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12.08.2012

14:54 Uhr

Sexueller Missbrauch

DSV verärgert über Schweigen des angeklagten Trainers

Obwohl die Staatsanwaltschaft Kiel bereits im September 2011 Anklage gegen einen Olympia-Trainer wegen sexuellen Missbrauchs erhoben hatte, schwieg dieser gegenüber dem Deutschen Schwimm-Verband. Der ist nun sauer.

DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff (von links nach rechts), Präsidentin Christa Thiel und Leistungssportdirektor der deutschen Schwimmer, Lutz Buschkow. dpa

DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff (von links nach rechts), Präsidentin Christa Thiel und Leistungssportdirektor der deutschen Schwimmer, Lutz Buschkow.

LondonEin Missbrauchsprozess gegen einen seiner Olympiatrainer sorgt nach den sportlichen Enttäuschungen von London für neuen Ärger beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Der Trainer der Beckenschwimmer muss sich am Dienstag wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen vor dem Kieler Amtsgericht verantworten.

Die Anklage wirft dem Mann vor, sich von August 2004 bis März 2006 in 18 Fällen an einer damals minderjährigen Schwimmerin vergangen zu haben. Der Verteidiger des Trainers, Kai Dupre, wies die Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte bereits im Jahr 2009 ihre Ermittlungen begonnen und im September 2011 Anklage erhoben. Nach erster Fassungslosigkeit ist der nach eigenen Angaben bis Freitag ahnungslose Verband verärgert, dass der Trainer ihn weder über die Anklage noch den bevorstehenden Gerichtstermin informiert hat. „So etwas kann ich nicht nachvollziehen. Das Vertrauensverhältnis ist gestört, logisch“, sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel.

Für den Prozess ist nur ein Verhandlungstag angesetzt, an dem auch das Urteil gesprochen werden soll. Laut Anklage nutzte der Mann das besondere Betreuungsverhältnis als Trainer zu der jungen Sportlerin aus. Die damals über 16 Jahre alte Athletin, die auch an deutschen Jugend-Meisterschaften teilnahm, sei mit Wissen der Eltern mit dem Trainer in den Urlaub gefahren.

Der DSV will nach Abschluss des Verfahrens personelle Konsequenzen prüfen. Wie Thiel betonte auch Generalsekretär Jürgen Fornoff, dass zunächst weiter die Unschuldsvermutung gelte. Aber falls „irgendetwas an den Vorwürfen dran“ sei, werde eine weitere Zusammenarbeit „nicht mehr möglich sein“, hieß es vom DSV.

Der Verband hatte wie bereits der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erklärt, dass der Trainer nicht für die Spiele von London nominiert worden wäre, wenn die Vorwürfe bekanntgewesen wären. „Zwar gilt in "dubio pro reo". Aber wenn wir eher davon erfahren hätten, hätten wir gegen ihn entschieden und ihn zu Hause gelassen“, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, der sich bereits im Fall der Ruderin Nadja Drygalla mit einer brisanten Personalie im Olympia-Team beschäftigen musste.

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