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15.01.2009

17:18 Uhr

Ärger um Persönlichkeitsrechte

Handballer starten mit Wut im Bauch

VonHans Weymar

ExklusivZum Auftakt der Weltmeisterschaft Kroatien drängt der Deutsche Handballbund seine Nationalspieler, umfassende Persönlichkeitsrechte abzutreten. Was DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier als normales Geschäft abtut, sorgt bei den Spielern ausgerechnet unmittelbar vor dem Turnierstart für eine gehörige Portion Unmut.

Trikot von Adidas ja, Schuhe nein: Pascal Hens ist einer von mehreren Spielern, die auf die freie Schuhwahl pochen. Foto: dpa dpa

Trikot von Adidas ja, Schuhe nein: Pascal Hens ist einer von mehreren Spielern, die auf die freie Schuhwahl pochen. Foto: dpa

KÖLN. Es ist auch eine Frage des Stils. Viele Handballer aus der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) reagierten zunächst verwundert, als ihnen Mannschaftsbetreuer Tom Schneider Anfang Januar ein fünfseitiges Dokument aushändigte. Die Spieler mögen das Papier bitte unterschreiben, hieß es, gewissermaßen im Vorbeigehen. Bei der Lektüre dieser "Vereinbarung" zwischen dem DHB und den Spielern entwickelte dann manch ein Profi auch Wut. Sind darin doch Passagen enthalten, die mit den Nationalspielern nie jemand verhandelt hatte.

Unterschrieben hat nach Informationen des Handelsblatts das Papier noch niemand. Manche sollen es spontan zerrissen haben. Kurz vor der Weltmeisterschaft, die heute in Kroatien beginnt, ist so hinter den Kulissen ein handfester Streit über Fragen der Vermarktung und der Persönlichkeitsrechte entbrannt. Das Team von Heiner Brand tritt als Titelverteidiger an - und angesichts des Konflikts besteht die Gefahr, dass sich die Handballer nicht hundertprozentig auf ihren ersten Einsatz am Samstag gegen Russland (17.30 Uhr, live bei RTL) konzentrieren.

"Nach Prüfung muss ich meinen Mandanten aus rein juristischen Gründen von einer Unterzeichnung der vorgelegten Version abraten", erklärt Spieler-Manager Wolfgang Gütschow, der mit Pascal Hens, Carsten Lichtlein, Sebastian Preiß, Michael Müller, Jens Tiedtke und Stefan Schröder insgesamt sechs Nationalspieler vertritt. "Das schlägt mit Sicherheit auf die Stimmung", sagt Jochen Bergener, der fünf Profis (Holger Glandorf, Oliver Roggisch, Sven-Sören Christophersen, Michael Kraus, Michael Haaß) berät.

"Das ist der Versuch, die Spieler zu gängeln. Normalerweise setzt man sich vorher an den Tisch und verhandelt. So vermittelt der DHB den Spielern das Gefühl, sie nicht ernst zu nehmen", kritisiert Bergener. Von seinen Klienten werde keiner unterschreiben. "Ich hätte mir gewünscht, das alles weit im Vorfeld eines solchen Turniers zu klären", sagt der Berater Dominik Kleins, Marc Rapparlié, der gleichzeitig "mangelnden Respekt vor den Sportlern" beklagt. "Da gibt es keinen Ärger", beschwichtigt dagegen der deutsche Delegationsleiter in Kroatien, Horst Bredemeier. Er verschweigt indes nicht, dass es ums Geld geht: "Wenn wir als DHB finanzielle Einbußen haben, dann werden wir das eins zu eins an die Athleten weitergeben", sagt der DHB-Vizepräsident.

Bredemeier betrachtet das Papier als normales Geschäft. Die Spieler und deren Berater hingegen empfinden das Gebaren des DHB als erpresserisch. Insbesondere ein Passus erregt die Gemüter: Danach solle bei Nicht-Unterzeichnung eine Streichung der seit Jahrzehnten üblichen Tagegelder folgen. "Für den Fall der Bewilligung einer Ausnahmegenehmigung verzichtet der Spieler für seine Person ausdrücklich vollständig oder vereinbarungsgemäß anteilig auf die Zahlung der zwischen DHB und Mannschaftsrat ausgehandelten Tagegelder", heißt es in dem Vertragsentwurf. Gütschow ist pikiert: "Ich kann nicht nachvollziehen, was die grundsätzlich freie Schuhwahl eines Sportlers plötzlich mit seinem Tagegeld zu tun hat. Irgendwie klingt alles nach einem großen Missverständnis. Es gäbe weitaus wichtigere Aufgaben als über Spesen und Schuhe zu streiten. Zum Beispiel das Thema Versicherungsschutz." Die Höhe der Tagegelder ist abhängig von der Menge der Einsätze; manch erfahrener Profi kann damit jährlich einen fünfstelligen Betrag hinzuverdienen.

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