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10.08.2016

13:02 Uhr

Zeitmessung in Rio

Wenn jede Millisekunde zählt

Bei den Wettkämpfen in Rio entscheiden Bruchteile von Sekunden über Niederlage und Sieg. Eine Schweizer Firma verantwortet die Zeitmessung - und hat dafür tonnenweise Material nach Rio geschafft.

Wer hier gewinnt, ist recht klar (Michael Phelps, in der Mitte). Wenn die Unterschiede knapper werden, kommt es auf Bruchteile von Sekunden an - und darauf, dass diese richtig gemessen werden. AP

Jede Sekunde zählt

Wer hier gewinnt, ist recht klar (Michael Phelps, in der Mitte). Wenn die Unterschiede knapper werden, kommt es auf Bruchteile von Sekunden an - und darauf, dass diese richtig gemessen werden.

Rio de JaneiroAn die Verlässlichkeit der olympischen Zeitmessung glaubt Milorad Cavic wahrscheinlich noch immer nicht. Acht Jahre ist es her, dass er sich von ihr betrogen fühlte. Das war in Peking 2008 - damals war war Superstar Michael Phelps über die 100 Meter Schmetterling 1/100 Sekunden schneller gewesen als der Serbe. Ein Irrtum, fand Cavic. Doch der Protest der serbischen Delegation lief ins Leere: Phelps behielt Gold, Cavic blieb Zweiter.

Alle vier Jahre kommt es ganz besonders auf die elektronische Zeitmessung an. Sie entscheidet über Goldhoffnungen, zeigt Weltrekorde an, kann Träume zerstören. Cavic war nicht der Erste, der das erfahren musste. Bei den Sommerspielen 1972 in München beispielsweise gewann der Schwede Gunnar Larsson die 400 Meter Lagen gegen den Amerikaner Tim McKee mit 2/1000 Sekunden Vorsprung. Vielleicht ist die Technik gerade deshalb so gnadenlos, weil sie so ehrlich ist. Daran zumindest glaubt der Schweizer Alain Zobrist. Denn die moderne Technologie „macht uns extrem präzise in all dem, was wir tun.“

Zobrist ist der Zeitchef der Spiele und arbeitet für den Luxusuhren-Herstellers, der in Rio für die Zeitmessung in 28 Sportarten verantwortlich ist. Er sitzt neben dem Rand des Olympia-Schwimmbeckens, der 33-Jährige erlebt gerade intensive Tage. Allein im Schwimmen sind in den ersten Rio-Tagen bereits etliche Weltrekorde aufgestellt worden. 450 Tonnen Material hat Omega nach Brasilien transportieren lassen, damit diese auch korrekt angezeigt werden. 480 Zeitmesser sind für das Schweizer Unternehmen in Rio im Einsatz.

„Wir brauchen diesen großen Aufwand, um in all den verschiedenen Sportarten unsere Leistungen zu erbringen“, sagt der 33-jährige Zobrist. „Wir haben 28 Sportstätten. Das ist für uns so, als würde man 28 Weltmeisterschaften in zwei Wochen durchführen.“ Was bedeuten soll: Zobrist und sein Team haben während der Spiele viel zu tun. Und sie haben eine ziemlich große Verantwortung.

Denn was passieren würde, wenn beispielsweise im 100-Meter-Finale der Männer plötzlich die Zeitmessung ausfallen sollte, ist nur schwer vorstellbar. Aber auch ziemlich unwahrscheinlich. „Wir haben Backups, das ist sehr wichtig“, sagt Zobrist. „Außerdem haben wir Batterien. Selbst wenn es Stromausfälle gibt, können wir weiterhin die Resultate der verschiedenen Wettkämpfe liefern.“

Am Freitag steht im olympischen Schwimmbad von Rio de Janeiro übrigens wieder ein Finale über 100 Meter Schmetterling an. Rekord-Olympiasieger Phelps will seine nächste Goldmedaille holen, Cavic ist in Rio nicht am Start. Dennoch könnte es auch so viele Jahre nach Peking wieder extrem eng werden. Wie eng genau, wird die Zeit zeigen.

Von

dpa

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