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08.08.2016

19:28 Uhr

Vielseitigkeitsreiten

Das Ehepaar, das sich gegenseitig schlagen will

VonFelix Lill

Das neuseeländische Ehepaar Jonelle und Tim Rice teilt sich in Rio vieles: Den Nachnamen etwa, die Teilnahme an Olympia – aber nicht das Bett. Beide sind verbissene Konkurrenten. Dabei geht es auch um das Pferd.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Tim gehört sie zur Weltspitze. Reuters

Jonelle Price

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Tim gehört sie zur Weltspitze.

Rio de JaneiroTim Price wird unruhig, wenn er auf der Tribüne sitzt. Als Zuschauer, der den Lauf der Dinge nicht beeinflussen, sondern nur verfolgen kann. „Sobald ich meine Frau da draußen sehe, will ich sie nur noch schlagen“, sagt er. Man könnte Price für einen Fall häuslicher Gewalt halten, seine Gattin Jonelle gleich in der Opferrolle wähnen. Nur sagt die ähnlich Konfrontatives über ihren Mann: „Ich lass‘ mich von ihm nicht erledigen.“ Sie sei nämlich stärker. So geht es hin und her im Hause Price. Und schenkt man den Aussagen der Eheleute Glauben, ist zwischen den beiden noch nie eine Faust geflogen.

Geschlagen wird sich auf andere Weise. Tim und Jonelle Price zählen zu den besten Vielseitigkeitsreitern der Welt. Ein Drittel des Jahres reisen sie durch die Länder, um sich gegenseitig in Punktezahlen zu überbieten. Auf den internationalen Ranglisten stehen sie beide meist in den Top Ten, wechseln sich mit der Führungsposition im eheinternen Wettbewerb ab. Bei Olympischen Spielen treffen die beiden Neuseeländer nun zum ersten Mal aufeinander. Und bis am Dienstag der letzte von drei Wettkampftagen beendet ist, bleibt das Eheleben angespannt.

Dass Paare gemeinsam nach Olympia reisen, ist schon öfter vorgekommen. Bei den Spielen von Paris 1900, als erstmals Frauen mitmachten, gewann die Schweizer Segelmannschaft um Hermann und Hélène de Pourtalès in der Bootsklasse 2 bis zwei Tonnen samt Ehepaar die Goldmedaille. Dieses Jahr zieht das Paar Helen und Kate Richardson-Walsh für die britischen Hockeydamen ins Feld, ebenfalls mit Medaillenchancen. Und 2012 in London sowie diesmal in Rio ist mit dem US-amerikanischen Goldmedaillengewinner im Zehnkampf Ashton Eaton und der kanadischen Siebenkämpferin Brianne Theisen-Eaton auch ein internationales Paar dabei. Allerdings tritt keiner von ihnen gegeneinander an.

Reiten ist die einzige Sportart der Olympischen Spiele, bei der Männer und Frauen durchweg in dieselbe Wertungskategorie fallen. Und selbst dort sind Ehepaare ungewöhnlich. „Der Wettkampf strapaziert jeden Einzelnen von uns, und uns gemeinsam, schon sehr“, sagte Jonelle Price nach einem mäßigen Abschneiden am Sonntag. Und beim Vielseitigkeitsreiten ziehen sich die Duelle auch noch über drei Teildisziplinen und drei Tage. Zuerst kommt die Dressur, dann der Geländeritt, zuletzt das Springen.

Die Kosten von Olympia

Budgetplanung

Olympische Sommerspiele auszurichten ist ein teures Vergnügen. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Budgets der Organisationskomitees (OK) stark gewachsen. Reichten dem OK für Tokio 1964 umgerechnet rund 56 Millionen Euro, werden für Rio 2016 rund 7,4 Milliarden Reais (2,06 Milliarden Euro) erwartet. Rio liegt damit immerhin unter den Organisationskosten von London 2012. Regelmäßig werden die Kosten zum Politikum in den ausrichtenden Nationen.

Kostenvergleich

Das vollständige finanzielle Ausmaß der Spiele zu berechnen und zu vergleichen, ist nicht leicht: Umstritten ist etwa, ob Investitionen in die städtische Infrastruktur einbezogen werden sollten, wenn sie ohnehin geplant waren. Die OK-Ausgaben stehen dafür schwarz auf weiß in den Abschlussberichten, nachzulesen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Die teuersten Sommerspiele

Addiert man alle auf Olympia bezogenen Ausgaben, gelten die Wettkämpfe in Peking 2008 mit knapp 29 Milliarden Euro als bislang teuerste Sommerspiele – die Kosten von knapp zwei Milliarden Euro, die das OK davon verbuchte, fallen dabei kaum ins Gewicht. Rio 2016 ist im Vergleich dazu billiger: Insgesamt soll das Event diesmal rund 10 Milliarden Euro kosten, ein Großteil davon fließt in die Infrastruktur, etwa eine neue Metrolinie.

Agenda 2020

Mit der Olympischen Agenda 2020 will das IOC weg vom Gigantismus. Für Tokio 2020 zeichnen sich dennoch bereits höhere Kosten ab als geplant – von umgerechnet 13 Milliarden Euro ist die Rede. Nach Rio könnte es also doch wieder teurer werden. Dank zahlungskräftiger Sponsoren und Medienpartner sowie Touristen sind aber auch immense Einnahmen zu erwarten.

Drei Tage, an denen Tim Price seine Frau schlagen will. „Sie ist viel disziplinierter als ich“, sagt der 1,89-lange Typ mit schütterem Haar. Er scheint sich Sorgen zu machen. Seine Frau, nur 1,62 Meter groß und mit viel langem Haar auf dem Kopf, gesteht mit Neid: „Tim ist ein Naturtalent, er kann das alles ohne Training.“ Und doch trainieren die beiden auch noch zusammen, kriegen sich dabei manchmal in die Haare. „Wenn ich hundert Prozent gebe, will er es oft ruhig angehen lassen.“

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