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05.08.2012

16:52 Uhr

Ruderin Nadja Drygalla

„Ich wollte die Belastung von der Mannschaft nehmen“

Erstmals seit ihrer Olympia-Abreise ist Ruderin Nadja Drygalla mit einem Interview an die Öffentlichkeit gegangen. Ihr Freund soll sich von der rechten Szene gelöst haben, sie selbst lehne derartiges Gedankengut ab.

Angebliche Kontakte zur NPD

Rückendeckung für Ruderin Drygalla

Angebliche Kontakte zur NPD: Rückendeckung für Ruderin Drygalla

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Wie haben Sie die vergangenen Tage erlebt?

Nadja Drygalla: Mir geht es nicht gut, die letzten Tage waren ziemlich anstrengend und ziemlich überraschend.

Wer ist zuerst in London an Sie herangetreten?

Am Donnerstag habe ich die ersten Anrufe von Medien und vom DRV-Sportdirektor Mario Woldt bekommen. Danach bin ich mit ihm zu Herrn Vesper vom DOSB gefahren.

Sind Sie dort mit Vorwürfen konfrontiert worden?

Es waren keine Vorwürfe. Er hat mir gesagt, dass sie Kenntnis von meinem privaten Umfeld erhalten haben und hat gefragt, wie das zustande kommt. Herr Vesper wollte wissen, wie die derzeitige Situation mit meinem Freund Michael Fischer ist und wie ich zu ihm stehe. Im Laufe des Gesprächs und einer Beratung habe ich von mir aus den Vorschlag gemacht, dass ich aus dem olympischen Dorf abreise. Es war meine Entscheidung.

Weshalb haben Sie sich dazu entschieden?

Ich wollte einfach die Belastung von der Mannschaft nehmen, die zum Teil immer noch im Wettkampf steckte und sich darauf konzentrieren sollte. Ich wollte nicht durch den Rummel um meine Person auch noch andere Leute belasten.

Wie sehr hat Sie die anschließende Welle überrascht?

Sehr. In welchem Maße das alles kam, hatte ich nicht erwartet, weil mein Freund seit Mai kein Mitglied in der NPD mehr ist und persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet hat. Ich hielt das Thema für mich persönlich schon vor den Olympischen Spielen für erledigt.

Distanziert sich Ihr Freund, Michael Fischer, auch von den Nationalen Sozialisten Rostocks?

Ja, auch von denen.

Welchen Anteil hatten Sie an dieser Entscheidung?

Ich denke, dass ich schon einen ziemlichen Anteil habe. Aber dieser Austritt ist ja nicht alles. Diesen Schritt, sich abzuwenden und von dem Gedankengut zu lösen, muss man selber wollen. Es ist nicht ein Schritt von heute auf morgen, aber ihm ist von sich aus bewusst geworden, in welche Richtung er gehen möchte, wie er in geregelten Bahnen weitermachen will.

Inwiefern haben Sie das Thema zu Beginn Ihrer Beziehung mit ihm besprochen?

Das Ganze kam schleichend. Als wir damals vor viereinhalb, fünf Jahren zusammenkamen, war das noch kein Thema. Es fand seinen Höhepunkt, als er in die Partei eingetreten ist und für die NPD kandidiert hat. Ich muss ganz klar sagen, dass unsere Beziehung davon sehr stark belastet wurde und ich in vielen Diskussionen klar gesagt habe, dass ich diese Meinung nicht teile und da nicht hinter stehe. Als es seinen Höhepunkt fand, haben wir keine fröhliche Beziehung mehr geführt, sie hat unter der starken Belastung gelitten. Es gab auch den Gedanken an Trennung. Ich bin froh, dass ich vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gesagt habe, dass es so nicht weiter laufen kann.

Wie haben Sie zu Beginn die rechte Ausrichtung Ihres Freundes erlebt?

Ich war 18 oder 19, da habe ich nicht so viel von mitbekommen, von Demonstrationen und so weiter.

Die deutschen Medaillengewinner

Hockey

Gold

Die Herren-Mannschaft

Beachvolleyball

Gold

Julius Brink und Jonas Reckermann

Fechten

Silber

Britta Heidemann (Leverkusen) im Degenfechten

Bronze

Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Tauberbischofsheim), Sebastian Bachmann (Bonn) und André Weßels (Bonn) im Florettteam

Judo

Silber

Kerstin Thiele (Leipzig) in der Klasse bis 70 kg

Ole Bischof (Reutlingen) in der Klasse bis 81 kg

Bronze

Andreas Tölzer (Mönchengladbach) im Schwergewicht

Dimitri Peters (Rotenburg) in der Klasse bis 100 kg

Kanu

Gold
Sebastian Brendel (Potsdam) im Einer-Canadier auf 1.000 Meter

Peter Kretschmer und Kurt Kuschela (Potsdam) im Zweier-Canadier über 1000 Meter

Franziska Weber (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) im Zweier-Kajak auf 500 Meter

Silber

Sideris Tasiadis (Augsburg) im Canadier-Slalom

Carolin Leonhardt (Mannheim), Franziska Weber (Potsdam), Katrin Wagner-Augustin (Potsdam) und Tina Dietze (Leipzig) im Vierer-Kajak auf 500 Meter

Bronze

Hannes Aigner (Augsburg) im Kajak-Slalom

Max Hoff (Essen) im Einer-Kajak auf 1.000 Meter

Martin Hollstein (Neubrandenburg) und Andreas Ihle (Magdeburg) im Zweier-Kajak auf 1.000 Meter




Leichtathletik

Gold

Robert Harting (Berlin) im Diskuswurf

Silber

David Storl (Chemnitz) im Kugelstoßen

Lilli Schwarzkopf (Rhein-Wied) im Siebenkampf

Björn Otto (Frechen) im Stabhochsprung

Christina Obergföll (Lahr) im Speerwerfen

Bronze

Raphael Holzdeppe (Kaiserslautern) im Stabhochsprung

Betty Heidler (Berlin) im Hammerwerfen

Linda Stahl (Steinheim) im Speerwerfen

Pferdesport

Gold

Michael Jung (Horb) mit Sam in der Vielseitigkeit

Michael Jung (Horb) mit Sam, Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Louvo, Dirk Schrade (Sprockhövel) mit King Artus, Peter Thomsen (Lindewitt) mit Barny und Ingrid Klimke (Münster) mit Abraxxas in der Vielseitigkeit-Mannschaft

Silber

Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit Damon Hill, Kristina Sprehe (Dinklage) mit Desperados, Dorothee Schneider (Framersheim) mit Diva Royal) in der Dressur-Mannschaft

Bronze

Sandra Auffarth (Ganderkesee) mit Opgun Louvo in der Vielseitigkeit

Radsport

Gold

Miriam Welte (Kaiserslautern) und Kristina Vogel (Erfurt) im Bahnrad-Teamsprint

Silber

Judith Arndt (Leipzig) im Zeitfahren

Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) im Zeitfahren

Maximilian Levy (Cottbus) im Keirin

Sabine Spitz (Bad Säckingen) im Cross Country Mountainbike

Bronze

René Enders (Erfurt), Robert Förstemann (Gera), Maximilian Levy (Cottbus) im Bahnrad-Teamsprint

Rudern

Gold

Karl Schulze (Dresden), Philipp Wende (Wurzen), Lauritz Schoof (Rendsburg) und Tim Grohmann (Dresden) im Doppelvierer

Philip Adamski (Mannheim), Andreas Kuffner (Berlin), Eric Johannesen (Hamburg), Maximilian Reinelt (Ulm), Richard Schmidt (Trier), Lukas Müller (Düsseldorf), Florian Mennigen (Ratzeburg), Kristof Wilke (Radolfzell) und Steuermann Martin Sauer (Berlin) im Achter

Silber

Julia Richter (Berlin), Carina Bär (Heilbronn), Annekatrin Thiele (Leipzig) und Britta Oppelt (Berlin)

Tischtennis

Bronze

Dimitrij Ovtcharov (Orenburg/Russland) im Einzel

Timo Boll (Borussia Düsseldorf), Dimitrij Ovtcharov (Fakel Orenburg/Russland) und Bastian Steger (1. FC Saarbrücken) im Mannschaftswettbewerb

Turnen

Silber

Marcel Nguyen (Unterhaching) im Mehrkampf

Marcel Nguyen (Unterhaching) am Barren

Fabian Hambüchen (Wetzlar) am Reck

Waren Sie selbst auf Demonstrationen?

Nein, überhaupt gar nicht. Ich habe keine Verbindung in seinen Freundeskreis und diese Szene gehabt und lehne das absolut ab. Bei mir kann man suchen, wie man möchte: Man wird bei mir nichts in diese Richtung finden. Heute lese ich in der Zeitung, dass das auch der Verfassungsschutz bestätigt.

Es gibt Bilder im Internet, die sie angeblich bei einer Demonstration 2009 in Malchow zeigen sollen.

Das bin ich nicht, das kann ich ganz klar sagen. Ich empfinde das als unfair und ungerechtfertigt. Da können Sie fragen, wen sie möchten: Ich habe keinen Kontakt gehabt, noch bin ich jemals auf Demonstrationen gewesen.

Ihr Auto wurde bei einer rechten Demonstration registriert...

Weil mein Freund es in meiner Abwesenheit benutzt hat. Ich war zu der Zeit im Trainingslager und habe ihm hinterher klar gesagt, dass das nicht geht. Dafür hatte ich mein Auto nicht zur Verfügung gestellt.

Kommentare (12)

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Ein_Olympia-Kritischer

05.08.2012, 18:07 Uhr

"Er hat mir gesagt, dass sie Kenntnis von meinem privaten Umfeld erhalten haben und hat gefragt, wie das zustande kommt. Herr Vesper wollte wissen, wie die derzeitige Situation mit meinem Freund Michael Fischer ist und wie ich zu ihm stehe."
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Hmmmm, vielleicht kann ich mich ja in die Sportfunktionärsdenke nicht einfühlen. Meine Antwort wäre jedenfalls gewesen, daß ihn meine privaten Verhältnisse und Beziehungen einen feuchten Kehricht angehen. Manchmal ist die Dreistigkeit und Kontrollsucht dieser "Offiziellen", die auch vor dem Privatleben nicht halt macht, kaum noch zu fassen!
Sport ist Sport, Politik ist Politik und Privates ist privat und gehört nicht vermengt!

wolle100

05.08.2012, 18:15 Uhr

Ein Maximum an Heuchelei und Scheinheiligkeit auf Seiten der Sportfunktionäre und Politiker.
Die NPD zu verbieten haben die im Bundestag vertretenen Parteien bisher nicht geschafft..... Aber bei Frau Drygalla,
da kann man ja mal zeigen, was für eine tolle demokratische Auffassung man hat....

Account gelöscht!

05.08.2012, 18:30 Uhr

Sippenhhaft? Das gab's doch schon einmal!

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