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20.08.2016

13:59 Uhr

Vom Gipfel gedopt

Höhentraining in Bolivien

VonFelix Lill

In der Sportlerwelt gilt dieser Ort als mystisch: Athleten wollen ins bolivianische Hochland, um sich in der Höhenluft zu stählern. Aber selbst hat der Andenstaat keinen Weltklassesportler hervorgebracht. Warum nicht?

Die 32-Jähirge ist eine Ausnahmeläuferin und trainiert oft in der Höhe. Bei Olympia ist sie allerdings weit von einer Medaille entfernt. Quelle: Los Tiempos Screenshot Twitter

Rosmery Quispe

Die 32-Jähirge ist eine Ausnahmeläuferin und trainiert oft in der Höhe. Bei Olympia ist sie allerdings weit von einer Medaille entfernt.

Quelle: Los Tiempos

Rosmery Quispe müsste eigentlich das Zeug zur Siegerin haben. Die einstige Mittelstreckenläuferin lief dieses Jahr ihren ersten Marathon, schaffte in Hamburg gleich die Bestleistung ihres laufbegeisterten Landes und qualifizierte sich für Olympia. „Wenn Gott mich lässt, will ich in Rio meine Zeit noch verbessern“, sagt Quispe.

Allerdings ist sie mit 2:43:37 Stunden weit von einer Medaille entfernt, der olympische Rekord liegt 20 Minuten darunter. Dabei kommt die Ausnahmeläuferin Quispe auch noch aus dem für Trainingseinheiten mystischen Hochland Südamerikas, ihre Heimatstadt La Paz liegt 3.600 Meter über dem Meer.

Rio 2016 in Zahlen

306...

Goldmedaillen, 136 für Frauen, 161 für Männer, neun Mixed.

10.500...

Athleten werden sich in Rio messen, aus 206 Ländern.

3200...

Schiedsrichter und Assistenten begleiten die Spiele.

39 Milliarden...

Reais sollen die Spiele kosten (10,4 Milliarden Euro).

45.000...

freiwillige Helfer sollen im Einsatz sein.

85.000...

Sicherheitskräfte schützen die Spiele (London: 42.000).

65 Millionen...

Einwohner; im Großraum Rio leben 12,2 Millionen.

763: Favelas - über 20 Prozent der Einwohner leben hier.

24...

Zahl der Strände in Rio. Der bekannteste ist Copacabana.

33.000: Zahl der Taxis in Rio, stecken oft im Stau fest.

1202...

Morde in Rio gab es 2015, der niedrigste Stand seit 1991.

396: Meter hoch ist der Zuckerhut, der vorgelagerte Hausberg.

218 Millionen...

weltweit verkaufte Havaianas-Schlappen pro Jahr.

1: Anzahl der Olympischen Spiele in Südamerika

Athleten aller möglicher Länder zwischen Mexiko und Kenia reisen vor Wettkämpfen zur dünnen Luft der Anden, um einen Tick besser zu werden. Kaum irgendwo sind die Bedingungen härter. Ausländische Profiläufer brechen dort auf halber Strecke zusammen, bei einem Länderspiel vor zwei Jahren in La Paz musste sich der Weltfußballer Lionel Messi in der Halbzeitpause übergeben.

Forscher, die sich für die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers interessieren, zieht es für Datenerhebungen in die Anden. Denn Boliviens Athleten gewinnen zwar zuverlässig bei Wettbewerben, wenn sie Heimvorteil haben. Aber bis heute hat das Land keinen Läufer hervorgebracht, der auch anderswo auf der Welt siegt.

Keine einzige olympische Medaille zählt der Andenstaat, auch bei den Sommerspielen in Rio kommt kein Favorit aus Bolivien. Warum das so ist, das fragt sich das Land auch selbst. Denn je länger man sich in der sauerstoffdünnen Höhenluft bewegt, desto zahlreicher produziert der Körper die für den Sauerstofftransport zuständigen roten Blutkörperchen. Und je mehr Sauerstoff in die Muskeln gelangt, umso länger und intensiver können diese arbeiten, bis sie erschöpft sind. Eigentlich ausgezeichnete Bedingungen für Ausdauersportarten wie Laufen.

Zwei der erfolgreichsten Läufer des Landes trainieren fast ausschließlich im Hochland. Policarpio Calizaya, heute 54 Jahre alt und der bekannteste Trainer Boliviens, nahm dreimal bei den Olympischen Spielen teil, hält mit einer Zeit von 29:19 Minuten seit rund drei Jahrzehnten die nationale Bestmarke auf 10.000 Meter. Beim Marathon brachte er es auf 2:21 Stunden, eine gute Profizeit. Vom Weltrekord, der mittlerweile unterhalb von 2:03 Stunden liegt, blieb er aber weit entfernt.

Dessen 15 Jahre jüngere Schwester Sonia Calizaya war mit ihrer Bestzeit von 2:45 Stunden bis zu Quispes Rekordlauf in Hamburg die schnellste Bolivianerin. „Wir fragen uns auch, warum uns die Kenianer und Äthiopier so einfach davonlaufen“, sagt Sonia Calizaya.

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