Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2012

18:33 Uhr

Polen und Ukraine

Keine Aufbruchstimmung im Schatten der EM

VonDiana Fröhlich

Die Emotionen in den EM-Gastgeberländern könnten unterschiedlicher nicht sein: Während die Polen schon jetzt euphorisiert sind von dem Großereignis, glauben viele Ukrainer nicht mehr an den erhofften Wendepunkt.

Das neue Nationalstadion im polnischen Warschau erstrahlt in den Farben rot und weiß. Hier soll am 8. Juni das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft zwischen Polen und Griechenland angepfiffen werden. dpa

Das neue Nationalstadion im polnischen Warschau erstrahlt in den Farben rot und weiß. Hier soll am 8. Juni das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft zwischen Polen und Griechenland angepfiffen werden.

Warschau/KiewDie Vorfreude auf das Eintreffen des Pokals ist schon von weitem sichtbar. Am Kulturpalast, dem Wahrzeichen der polnischen Hauptstadt, hängt in rund 160 Meter Höhe ein buntes, überdimensionales Plakat mit der Aufschrift „Warszawa powitaj Puchar! - „Warschau begrüßt den Pokal!. Am 8. Juni, wenn hier das Eröffnungsspiel der Fußball-Europameisterschaft stattfindet, beginnt in Warschau der Kampf um die begehrte Trophäe.

Die Polen freuen sich auf die einmalige Chance, dieses Turnier ausrichten zu können. Stefan Majewski, Trainer der U21-Nationalmannschaft, hofft, dass sein Land der Welt zeigen kann, dass es zu Europa gehört: „Wir wollen ein guter Gastgeber sein, sagt der 56-Jährige, der früher in der Bundesliga spielte, unter anderem für Kaiserslautern und Bielefeld. Und er wünscht sich, dass sich der Fußball in Polen nach dem Turnier weiter professionalisiert.

Infografik: Die Kosten der EM

Infografik: Die Kosten der EM

780 Kilometer weiter östlich, in Kiew, findet am 1. Juli das Finale statt. In der ukrainischen Hauptstadt ist von der Vorfreude auf die EM deutlich weniger zu spüren. Das Turnier gilt in einem Land, das von rund einem Dutzend Politikern und Unternehmern beherrscht wird, als Prestigeprojekt der Regierung. Wer hier Aufbruchstimmung sucht, der wird enttäuscht. Kaum ein Plakat weist auf das größte Ereignis hin, das das Land seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 ausrichten wird.

Auch Jewgeni Demtschenko wird nicht ins Stadion gehen. Die Veranstaltung sei doch reine Geldverschwendung, empört sich der 25-Jährige. In ein paar Jahren, sagt er, werde das Ereignis vor allem als große Korruptionsaffäre in Erinnerung bleiben. Demtschenko, Mitglied der Jugendorganisation „Stiftung Regionaler Initiativen, steht stellvertretend für viele junge Intellektuelle in Kiew. Sie wissen, dass sich die Ukraine nach dem Turnier nicht grundlegend verändern wird, nur weil sie für ein paar Wochen im Mittelpunkt Europas steht. Der Großteil der Bevölkerung ist zwar fußballinteressiert, wird die Spiele aber nicht auf den Fanmeilen, sondern im staatlichen Fernsehen verfolgen.

Eine der wenigen Ausnahmen ist Timur Mirlas. Der Gymnasiast hat ein Ticket fürs Halbfinale ergattert und hofft, das ukrainische Team spielen zu sehen. In der Turnhalle seiner Schule hängt ein großes Poster von Anatoli Timoschtschuk. Der Spieler des FC Bayern München ist für den 14-Jährigen ein Held - nun hat er die Chance, ihn einmal live zu erleben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×