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07.08.2016

19:02 Uhr

Staatsdoping-Affäre

Russische Sportler von Paralympics ausgeschlossen

Russische Athleten dürfen nicht bei den Paralympics antreten: Das zuständige Komitee hat alle Sportler des Landes wegen der Staatsdoping-Affäre ausgeschlossen. Russland reagiert empört – und kündigt Klage an.

Der McLaren-Report markierte „einen der dunkelsten Momente des Sports“. dpa

Paralympics 2014 – Team Russland

Der McLaren-Report markierte „einen der dunkelsten Momente des Sports“.

Russlands Sportler müssen bei den Paralympics in Rio de Janeiro zuschauen. Im Gegensatz zum IOC beschloss das Internationale Paralympics Komitee (IPC) am Sonntag in der Affäre um vermeintliches Staatsdoping einen Komplett-Ausschluss für die Athleten aus Russland.

Das IPC hatte vor seiner Verkündung noch weitere Informationen des kanadischen Juristen Richard McLaren erhalten, der die Untersuchung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zum vermeintlichen Staatsdoping leitete. Seine Ermittlungen nahm das IPC nun als Grundlage für die Kollektivstrafe. Formal ging es darum, ob die Mitgliedschaft des russischen Verbandes bestehen bleibt oder aufgehoben wird. Die Paralympics in Rio finden vom 7. bis 18. September statt.

„Der McLaren-Report markierte meiner Ansicht nach und auch der Ansicht des IPC-Vorstands nach einen der dunkelsten Momente des Sports“, sagte IPC-Chef Philip Craven. Russland sei „nicht in der Lage, dem Anti-Doping-Code des IPC und dem Anti-Doping der WADA zu entsprechen.“ Auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte ihn bestärkt, ein „klares Zeichen“ in der Dopingbekämpfung zu setzen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Ende Juli noch auf einen historischen Komplett-Ausschluss Russlands verzichtet.

Dem McLaren-Report zufolge waren im Zusammenhang mit den Winterspielen in Sotschi nicht nur Dopingproben von Olympia-Teilnehmern, sondern auch von Paralympics-Startern manipuliert wurden. Bei den Winter-Paralympics 2014 hatte der Gastgeber die Nationenwertung haushoch gewonnen.

Russland hat den Komplett-Ausschluss mit Empörung zur Kenntnis genommen und Klage angekündigt. Die Entscheidung des Internationalen Paralympics Komitee (IPC) sei gegen den gesunden Menschenverstand, sagte Sportminister Witali Mutko am Sonntag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Der Schritt sei politisch motiviert und nahezu willkürlich. Russland werde gegen die Sperre juristisch vorgehen.

„Wir werden Klage beim Internationalen Sportgerichtshof CAS einreichen. Wir werden für unsere Athleten kämpfen“, sagte Mutko. Das russische Sportministerium und das Paralympische Komitee des Landes würden sich mit Macht gegen den Ausschluss stemmen. „Falls wir vor dem CAS nicht gewinnen, ziehen wir vor ein Zivilgericht“, kündigte der Ressortchef an. Ihm sei unklar, worauf die Sperre basiere.

Auch der Chef des Paralympischen Komitees Russlands kritisierte den Ausschluss. „Die jüngsten Entscheidungen des CAS geben aber Hoffnung auf eine Aufhebung der Sperre“, sagte der Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin in Anspielung auf russische Gerichtserfolge.

Auch der Chef des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow, zeigte sich zuversichtlich. „Ich bin überzeugt, dass jedes unvoreingenommene Gericht die Sperre als ungesetzlich bezeichnen wird“, sagte er der Agentur Tass zufolge. Moskau dürfe den Beschluss nicht hinnehmen. „Wir müssen kämpfen“, sagte Swischtschjow.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat den Ausschluss als „unmissverständliche und mutige Entscheidung“ bewertet. DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher und Chef de Mission Karl Quade teilten am Sonntag mit: „Es handelt sich um ein wichtiges Signal hin zu einem konsequenten Anti-Doping-Kampf – im Sinne des Fair-Play-Gedankens im Sport ist diese harte Linie der völlig richtige Weg. Im Gegensatz zum IOC hat der Paralympische Sport diese historische Chance wahrgenommen, von der wir uns nachhaltige Auswirkungen auf gerechte Wettkämpfe erhoffen.“

Von

rtr

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