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25.01.2016

09:12 Uhr

Adidas

Verliert die Leichtathletik den wichtigsten Sponsor?

Quelle:SID

Der Doping- und Korruptionsskandal könnte teuer für den Leichtathletik-Weltverband IAAF werden. Der größte Sponsor, der Sportartikelhersteller Adidas, werde vorzeitig gehen, berichtet die BBC.

SID

adidas zieht sich wohl als Hauptsponsor zurück

LondonIm Zuge des Doping- und Korruptionsskandals könnte der Leichtathletik-Weltverband IAAF seinen größten Sponsor verlieren. Wie die BBC am späten Sonntagabend berichtete, will der Sportartikelhersteller adidas vier Jahre vor Ablauf des Vertrages aus dem Sponsoren-Deal aussteigen.

Damit würden der IAAF laut BBC Einnahmen in Höhe von über 30 Millionen Dollar (27,8 Millionen Euro) entgehen. Weder Adidas noch die IAAF wollten sich auf BBC-Anfrage äußern. Adidas bestätigte nur Kontakte mit dem Verband.

Laut dem Bericht habe Adidas der IAAF bereits im November mitgeteilt, dass man einen Rückzug in Erwägung ziehe, nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA den ersten erschütternden Bericht zum staatlich unterstützten Doping in Russland veröffentlicht hatte. Die finale Entscheidung soll Adidas der IAAF aber erst vor wenigen Tagen mitgeteilt haben.

Die wesentlichen Erkenntnisse des Doping-Berichts

Tief verwurzelte Betrugskultur

„Die Untersuchung zeigt, dass die Akzeptanz von Betrug auf allen Ebenen und seit langem verbreitet ist.“ Eine fundamentale mangelhafte Einstellung für die Akzeptanz von Anti-Doping-Anstrengungen sei „tief in der russischen Leichtathletik verwurzelt“. Gerechtfertigt werde dies durch die Annahme, dass alle anderen auch betrügen würden.

(Quelle: SID)

Ausbeutung von Athleten

Unethisches Verhalten sei zur Norm geworden. Die Ausbeutung von Athleten für Medaillen und finanziellen Erfolg sei in der russischen Leichtathletik weit verbreitet. Die Athleten waren oft willige Teilnehmer, allerdings gebe es auch dokumentierte Fälle, in denen Athleten, die nicht Teil des Programms werden wollten, nicht für die russische Nationalmannschaft nominiert worden seien.

Betrug durch Athleten

Der Report stellt dar, dass es systematischen Dopingbetrug bei russischen Athleten gegeben hat. Darüber hinaus stellt der Bericht fest, dass es ein hoher Prozentsatz der Athleten nicht mit der Kommission zusammenarbeiten wollte. Viele Athleten gaben darüber hinaus nur unzureichend Auskunft über ihren Aufenthaltsort.

Beteiligung von Ärzten, Trainern und Laborpersonal

Der Bericht bestätigt, dass einige russische Ärzte und Laborpersonal in Zusammenarbeit mit Trainern systematischer Betrug ermöglichten. Im Moskauer Anti-Doping-Labor sollen mut- und böswillig mehr als 1400 Proben zerstört worden sein, nachdem die Wada Zielkontrollen angeordnet hatte. Auch wurden Teststandards nicht eingehalten.

Korruption und Bestechung innerhalb der IAAF

Der Bericht bestätigt Korruption und Bestechung auf der höchsten Ebene der internationalen Leichtathletik. Die Beweise dafür seien an Interpol übermittelt worden, die Veröffentlichung soll bis zum Ende des Jahres geschehen. Zunächst sollen die Entscheidungen der Untersuchungsbehörden abgewartet werden.

Die wichtigsten Empfehlungen der Kommission

1. Ausschluss des russischen Leichtathletik-Verbandes Araf aus dem Weltverband IAAF
2. Schnellstmöglicher Entzug der Akkreditierung des Moskauer Anti-Doping-Labors und „permanente“ Absetzung des Direktors Gregory Rodschenkow. Das Moskauer Labor sei nicht in der Lage unabhängig zu handeln.
3. Empfehlung der Wada an das IOC, keine Teilnahme russischer Leichtathleten an internationalen Wettbewerben zuzulassen, bis die Araf als regelkonform mit dem Wada-Code bezeichnet werden kann.
4. Lebenslanger Ausschluss russischer Sportfunktionäre, die an dem systematischen Betrug beteiligt waren. Darunter auch Sergej Portugalow, Chef der Araf-Medizinkommission.

Der Vertrag mit Adidas war 2008 für die Dauer von elf Jahren abgeschlossen worden. Damals hieß es, der Deal bringe der IAAF 33 Millionen Dollar ein, laut BBC-Informationen soll der tatsächliche Wert allerdings deutlich höher liegen.

Die unabhängigen Untersuchungskommission der WADA hatte massive Dopingverfehlungen in der russischen Leichtathletik festgestellt. Daraufhin war der russische Verband ARAF aus der IAAF ausgeschlossen worden. Zudem suspendierte die WADA die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA und entzog dem Moskauer Anti-Doping-Labor die Akkreditierung.

Im zweiten Teil des Berichts der WADA-Kommission war der IAAF ein Komplettversagen vorgeworfen und besonders Sebastian Coes Vorgänger als IAAF-Präsident, Lamine Diack, schwer belastet worden. Korruption sei "in der Organisation verwurzelt", hieß es in dem Report.

Auch die Mitglieder des IAAF-Councils hätten von den verdächtigen Vorgängen rund um positive Dopingproben russischer Leichtathleten wissen müssen. Coe sitzt seit 2003 in der "Weltregierung" der Leichtathletik und war ab 2007 IAAF-Vizepräsident.

Pressestimmen zum Doping-Bericht

The Sun (Großbritannien)

„Die olympische Flamme ist abgefackelt! Russlands staatsfinanziertes Doping hat die Spiele in London sabotiert. Präsident Coe wird durch die Enthüllungen lächerlich gemacht.“

(Quelle: SID)

Daily Mail (Großbritannien)

„Goldmedaille im Betrügen! Nach dem größten Doping-Skandal der Geschichte und der Sabotage der Olympischen Spiele 2012 stehen die russischen Leichtathleten vor dem Ausschluss.“

The Times (Großbritannien)

„Die Olympischen Spiele von London wurden durch die russischen Leichtathleten sabotiert. Die Sportnation hat die Leichtathletik zurück in den Kalten Krieg katapultiert. Russland lacht der internationalen Justiz ins Gesicht.“

Independent (Großbritannien)

„Die Ersten sollen die Letzten sein: Russlands Dopingschande fliegt auf. Doch der russische Dopingskandal ist nur die Spitze des Eisbergs. Andere Nationen wie Kenia und die Türkei drohen ebenfalls im Chaos zu versinken.“

The Guardian (Großbritannien)

„Der Sport steht am Scheideweg nach den verheerenden Enthüllungen zur Dopingkultur in Russland. Doch zu glauben, dass sich das Problem auf die russische Leichtathletik beschränkt, wäre töricht. Das Schlimmste scheint die Komplizenschaft des Weltverbandes IAAF.“

Gazzetta dello Sport (Italien)

„Horror aus Russland: Die Leichtathletik hat einen Weltskandal. Im Sport ist ein neuer Kalter Krieg ausgebrochen. Das Ausmaß der Vorwürfe, die auch die russische Regierung betreffen, ist enorm.“

Corriere dello Sport (Italien)

„Die Schlüsse aus der Wada-Untersuchung sind verheerend. Der Skandal droht nicht nur die Leichtathletik, sondern auch andere Sportarten zu erschüttern.“

Corriere della Sera (Italien)

„Das russische Doping wird zur Staatsaffäre. Die Wada-Forderungen gegen Russland sind ein beispielloser Schritt mit enormen politischen Folgen. Das Bild, das aus dem Wada-Bericht hervorgeht, ist verheerend.“

Repubblica (Italien)

„Von der Welt des Sports kommt überraschend ein verheerender Schlag für das Ansehen Russlands und Putins. In den russischen Machtzentralen ist die Lage heikel. Die Wada-Untersuchung erfolgt in einer Phase internationaler Spannungen, die an den Kalten Krieg erinnern.“

New York Times (USA)

„Der skandalösen Vorgänge in der Leichtathletik waren so simpel wie kühn. Russische Athleten haben gedopt und dann Bestechungsgelder an Funktionäre bezahlt, um ihre positiven Tests geheim zu halten.“

LA Times (USA)

„Jahrelanger Betrug in der russischen Leichtathletik. Der 323-seitige Bericht zu den Doping-Vorgängen liest sich wie ein Spionage-Roman.“

Le Monde (Frankreich)

„Die Glaubwürdigkeit der russischen Leichtathletik ist durch den Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission auf null reduziert worden. Fünf Tage nach der Anklageschrift in Frankreich gegen Diack ist dies ein neuer Schlag gegen die olympische Kernsportart – und andere sollten folgen.“

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz)

„Nach den Enthüllungen um Dopingsünder, die sich freikaufen konnten, erscheint nach der Fifa ein weiterer Weltverband in düsterem Licht. Die Manipulationen treffen den Sport in seinem Kern. Unterdessen ist es schwierig geworden, ob all der Turbulenzen im Weltsport den Überblick zu behalten.“

Kronenzeitung (Österreich)

„Der unfassbare Korruptionsskandal in der Leichtathletik hat jetzt zu ersten großen Konsequenzen geführt.“

O Globo (Brasilien)

„Ein Skandal weltweiter Dimension kann die Olympiaträume von Superstars wie Jelena Issinbajewa auslöschen.“

The Star Newspaper (Kenia)

„Eine ganze Generation von Athleten droht durch Sperren verloren zu gehen. Kenia hat es verpasst, genügend im Kampf gegen Doping zu unternehmen.“

The Daily Nation (Kenia)

„Athleten, Trainer und die Regierung sollten den Bericht der Wada genau studieren. Kenias Offizielle müssen aus den Fehlern Russlands lernen, um Doping besser aufzuspüren, zu bestrafen und zu verhindern.“

Moskowi Komsomolez (Russland)

„Doping ist leider ein unverzichtbarer Teil des professionellen Sports. Andere Nationen haben die besseren Mittel, um es zu verschleiern.“

Wedomosti (Russland)

„Beispiellose Anschuldigungen gegen die russische Führung drohen, den Nationalsport zu isolieren.“

Kommersant (Russland)

„Die Veröffentlichung dieses Berichts bedeutet nicht automatisch, dass Russland hart bestraft wird.“

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