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28.07.2012

09:55 Uhr

Sicherheitssystem bei Olympia

Mit High-Tech gegen Terroristen

VonThomas Kuhn, Yvonne Esterházy, Jürgen Rees
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Drohnen, Sprengstoffsensoren, Gesichtserkennung: Um Olympia zu schützen, haben die Organisatoren London elektronisch zu einer Hochsicherheitszone gemacht. Bewährt sich die Technik, soll sie auch andere Events absichern.

Im Visier der Sicherheitsdienste: London gilt als eine der am dichtesten mit Videokameras überwachten Städte der Welt. dpa

Im Visier der Sicherheitsdienste: London gilt als eine der am dichtesten mit Videokameras überwachten Städte der Welt.

Iqbal Hossain hatte sich das irgendwie anders vorgestellt mit Olympia: Ein paar Bobbys zusätzlich würden in London patrouillieren, hatte der Vater dreier Kinder vermutet. Stattdessen stehen jetzt Luftabwehrraketen auf dem Fred-Wigg-Tower, jenem 17-stöckigen Bau in Ostlondon, in dem Hossain mit seiner Familie wohnt. „Das macht uns Angst“, sagt Hossain. „Wenn es Attacken von Terroristen gibt, sind deren erstes Ziel doch die Raketen auf unserem Dach.“

Wenn Jacques Rogge, der Präsident des Olympischen Komitees, am Freitag dieser Woche die 30. Olympischen Sommerspiele eröffnet, wird die Welt von Raketen und Terroristen nichts hören: Vom freundschaftlichen Miteinander wird Rogge bei der Eröffnungsfeier in der britischen Hauptstadt sprechen, vom friedlichen Fest der Jugend dieser Welt und allenfalls von sportlichem Wettstreit.

Kein Wort wird über die größte Militäraktion der vergangenen Jahrzehnte fallen, die London gerade erlebt. Auf der Themse ankert als militärische Kommandozentrale die HMS Ocean, der mit 203 Metern längste Flugzeug- und Hubschrauberträger der Royal Navy. Während der Spiele ist der Flugraum über der Stadt für Privatpiloten gesperrt. Und wer in die Sicherheitszone fliegt, riskiert, von der Königlichen Luftwaffe abgeschossen zu werden.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen: Die Festung London zittert Olympia entgegen

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Festung London zittert Olympia entgegen

Zehntausende Sicherheitskräfte, ein Kriegsschiff und Flugabwehr: Die Angst vor Anschlägen bei Olympia hat London zur Festung werden lassen. Die Drohkulisse von München 1972 ist greifbar - ebenso wie die Gefahr von innen.

Eine Flut an Sicherheitskräften

In der Stadt selbst sind mehr Sicherheitskräfte stationiert, als das Land nach Afghanistan entsandt hat: 17.000 Soldaten, rund 10.000 Polizisten und weitere etwa 10.000 zivile Ordnungskräfte sind rund um die Uhr im Einsatz. Daneben drehen zig Geheimdienstler ihre Runden – sogar Agenten der US-Bundespolizei FBI unterstützen ihre britischen Kollegen.

Die Spiele von London, so viel ist klar, werden nicht nur die teuersten: Sie werden auch zum größten und aufwendigsten Feldversuch für moderne Sicherheitssysteme. Teils sichtbar, teils nur für Eingeweihte erkennbar, haben die Olympia-Manager massenhaft Technik verbaut, um Anschläge zu vermeiden, Verdächtige frühzeitig zu identifizieren und – für den Fall der Fälle – zumindest die Schäden zu minimieren.

Sicherheitsmaßnahmen rund ums Stadion

Gesichter erkennen

Videokameras überwachen das Stadionumfeld – Computer erkennen sogar Besucher mit Stadionverbot.

Koffer aufspüren

Die Videoüberwachung identifiziert Besucher, die sich auffällig verhalten. Sie warnt auch vor herrenlosen Koffern und Taschen.

Panik verhindern

Aus der Bewegung von Menschen erstellen Rechner Prognosen, wo es in 15 Minuten ohne Gegenmaßnahmen zu Gedränge und Panik kommen kann – und senden vorab Ordner an die Staustellen.

Finderabdruck prüfen

Rund 11.000 Athleten haben Fingerabdrücke und Gesichtsfotos hinterlegt. An speziellen biometrischen Kontrollpunkten kommen sie so schnell ins Stadion.

Sprengstoff schnüffeln

An Gefahrstoffschleusen am Eingang erschnüffeln elektronische Sensoren, ob Passanten gefährliche Substanzen wie Sprengstoff bei sich tragen.

Gefahrstoffwolken erkennen

Infrarot-Sensoren entdecken selbst Kilometer entfernte, bedrohliche Gaskonzentrationen über Stadtteilen, können aber sogar im Stadion den Alkoholdunst über der Fankurve sichtbar machen.

Drohnen spähen

Winzige Drohnen mit Kameras überwachen im Flug Stadt und Stadion. Bei einem Terrorangriff kann das Militär die Attentäter aber auch mit bewaffneten Drohnen abwehren.

Störer schocken

Ein 17,5 Kilometer langer 5000-Volt-Zaun sichert das Olympia-Gelände. Schallkanonen, die Lärm wie ein Düsenjet erzeugen, sollen Störer vertreiben.

Systeme zur Wiederverwertung

Die Spanne reicht von komplexer Videoüberwachung, die Risiken wie potenzielle Kofferbomben automatisch identifizieren soll, über Sensoren, die Gifte oder Sprengstoffe erschnüffeln, bis zu fliegenden Drohnen, die Menschenströme überwachen und Verdächtige verfolgen können. Selbst bombensichere Mülleimer hat die Stadt aufgestellt.

Der Sicherheitsbranche ist klar: Was an der Themse funktioniert, das schützt künftig auch andere Großveranstaltungen, wie Industriemessen, Wirtschaftsgipfel, Fußballmeisterschaften und Open-Air-Festivals, Volksfeste oder Kirchentage.

Kommentare (2)

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Ben

28.07.2012, 11:02 Uhr

Wenn ein "Terror" Anschlag passieren soll, dann wird er es, egal welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
[...] [+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

marconeuner

28.07.2012, 13:40 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

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