, und der Arbeiterpartei PT von Rousseff und ihrem Vorgänger Lula da Silva, die im eher armen Norden des Landes ihre Hochburg hat.

Olympia

Nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 stemmt Brasilien mit den Olympischen Spiele das zweite globale Großereignis binnen weniger Jahre. Gut elf Milliarden Dollar hat das ökonomisch angeschlagene Land nach Darstellung des Instituts der deutschen Wirtschaft in und für die Sommerspiele investiert. Im Vergleich zu den russischen Investitionen für die Winterspiele vor zwei Jahren von schätzungsweise über 50 Milliarde Dollar sei das „fast schon bescheiden“, lautet der Befund des Instituts.

Die großen Probleme

Eines der größten Probleme neben Armut und der wieder wachsenden sozialer Ungleichheit ist die Korruption. Dabei spielen Brasiliens größter Konzern, das Ölunternehmen Petrobas, sowie seine Zulieferer eine zentrale Rolle.

Die aktuelle Wirtschaftsentwicklung

Nach einer tiefen Rezession ist die Brasilien, das zu den zehn größten Volkswirtschaften der Welt zählt, auf dem Weg zurück zu wirtschaftlichem Wachstum. Für 2016 rechnen Experten mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent bei weiter sinkenden Ein- und Ausfuhren. Haupt-Lieferländer von Produkten aus dem Ausland sind China, gefolgt von den USA und Deutschland. Als Abnehmerland brasilianischer Produkte liegen China und die USA vorne, Deutschland spielt hier eine kleinere Rolle.

Im kommenden Jahr halten Experten wieder ein Wachstum von 0,5 bis 1,5 Prozent für möglich. Die im Vorjahr noch mit neun Prozent sehr kräftige Teuerung soll in diesem Jahr auf rund 4,5 Prozent sinken. Langfristig gilt Brasilien trotz seiner Schwierigkeiten als großer Wachstumsmarkt der Zukunft, nicht zuletzt wegen seiner großen Bevölkerung und des damit großen Binnenmarktes.

Eine Mittelmacht

Brasilien gehört mit China, Indien, Russland und Südafrika der wichtigen Schwellenländer-Gruppe BRICS und der G20-Gruppe der wichtigsten Schwellen- und Industrieländer an, die als das wichtigste Koordinationsforum der weltweiten Wirtschafts- und Finanzpolitik gilt.

Rohstoffe und Produkte

Vor acht Jahren wurden große Erdöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste entdeckt. Darüber hinaus verfügt Brasilien aber auch über weitere wichtige Rohstoffe, wie Uran, Seltene Erden, Zinn, Platin, Mangan, Gold und Eisenerz.

Deutschland und Brasilien

Die deutsch-brasilianischen Handelsbeziehungen gelten als traditionell sehr gut. In dem südamerikanischen Land sind etwa 2000 deutsche Firmen tätig. Sie spielen in der brasilianischen Industrie eine wichtige Rolle. Allerdings ist die Neuansiedlung deutscher Firmen zuletzt ins Stocken geraten. Der bilaterale Handel erreichte 2015 ein Volumen von nicht ganz 18 Milliarden Euro bei leicht rückläufigen Ein- wie Ausfuhren Deutschlands. Damit liegt Brasilien zwischen Rang 20 und 30 unter den deutschen Handelspartnern. (Quelle: Reuters)

Polizei und Militär eroberten die Kontrolle zurück, an den Straßen wurden Wachposten errichtet, die seitdem für Ordnung sorgen sollen. Manchmal fielen dabei Schüsse. Andere Gegenden, wie das 140.000-Einwohnerviertel Maré, standen oft nicht im Fokus der Sicherheitsaktionen. Doch auch oder gerade dann fallen Schüsse. Während der Olympischen Spiele bekriegten sich Banden in Maré, Menschen starben. Es soll um Crack gegangen sein.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

22.08.2016, 14:14 Uhr

RIO NACH OLYMPIA
Die Rückkehr der Drogenbanden

....

BRASIL schau in die Philippinen und wie man dort richtig die Dealer abschafft !

BRASIL schaue nicht nach Europa wo Tony Blair in Afghanistan die Drogen felder bis heute noch nicht abgeschafft hat um die Kinder in Europa vor drogenhandel auf der Strassen Europas zu schützen.
Blair hat vieles versprochen und nicht eingehalten !

PORTUGAL will SCHANDHAFT sogar Drogen legalisieren ?

Und die EU zählt die UMSÄTZE AUS EU-DROGENHANDEL zählt sogar zum BIP des jeweiligen EU-Mitgliedsland ?

Alle wollen Moral haben, aber selbst innerhalb der EU gab es Politiker die einst Drogen konsumiert haben ? In Portugal ? Und regierten mit ?

ARME WELT !!!

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