Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2016

20:40 Uhr

Weibliche Sporthelden

Geliebt, aber lausig bezahlt

VonThilo Neumann

In Brasilien ist Marta Vieira da Silva ein Superstar. Tausende feierten die Fußballspielerin nach dem Viertelfinaleinzug bei Olympia. Doch außer Ruhm gibt es für sie nicht viel zu holen. Und damit steht sie nicht allein.

Die Brasilianerin Marta Vieira da Silva ist vielleicht die beste Fußballerin der Welt. Bei den Olympischen Spielen verzücken sie und ihre Mannschaftskameradinnen die Fans. Doch abseits der großen Turniere kämpfen viele Spielerinnen noch immer um Anerkennung und Geld. AP

Viel Ruhm, wenig Geld

Die Brasilianerin Marta Vieira da Silva ist vielleicht die beste Fußballerin der Welt. Bei den Olympischen Spielen verzücken sie und ihre Mannschaftskameradinnen die Fans. Doch abseits der großen Turniere kämpfen viele Spielerinnen noch immer um Anerkennung und Geld.

Rio de Janeiro„Marta ist besser als Neymar. Marta ist besser als Neymar.“ Noch 20 Minuten nach Abpfiff hallte dieser Ruf ein letztes Mal durch das Estádio Engenhão. Tausende waren auf ihren Plätzen verharrt, nach diesem fulminanten 5:1 der Brasilianerinnen gegen Schweden, Samstagabend in Rio. Der Viertelfinaleinzug beim olympischen Fußballturnier war sicher. Nun huldigten die Zuschauer erneut der besten Spielerin der Partie, der Besten Brasiliens, ja wahrscheinlich der Besten der Welt: Marta Vieira da Silva, oft einfach Marta genannt.

Marta, die Besungene, hatte soeben ihre Ehrenrunde beendet, strahlend, winkend, tanzend. Doch nun, als sie den Chor der Fans vernahm, zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, das Strahlen entwich den wachen Augen. So sehr sie die Ovationen für ihre zwei Tore und zwei Vorlagen genossen hatte, so sehr brachten sie die Zuschauer nun in Verlegenheit. Der Vergleich mit dem Stürmerstar des FC Barcelona, er war nicht in ihrem Sinne.

„Es ist unfair“, sagte Marta, nachdem sie der überbordenden Zuneigung der Zuschauer entkommen war, in den Katakomben des Stadions. „Neymar ist der beste Spieler unserer Zeit, wir sollten glücklich sein, ihn zu haben.“ Worte, die es nicht vor die Stadiontore schafften, wo die Fans weitersangen, weit nach Mitternacht.

Die bestverdienenden Sportler bei Olympia

Kevin Durant - Basketball

Der US-Basketballer ist der Top-Verdiener der Top-Verdiener: In der ohnehin aus fürstlich entlohnten Profis bestehenden Olympiamannschaft dominiert Durant noch einmal. Der 2,06 Meter große Superstar wird vom Manager-Magazin Forbes als fünftbestbezahlter Sportler der Welt geführt, geschätztes jährliches Einkommen: 56,2 Millionen Dollar.

Neymar

Der brasilianische Fußballer in Diensten des FC Barcelona wurde von seinem Verein jüngst mit einem üppigen „Rentenvertrag“ über zehn Jahre Laufzeit ausgestattet. Jährliches Salär: Geschätzte 14,5 Millionen Dollar. Aber es gibt ja noch Werbeverträge: Insgesamt verdient der 24-Jährige pro Jahr 37,5 Millionen Dollar.

Novak Djokovic

Der „Djoker“ musste im olympischen Tennisturnier bereits seine Koffer packen: Zunächst schied der Weltranglisten-Erste völlig überraschend in der ersten Einzel-Runde gegen den Argentinier Juan Martin del Potro aus. Dann verlor der Serbe mit Teamkollege Nenad Zimonjic auch sein Zweitrunden-Doppel. Trösten könnte ihn ein Blick aufs Konto: Djokovic verdient laut Forbes 55,8 Millionen Euro im Jahr. Auch beim ihm stammt mit 34 Millionen Dollar der Großteil davon aus Werbung und Sponsorendeals.

Serena Williams

Auch für Serena Williams ist das olympische Tennis-Turnier bereits vorbei. Mit Williams scheiterte damit auch im Frauen-Tennis die Nummer Eins der Weltrangliste, in ihrem Fall im Achtelfinale. Während Williams-Zeit als beste Tennis-Spielerin der Welt damit langsam zu Ende gehen könnte, ist die Sportlerin was ihre Verdienste angeht in der kompletten weiblichen Sportwelt weiterhin unerreichbare Spitze. Als einzige Frau in den Forbes Top-100 der bestbezahlten Sportler rangiert Williams mit einem Jahresverdienst von 28,9 Millionen Euro auf Rang 40 – und damit beispielsweise noch vor Fußballern wie Wayne Rooney oder Sergio Agüero.

Usain Bolt

Der Sprint-Superstar verdient im Jahr laut Forbes 32,5 Millionen Dollar. Natürlich nicht durchs Laufen allein: Startgelder und Prämien bringen dem Jamaikaner zwar durchaus achtbare 2,5 Millionen Euro, der Mammut-Anteil von 30 Millionen Dollar kommt aber auch bei Bolt von Sponsoren.

Martin Kaymer

Der Deutsche ist einer der wenigen Top-Golfer der sich für Olympia begeistern kann – von den Top-Zehn Spielern der Welt sagten sechs ihre Teilnahme ab. Angebliche Angst vor dem Zika-Virus war dabei die beliebteste Ausrede. Anders als bei den Majors gibt es bei Olympia eben kein üppiges Preisgeld zu gewinnen, sondern nur Edelmetall. Kaymer leistet sich in Rio das Spiel für die Ehre – und obwohl er weit von den Top-Verdienern seines Sports entfernt ist, kann er das auch locker: Geschätzte 30 Millionen Dollar hat der beste aktive deutsche Golfer in seiner Karriere bisher verdient.

Michael Phelps

Das Vermögen des Schwimmstars und erfolgreichsten Olympioniken der Gegenwart (21 Goldmedaillen, zweimal Silber, zweimal Bronze) wird auf insgesamt 55 Millionen Dollar geschätzt.

Marta Vieira da Silva mag nicht verglichen werden, weder mit Neymar, noch mit Pelé. Dieser adelte sie einst, etwas holprig, als seiner selbst, nur etwas anders: „Pelé mit Rock“. Statistisch gesehen hat die drahtige, kleine Frau mit dem blondierten Zopf die Legende schon übertroffen, im Dezember schoss sie gegen Trinidad & Tobago ihr 96. Tor für die Seleção – eins mehr als Pelé.

Marta ist eine Ausnahmeerscheinung: Zwischen 2006 und 2010 gewann sie fünf Mal in Folge die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres, noch heute, mit 30 Jahren, dominiert sie das Spiel mit ihren Dribblings, Pässen, Finten. Nur eines, das hat Marta bis heute nicht geschafft: ihren Sport aus der Nische herauszuführen. Aus dem Schatten der Männer. Darüber können auch die etwa 45.000 Zuschauer im Olympiastadion von Rio nicht hinwegtäuschen, die ihr beim Sieg über Schweden zujubelten.

Um den Status des Frauenfußballs in Brasilien verstehen zu können, hilft ein Blick zurück ins Jahr 2011. Marta präsentierte ihre spektakulären Ballkünste damals bei Santos Futebol Feminino, der Frauenmannschaft des FC Santos. So lange, bis der Verein sie und ihre Mitspielerinnen vor die Tür setzte – das Geld sei knapp, es müsse gespart werden. Der Grund war offensichtlich: im Herrenteam hatte ein junger Spieler die Aufmerksamkeit vom FC Barcelona und Real Madrid auf sich gezogen. Sein Name: Neymar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×