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05.02.2014

15:19 Uhr

Sicherheit in Sotschi

Zwei Kriegsschiffe gegen zwei Kriminalbeamte

Wie groß ist die Terrorgefahr für Olympia? Die USA entsende zum Schutz Kriegsschiffe und Flugzeuge nach Sotschi. Das deutsche Team bringt lediglich zwei Beamte des BKA mit – und vertraut sonst auf die Arbeit Russlands.

Einer von rund 40.000 russischen Einsatzkräften in Sotschi: Deutschland verlässt sich ganz auf die Vorbereitung der Organisatoren. ap

Einer von rund 40.000 russischen Einsatzkräften in Sotschi: Deutschland verlässt sich ganz auf die Vorbereitung der Organisatoren.

Sotschi, WashingtonVor Beginn der Olympischen Winterspiele hat US-Präsident Barack Obama mit seinem Nationalen Sicherheitsrat über die Bedrohungslage in Sotschi beraten. Er habe dabei den Russen volle Unterstützung und Zusammenarbeit angeboten, teilte das Weiße Haus am Dienstag (Ortszeit) mit. Obamas Team, bestehend aus den ranghöchsten Militärs und Ministern, habe ihm versichert, alle angemessenen Schritte zum Schutz der Amerikaner getroffen zu haben, die die Winterspiele besuchten.

Der Präsident habe die Mitglieder seines Sicherheitsrates zudem aufgefordert, eng mit der russischen Regierung zusammenzuarbeiten. Jede neue Information über die Sicherheitslage bei den Winterspielen müsse genau begutachtet werden und bei Bedarf zu entsprechenden Reaktionen führen.

Nach Attentaten in Wolgograd mit mehr als 30 Toten Ende Dezember sowie neuen Drohungen von Islamisten hatten die USA Russland im Anti-Terror-Kampf Hilfe angeboten, um die Sicherheit am Olympiaort zu erhöhen. Erst jüngst trafen zwei US-Kriegsschiffe nach russischen Militärangaben im Schwarzen Meer ein. An Bord seien 600 Angehörige der US-Navy.

Terrorgefahr im Sport: Wie Olympia sicher gemacht wurde

München 1972

Die Bundesrepublik unterschätzt die Bedrohungslage. Sie will ihr friedliches Gesicht auch dadurch zeigen, dass sie 4000 Sicherheitskräfte in Trainingsanzügen auftreten lässt. Der Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos im olympischen Dorf auf das Quartier des israelischen Teams kostet 17 Menschen das Leben.

Montreal 1976

Die neue Devise heißt: Stärke zeigen. Soldaten mit Maschinengewehren bewachen die Wettkampfstätten. Einfliegende Sportler steigen unter Militärbewachung in Busse, die sie erst in einer unterirdischen Garage im Olympischen Dorf verlassen dürfen. 16.999 Soldaten und Polizisten sind im Einsatz. Erstmals helfen Computersysteme bei der Überprüfung von 60.000 Akkreditierungen.

Moskau 1980 und Los Angeles 1984

Mitten im Kalten Krieg feiert die Sowjetunion die Rote Armee als Garant für den olympischen Frieden. Moskau ist bei den Boykott-Spielen eine belagerte Stadt. Ihr Besuch ist nur mit Sondergenehmigungen möglich. Bei den Boykott-Spielen II hält sich die US-Armee im Hintergrund. Die massiv eingesetzte Polizei agiert in Sheriff-Manier.

Seoul 1988

Die erste Phase massivster Einsätze findet, nur 58 Kilometer entfernt von der Todesgrenze zum verfeindeten Nordkorea, ihren Abschluss. Südkoreas Armee wird in den Ausnahmezustand versetzt, dazu zusätzliches US-Militär stationiert. Trupps mit nach Sprengstoff schnüffelnden Schäferhunden gehören zur Karikatur eines Olympia-Festes, dem die Gastgeber den Titel „Harmonie und Freundlichkeit“ gegeben haben.

Barcelona 1992

Ein geheimes Stillhalteabkommen mit der baskischen Terrororganisation ETA und der Fall der Berliner Mauer sorgen, bei aller Wachsamkeit, für Entspannung.

Atlanta 1996

Die Gastgeber wappnen sich zur Gefahrenabwehr erstmals mit modernster IT-Technik und Kamikazefliegern. Im Kommerzgewusel ihrer „Coca-Cola-Spiele“ vernachlässigen sie die Sicherheit am Boden. Ein Rechtsextremist zündet im Olympiapark eine Bombe. Zwei Menschen werden getötet und elf verletzt.

Sydney 2000

Als Konsequenz aus der Entdeckung eines Waffenlagers Monate vor den Spielen kommt zur Palette von Vorsichtsmaßnahmen die Abwehr von biologischen und chemischen Waffen hinzu. Australien reorganisiert seine Sicherheitsdienste und beschließt rigorosere Gesetze zu Einfuhren und Einreisen.

Salt Lake City 2002

Der Terrorakt von New York 2001 durch Al-Kaida wirkt nach München 1972 als zweite Eskalationsstufe. Zum ersten Mal sind Winterspiele besonders gefährdet. Die US-Regierung schafft mit Awacs-Flugzeugen, F-16-Kampfjets und Black-Hawk-Hubschraubern einen Schutzschirm, stellt 15 000 Spezialkräfte der Armee ab und verwandelt das olympische Dorf und die Pressezentren in Festungen.

Athen 2004

Bedroht von vielfältigen terroristischen Gefahren auch aus der griechischen Nachbarschaft können die Spiele nur mit Hilfe der EU und der NATO geschützt werden. Eine Expertengruppe aus sieben Ländern, darunter Deutschland, plant das Sicherheitskonzept mit. Es verschlingt 1,5 Milliarden Dollar.

Peking 2008

Die Staatsmacht rekrutiert neben Militär und Polizei 1,5 Millionen sogenannte Freiwillige: 100.000 „olympische Freiwillige“, 400.000 „Stadt-Freiwillige“, eine Million „Freiwillige der Gesellschaft“. Als die Amtlichkeit aus der fernen Region der uigurischen Minderheit ein Blutbad mit 16 Terroropfern vermeldet, ziehen vor dem olympischen Dorf, dem Pressezentrum und dem IOC-Hotel Panzerfahrzeuge auf.

London 2012

Die britische Hauptstadt macht mobil mit 18.200 Soldaten, Kriegsschiffen und Raketen, die auch auf Dächern rund um den Olympiapark herum positioniert sind. Der Park selbst ist als zentraler Austragungsort geschützt mit einem fünf Meter hohen, elektrisch geladenen, von Kameras bewachten Zaun. Für unsichtbaren Schutz sorgt eine enge Kooperation westlicher Geheimdienste. Tausende von Kameras überwachen Knotenpunkte der Metropole.

Sotschi 2014

Das Motto heißt „totale Kontrolle“. Sie gilt vor allem als Abwehr gegen den islamistischen Terror aus dem Nordkaukasus. Die Staatsmacht setzt 60.000 Polizisten, Geheimdienstler und Soldaten ein, dazu Luftabwehrsysteme, U-Boote, Drohnen und Luftabwehrsysteme.

Terroristen hatten zuletzt in der russischen Großstadt Wolgograd Anschläge mit mehr als 30 Toten verübt. Das Nationale Anti-Terror-Komitee teilte mit, dass diese Blutbäder aufgeklärt und die beiden Selbstmordattentäter identifiziert worden seien. Die radikalen Islamisten, die im Konfliktgebiet Nordkaukasus für einen von Moskau unabhängigen Gottesstaat kämpfen, hatten sich zuvor in einem Video zu den Anschlägen bekannt.

Die Organisatoren garantieren die Sicherheit in Sotschi für alle Teilnehmer: „Wir haben im Moment keine aktuelle Bedrohungslage“, sagte Sicherheitschef Alexej Lawrischew vor Journalisten im Olympiapark. „Die Lage ist unter Kontrolle“, betonte er. Zu den Terrordrohungen von Islamisten sagte er, dass auch die Geheimdienste anderer Länder, die in Sotschi arbeiten, keine akute Gefahr sähen.

„Vertreter von 30 russischen Sicherheitsstrukturen sind im Einsatz, darunter vom Innen- und vom Verteidigungsministerium sowie vom Inlandsgeheimdienst FSB“, sagte Lawrischew. Es gebe im Moment keine Terrorhinweise. Auch im benachbarten Konfliktgebiet Nordkaukasus, wo Islamisten mit Olympia-Attentaten gedroht hatten, sei die Lage unter Kontrolle. Besonders in der russischen Unruhe-Republik Dagestan hatte es zuletzt mehrere Anti-Terror-Einsätze gegeben. Dabei waren zahlreiche mutmaßliche Terroristen erschossen worden.

Kommentare (1)

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05.02.2014, 15:15 Uhr

Deutschland bringt zwei BKA Bamte mit nach Sotschi? Wenn man Bösartig wäre, könnte man sagen wozu mehr. Wer einen Anschlag in Sotschi´geplant hat, der hat schon vor Monaten Waffen und Munition im Olympiagebiet vergraben. Dann fehlen noch Täter die mit sauberen Ausweis aus einen Westlichen Staat ziemlich sicher einreisen können. Sollte es dann wirklich und hoffentlich nicht einen Anschlag geben, bilden wir doch erst einen Krisenstab, während die Amerikaner schon evakuieren.

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