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25.06.2014

14:24 Uhr

Philipp Lahm

Überragend oder einfach überschätzt?

VonArmin Lehmann
Quelle:Tagesspiegel

Philipp Lahms Karriere verlief konstant brillant, von der E-Jugend an. Doch in seiner neuen Rolle im Mittelfeld scheint der gelernte Abwehrspieler nicht so aufzublühen. Das äußern auch prominente Trainer.

Philipp Lahm wird von seinen Trainern für seine intelligente Spielweise gelobt. Doch ist der gelernte Verteidiger auf der Sechser-Position falsch aufgehoben? AFP

Philipp Lahm wird von seinen Trainern für seine intelligente Spielweise gelobt. Doch ist der gelernte Verteidiger auf der Sechser-Position falsch aufgehoben?

Philipp Lahm ist ein einziger Superlativ. „Der intelligenteste Spieler, den ich jemals trainiert habe“, hat etwa Pep Guardiola, sein Trainer beim FC Bayern, über ihn gesagt. Seine Karriere ist schon deshalb außergewöhnlich, weil sie so konstant brillant verlief. Philipp Lahm spielt seit seinem zehnten Lebensjahr in einer „Leistungsmannschaft“. Das fing in der E-Jugend an und hörte im Prinzip nicht mehr auf. Er ist 1,70, aber er kann körperlich und fußballerisch große Spieler ausschalten, Ronaldo, Ibrahimovic – eigentlich alle. Es gibt eigentlich nichts, was gegen Philipp Lahm spricht. Und trotzdem, das hat er einmal selbst zugegeben, ist der Bayer mehr „Streber als Rebell“.

Auch das spricht überhaupt nicht gegen seine fußballerische Klasse, nicht gegen seine Person, und doch könnte dieses in ihm wohnende Strebertum, dieser doch sehr große Ehrgeiz, den man zwar haben muss, um „top top top“ (Guardiola) zu sein, ihn daran hindern, seine eigenen Grenzen zu erkennen. Lahm sieht sich selbst nicht nur als Fußball-Profi, sondern als ein Anführer, der verpflichtet ist, das auszusprechen, was im Sinne des Großen und Ganzen ist, im Sinne seines FC Bayern oder im Sinne der Nationalmannschaft.

So hat er beispielsweise sein legendäres Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ begründet, mit dem er damals seinem Trainer Louis van Gaal zur Seite gesprungen ist und vom Verein verlangt hatte, dass man endlich auch ein System, van Gaals System, dauerhaft implementieren müsse. Das Interview, für das er 50.000 Euro Geldstrafe zahlen musste, hat ihn später nicht daran gehindert, den Klub bei der Absetzung des Trainers van Gaal ebenso zu unterstützen.

Elegant – nur nicht in seinem Buch

Wenn Lahm also aneckt, eckt er sehr berechnend an, genau überlegt, alle Folgen abschätzend. Nicht anders hat er sich verhalten, als es um die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft ging und gegen Michael Ballack. Streberhaft gut, nicht rebellisch emotional.

In seinem Buch „Der feine Unterschied“ gibt es einige Passagen, in denen einem der Atem stockt. Der korrekte und freundliche Philipp Lahm urteilt beispielsweise in einer Schärfe über die Trainer Jürgen Klinsmann und Rudi Völler, wie man es nicht für möglich halten würde, wenn doch alle Beteiligten noch im großen Fußball-Kreislauf aktiv sind. Vorab gedruckt in der „Bild“-Zeitung. Vor allem die Passagen über die EM 2004 und Völlers Leistungen als Trainer sind niederschmetternd negativ. Auch hier hat Philipp Lahm ganz bestimmt Recht, keine Frage, aber man bekommt ein wenig das Fremdschämen, weil man sich fragt, ob es nicht hätte eleganter gehen können mit der Kritik.

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