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19.08.2016

16:15 Uhr

Verrückte Pferdenamen

Mit Verdi und A Little Romance zur Goldmedaille

VonFelix Lill

Pferde ernten bei Olympischen Spielen und den großen Rennen viel Ruhm. Statt Medaillen bekämen sie wohl lieber nettes Fressen. Und dann haben sie auch noch unverschämte Namen. Ist das Ehrerbietung oder Tierquälerei?

Der Niederländer Maikel van der Vleuten mit seinem Hengst Verdi. Bei den Spielen in Rio klingen einige Duelle des Pferdesports episch. AFP; Files; Francois Guillot

Ausgefallene Pferdenamen

Der Niederländer Maikel van der Vleuten mit seinem Hengst Verdi. Bei den Spielen in Rio klingen einige Duelle des Pferdesports episch.

Rio de JaneiroWie leistungsstark kann ein Athlet sein, wenn das Publikum beim Klang seines Namens an sich halten muss? Wenn sein Abschneiden fast zweitrangig scheint, weil der Name sowieso für einen Lacher sorgt? Ginge es hier um menschliche Wettkämpfer, würde die Moral womöglich leiden.

Aber es ist hypothetisch, fragen kann man nicht. Es sind ja Pferde, die mit den aberwitzigsten Namen auffallen. Im nichtolympischen Renngeschäft hießen sie schon Better Than Sex, Iwinyougetnothing und Myexwifesashes. Die Liste solcher Benennungen dürfte unerschöpflich sein.

Bei den Spielen in Rio klingen einige Duelle des Pferdesports deshalb episch. Vor allem aber für Zuschauer, die vom Reiten wenig verstehen. Diese Tage beim Springreiten muss sich etwa der betont klassische Hengst Verdi, beritten durch den Holländer Maikel van der Vleuten, gegen den modernen U Jump behaupten, auf dessen Rücken der Spanier Saro Manuel Fernández sitzt.

Die Kosten von Olympia

Budgetplanung

Olympische Sommerspiele auszurichten ist ein teures Vergnügen. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Budgets der Organisationskomitees (OK) stark gewachsen. Reichten dem OK für Tokio 1964 umgerechnet rund 56 Millionen Euro, werden für Rio 2016 rund 7,4 Milliarden Reais (2,06 Milliarden Euro) erwartet. Rio liegt damit immerhin unter den Organisationskosten von London 2012. Regelmäßig werden die Kosten zum Politikum in den ausrichtenden Nationen.

Kostenvergleich

Das vollständige finanzielle Ausmaß der Spiele zu berechnen und zu vergleichen, ist nicht leicht: Umstritten ist etwa, ob Investitionen in die städtische Infrastruktur einbezogen werden sollten, wenn sie ohnehin geplant waren. Die OK-Ausgaben stehen dafür schwarz auf weiß in den Abschlussberichten, nachzulesen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Die teuersten Sommerspiele

Addiert man alle auf Olympia bezogenen Ausgaben, gelten die Wettkämpfe in Peking 2008 mit knapp 29 Milliarden Euro als bislang teuerste Sommerspiele – die Kosten von knapp zwei Milliarden Euro, die das OK davon verbuchte, fallen dabei kaum ins Gewicht. Rio 2016 ist im Vergleich dazu billiger: Insgesamt soll das Event diesmal rund 10 Milliarden Euro kosten, ein Großteil davon fließt in die Infrastruktur, etwa eine neue Metrolinie.

Agenda 2020

Mit der Olympischen Agenda 2020 will das IOC weg vom Gigantismus. Für Tokio 2020 zeichnen sich dennoch bereits höhere Kosten ab als geplant – von umgerechnet 13 Milliarden Euro ist die Rede. Nach Rio könnte es also doch wieder teurer werden. Dank zahlungskräftiger Sponsoren und Medienpartner sowie Touristen sind aber auch immense Einnahmen zu erwarten.

Im selben Wettbewerb will Jeroen Dubbeldam aus Holland beweisen, dass sein Pferd, mit dem er 2014 Weltmeister wurde, die besten Tage eben doch noch nicht hinter sich hat. Es heißt Zenith. Am Freitag geht es um Gold.

Wie Reiter zu ihren Namen kommen, fragen sich Ahnungslose immer wieder. Ein Grund für das scheinbare Balancieren zwischen Kreativität und Willkür ist, dass Verbände die Pferdenamen absegnen müssen. Dopplungen sind dort ausgeschlossen, und bei einem gewaltigen Verschleiß an Deckhengsten, Stuten und Fohlen pro Jahr müssen sich Stallbesitzer irgendwann etwas ausdenken.

Reiter, die meist nicht die Besitzer der Pferde sind, wollen ihre Tiere dann noch oft umbenennen. John Roche, Direktor für Sprungreiten des Internationalen Pferdesportverbands, erklärt zudem: „Stallnamen werden wie Namen für Haustiere verwendet und zeigen die wahre Zuneigung, die die Reiter für ihre Pferde empfinden.“

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