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28.01.2005

22:10 Uhr

50 000 Euro für drei manipulierte Spiele

Hoyzer belastet weitere Schiri-Kollegen

Robert Hoyzer hat einen Tag nach seinem Geständnis zum ersten Mal Einzelheiten enthüllt. Mit seiner Aussage vor der Berliner Staatsanwaltschaft hat der Schiedsrichter dem größten Fußball-Skandal seit 34 Jahren nochmals eine neue Dimension gegeben. Unterdessen gab es die ersten Festnahmen.

Schiedsrichter Robert Hoyzer und sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner haben bereits weitere Enthüllungen im Manipulationsskandal angekündigt. Foto: dpa

Schiedsrichter Robert Hoyzer und sein Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner haben bereits weitere Enthüllungen im Manipulationsskandal angekündigt. Foto: dpa

HB HAMBURG. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe) erklärte Hoyzer, dass weitere Schiedsrichter und auch Spieler in den Skandal verwickelt seien. Er selbst habe drei Spiele manipuliert und dafür mehr als 50 000 ? kassiert, gestand Hoyzer laut "SZ". Eine Bestätigung der Staatsanwaltschaft für den Bericht lag zunächst nicht vor.

Im Zuge der Ermittlungen gegen den unter Betrugsverdacht stehenden Fußball-Schiedrichter hat die Staatsanwaltschaft am Freitagabend vier Objekte in Berlin durchsuchen lassen. Dabei hat es am Abend vier Festnahmen gegeben. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, sagte der Nachrichtenagentur AP: "Betroffen waren zwei Privatwohnungen und zwei Geschäftsräume, darunter das Café King". In dem Lokal soll Schiedsrichter Robert Hoyzer laut Medienberichten die Manipulationen mit zwei kroatischen Gastronomen besprochen haben. Nach Angaben des Sprechers waren 128 Polizisten im Einsatz, die während der Razzien auch Beweismaterial beschlagnahmten.

Hoyzer gestand laut "SZ" auch, bei der Geldübergabe an andere Schiedsrichter dabei gewesen zu sein, zudem habe er von Zahlungen an Spieler gehört. Von anderen Schiedsrichtern und Spielern sollen nach Aussagen des 25-jährigen Berliners Begegnungen der 2. Bundesliga manipuliert worden sein. Hoyzer habe vor den Ermittlern bestätigt, dass ihm das Geld von Mitgliedern einer kroatischen Wettmafia zugeschoben worden sei.

Bundesinnenminister Otto Schily sprach am Rande eines EU- Ministertreffens in Luxemburg von einem "ganz schlimmen und skandalösen Vorgang". Besondere Sorge mache ihm die mögliche Verbindung zur organisierten Kriminalität. CDU-Chefin Angela Merkel forderte vom DFB, "diese ungeheuerlichen Vorgänge restlos aufzuklären". Mit Oddset erstattete am Freitag der erste Wettanbieter Strafanzeige wegen Betrugs gegen Hoyzer. Das staatliche Unternehmen bezifferte den erlittenen Gesamtschaden auf eine Million Euro.

Der DFB nahm als erste Konsequenz einen kompletten kurzfristigen Ringtausch seiner Schiedsrichter für das Bundesliga-Wochenende vor. Die vier Berliner Unparteiischen, die als Zeugen den Fall ins Rollen gebracht hatten, erhielten mit dem Hinweis auf die "Fürsorgepflicht" des Verbandes und "aus Sicherheitsgründen" eine Einsatzpause. Als erster Bundesliga-Verein erteilte Hertha BSC seinen Profis ein generelles Wettverbot.

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