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12.06.2012

18:31 Uhr

Rassismus und Nationalismus

Polen kämpft bei der EM mit dunklen Schatten

Affenlaute beim Training der Niederländer, rassistische Gesänge in den Stadien - und nun auch noch das große Zittern vor einem Marsch der russischen Fans zum Unabhängigkeitstag ausgerechnet durch Warschau. Über der EM in Polen liegt ein dunkler Schatten.

Polizisten patroullieren in der Fanzone in der Warschauer Innenstadt. dapd

Polizisten patroullieren in der Fanzone in der Warschauer Innenstadt.

WarschauKein EM-Spiel wie jedes andere: Bei sportlichen Begegnungen zwischen Polen und Russland geht es auch um große Gefühle und wunde Punkte in der Vergangenheit. Schon der Zeitpunkt der Partie ist sensibel. Die Russen feiern rings um das Spiel am Dienstag (20.45/ARD) ihren Unabhängigkeitstag. Großrussischer Jubel auf den Straßen von Warschau - da wäre Ärger programmiert.

Ein Marsch russischer Fans zur Feier dieses Tages von einem der Innenstadtbahnhöfe aus zum Nationalstadion in Warschau sorgt in Polen seit Tagen für Parteienstreit. Der russische Fanverband versuchte, die Situation zu entschärfen, indem er ankündigte, die Fans würden die roten Trikots ihres Teams tragen - nicht etwa T-Shirts mit Symbolen der ehemaligen Sowjetunion. Sowjetstern und Hammer und Sichel werden in Polen auch 23 Jahre nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht gern gesehen.

Die polnische Botschaft in Moskau hatte zuvor bereits russischen Fans geraten, beim Besuch der Fußball-EM in Polen kommunistische Symbole zu Hause zu lassen. T-Shirts mit Hammer und Sichel, wie sie auf der Kleidung in Russland auch 20 Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion nicht ungewöhnlich sind, könnten nicht nur zu Kontroversen mit polnischen Fans führen, sondern seien ebenso wie faschistische Symbole in Polen verboten, zitierte die polnische Nachrichtenagentur PAP Vizebotschafter Jaroslaw Ksiazek.

Das Warschauer Innenministerium bereitet sich dennoch auf viel Arbeit vor: Mehr Polizisten auf den Straßen, mehr Fan-Kontrollen - vor dem sportlich für den Gastgeber vielleicht schon entscheidenden EM-Spiel gegen Russland haben die Behörden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Innenminister Jacek Cichocki sagte am Dienstag in Warschau, die Zahl der Patrouillen vor dem Spiel am Abend werde verstärkt. Die Konstellation sei die „bisher größten Herausforderung der EM für die Sicherheitskräfte“. Beim Stadion-Einlass seien außerdem gründlichere Kontrollen geplant, um etwa das Einschleusen von Feuerwerkskörpern zu verhindern. „Das sind verbotene Materialien. Alle, bei denen Feuerwerkskörper gefunden werden, werden festgenommen und verpassen das Spiel“, sagte Cichocki. Zugleich zog der Innenminister eine positive Bilanz der bisherigen Spieltage. „Wir haben keine besonderen Auffälligkeiten für die Sicherheitslage festgestellt“, sagte er. Allein in der Nacht vor dem Spiel zwischen Irland und Kroatien in Posen waren 14 Fußball-Fans nach einer Schlägerei festgenommen worden.

Aus Rücksicht auf polnische Befindlichkeiten wollen russische Fans aus Smolensk am Dienstag keine Fahnen mit der Aufschrift „Smolensk“ zur EM-Begegnung zwischen Polen und Russland ins Stadion bringen. Das berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP am Montag unter Berufung auf den russischen Fanverband. „Wir wollen die Gefühle der Polen nicht verletzen“, zitierte PAP den Smolensker Fan Wladimir Proschin.

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