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01.08.2016

19:33 Uhr

Yusra Mardini

Das Gesicht des Olympia-Flüchtlingsteams

Im vergangenen Jahr befand sich Yusra Mardini auf der Flucht. Nun wird sie bei Olympia starten. Die in Berlin lebende Syrerin reist nach Rio - alle Augen werden auf das Gesicht des IOC-Flüchtlingsteams gerichtet sein.

Das Flüchtlingsmädchen, das seit vergangenem Jahr in Berlin lebt, startet bei den Olympischen Spielen. AP

Yusra Mardini

Das Flüchtlingsmädchen, das seit vergangenem Jahr in Berlin lebt, startet bei den Olympischen Spielen.

BerlinIn wenigen Tagen wird der Olympia-Traum von Yusra Mardini wahr. Dann wird die syrische Schwimmerin mit ihrem Trainer und Betreuer Sven Spannekrebs in Rio de Janeiro eintreffen. „Die Spannung steigt täglich und man denkt darüber nach, was wohl alles passieren wird“, erzählt Spannekrebs, der ebenso zum ersten Mal an der größten Sportveranstaltung der Welt teilnimmt. „Ich bin stolz und dankbar, dass ich dabei sein kann“, sagt die junge Sportlerin.

Neben Starts über 100 Meter Schmetterling und 100 Meter Freistil warten auf die 18-Jährige einige Medien-Pflichttermine. TV-Anstalten haben schon angefragt, ob sie vor Ort ins Studio kommen könnte. Ein ARD-Team wollte Mardini mit der Kamera auf ihrem Weg nach Rio begleiten - ohne Erfolg. Spannekrebs versucht, die im vergangenen Jahr aus Damaskus nach Berlin Geflüchtete bestmöglich vor der Wucht der Öffentlichkeit abzuschirmen. Um Pressekonferenzen und Empfänge wird das Duo aber nicht herumkommen.

Rio – Millionen-Stadt am Zuckerhut

Rio de Janeiro

Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Sie hat etwa 6,5 Millionen Einwohner, im Großraum leben 12,2 Millionen Menschen. 1960 hat Brasilia sie als Hauptstadt des südamerikanischen Landes abgelöst.

Bekannte Wahrzeichen

Zu den bekanntesten Wahrzeichen gehört der 396 Meter hohe Zuckerhut. Berühmt ist auch die 30 Meter hohe Christus-Statue auf dem Gipfel des Granitfelsens Corcovado. Der Karneval in Rio ist alljährlich ein buntes Spektakel. Die Stadt lockt zudem die Touristen mit zahlreichen Stränden an. Der bekannteste liegt im Stadtteil Copacabana.

Unsicher?

Der Olympiastadt Rio de Janeiro wird Unrecht getan, wenn sie pauschal als gefährlich und unsicher eingestuft wird. Barra, der Stadtteil, wo sich der Olympiapark mit den meisten Sportstätten befindet, gilt als sicher, zudem ist hier viel Polizei und Militär konzentriert.

Sicherheit an den Stränden

An Stränden wie in Copacabana oder Ipanema ist die Zahl von Überfällen im Vergleich zu früher zurückgegangen. Die Strände werden nachts erleuchtet, hunderte Kameras und Polizei sollen helfen, dass wenig passiert.

Sicherheit am Hafen

Ebenso beim Olympia-Boulevard am Hafen, der mit Kulturangeboten hunderttausende Gäste anlocken will, sollen hunderte Kameras und Polizei helfen, das wenig passiert.

Gefährliche Orte (1)

Als am gefährlichsten gilt derzeit die Nordzone der Stadt - aber hier kommen Olympia-Touristen in der Regel nicht hin. Favelas wie der Complexo do Alemão und Maré sind sehr gefährlich, hier bekämpfen sich Drogenbanden und Polizei.

Gefährliche Orte (2)

Auch im Stadtzentrum von Rio muss man stark aufpassen. Ebenso im sehenswerten, am Berg gelegenen Bohème-Viertel Santa Teresa, wo in den ersten vier Monaten dieses Jahres schon über 320 Überfälle gezählt wurden. Hier gab es im Mai einen Raubüberfall auf ein Team um den spanischen Olympiasieger Fernando Echevarri.

Sorgen

85.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, besondere Sorge neben der „Alltagskriminalität“ bereitet der islamistische Terrorismus - allerdings ist Südamerika bisher hiervon verschont geblieben. Hier werden rund um Olympiastätten Maßnahmen und Blockaden noch einmal verstärkt, als eine Konsequenz aus dem Lastwagen-Anschlag von Nizza.

App für Schusswechsel

Schießereien gibt es meistens in den Favelas, Amnesty International hat die App „Fogo Cruzado“ (Kreuzfeuer) entwickelt - sie soll mit Angaben von Augenzeugen Schusswechsel in der Stadt dokumentieren.

Schließlich ist Mardini mittlerweile ziemlich bekannt. Der hübsche Teenager mit den wachen, schwarzen Augen ist das Gesicht der Flüchtlings-Kampagne des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). „Viele Leute sind durch mich inspiriert. Und ich will sie nicht enttäuschen“, bemerkt sie ernst und verspürt eine gewisse Verantwortung. Mardini möchte zeigen, „dass Flüchtlinge nicht nur Opfer sind. Wir können etwas leisten und erreichen. Wir sind jemand.“

Dabei gilt sie als Symbol der Hoffnung. Dass sich das enorme Medien-Interesse besonders auf sie richtet, liegt auch an der dramatischen Geschichte ihrer Flucht: Das mit über 20 Insassen überfüllte Boot kentert zwischen der Türkei und Griechenland. Ihre Schwester und sie springen ins kalte Wasser der Ägäis und ziehen das Boot mehrere Stunden lang bis ans rettende Ufer.

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