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16.01.2005

15:40 Uhr

17. Basketball All-Star-Spiel

Nur 48 Sekunden

VonGrischa Brower-Rabinowitsch und Dorit Hess

Beim 17. Basketball All-Star-Spiel sollte der Spaß im Vordergrund stehen - tatsächlich war es ein Spielerprotest um mehr Mitspracherechte.

HB KÖLN. Die 12 115 Zuschauer in der Kölnarena sind verblüfft. Selbst dem sprachgewaltigen Hallensprecher Frank Piontek fehlen die Worte. Das 17. All-Star-Spiel der Basketball Bundesliga (BBL) ist angepfiffen und Aufbauspieler Mithat Demirel, Nationalspieler und Star der Nord-Mannschaft, dribbelt auf der Stelle. Kein Spieler des Süd-Teams greift an, keiner aus dem Norden verlangt den Ball. Nach 24 Sekunden, so lange darf ein Angriff beim Basketball dauern, pfeift Schiedsrichter Andreas Schreiner ab. Der Süden bekommt den Ball. Das Spielchen wiederholt sich. Nationalspieler Pascal Roller, Aufbau der Süd-Mannschaft, dribbelt auf der Stelle. Nach 48 Sekunden ist der Spuk vorbei. Kommentator Piontek, sonst die "Stimme" des FC Schalke 04, ruft erleichtert ins Mikro: "Jetzt geht es los".

Die ersten 48 Sekunden des Spiels am Samstagabend waren zwar die spielerisch langweiligsten Sekunden in der Geschichte der BBL - aber wohl auch die interessantesten: Denn die Spieler protestierten zum Erstaunen der ahnungslosen Zuschauer und Liga-Verantwortlichen mit dem Stand-Spiel gegen die BBL. "Wir versuchen seit Monaten mit der Liga Gespräche zu führen, aber die blockt ab", sagte Pascal Roller von den Opel Skyliners nach dem Spiel. Die Spieler wollten mit der Aktion einen "Fuß in die Tür" der Profiliga kriegen, um etwa beim Spielplan mehr Mitspracherechte zu bekommen. Das All-Star-Spiel zu boykottieren wurde laut Roller auch wegen des guten Zwecks der Veranstaltung nicht debattiert: Die 16 BBL-Vereine sammelten zu Gunsten der Flutopfer in Südostasien 116.368 Euro und leiteten sie an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF weiter.

Der Ärger zwischen Spielern und BBL ist dennoch nicht vom Tisch: Roller, der sich am Samstag zum Sprachrohr der Spieler der deutschen Profiliga machte, schließt boykottierte Liga-Spiele nicht aus. "Wir haben noch nichts beschlossen, aber wir haben die Möglichkeit" sagt er. Er hoffe jedoch, dass die BBL endlich auf die Spieler zukomme.

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