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16.01.2008

13:45 Uhr

Allgemein Doping

Blutbank-Affäre soll schnell aufgeklärt werden

In der Wiener Blutbank-Affäre machen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) Druck. Die Verbände wollen eine "möglichst schnelle Aufklärung" der Vorwürfe erreichen.

Die Wiener Blutbank-Affäre zieht immer größere Kreise. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) haben sich am Mittwoch in den Fall eingeschaltet, der Deutsche Skiverband (DSV) setzt im Kampf um Ruf und Existenz die ARD massiv unter Erklärungsdruck und leitete rechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Redakteure ein. Diese wollen zum Schutz ihrer Zeugen vor der Mafia vorerst keine Details preisgeben.

IOC-Vize und Dosb-Chef Thomas Bach kündigte in Absprache mit IOC-Präsident Jacques Rogge ein Schreiben an den österreichischen Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka mit der dringenden Bitte um "möglichst schnelle Aufklärung" an. Das gleiche Ersuchen wurde von Dosb-Seite gestellt. Auch das Bundesinnenministerium hat laut Staatssekretär Christoph Bergner Kontakt mit der Regierung in Wien aufgenommen. Allerdings gebe es noch keine Reaktion.

Bach: "Wir brauchen Fakten, wenn es sie gibt"

"Wir brauchen Fakten, wenn es sie gibt", sagte Bach. "Von IOC-Seite wollen wir die Namen der Athleten wissen, falls sie bekannt sind, die in den Unterlagen des Labors verzeichnet sind. Von Dosb-Seite wollen wir wissen, ob deutsche Sportler betroffen sind." An der "Null-Toleranz-Politik" von IOC und Dosb könne es keinen Zweifel geben.

Bach, der auch Vorsitzender der Juristischen Kommission des IOC ist, sieht gute Chancen, dass die Behörden in Wien den Anträgen von IOC und Dosb zügig nachkommen, weil - im Gegensatz zur spanischen "Operacion Puerto" - in Österreich bislang kein Strafverfahren eingeleitet worden ist.

Dort laufen noch immer Ermittlungen zum Dopingskandal während Turin 2006. Bach, der die betreffende IOC-Disziplinarkommission leitet, wies allerdings darauf hin, dass sich bisher keine Anzeichen ergeben hätten, wonach Sportler anderer Länder während der letzten Winterspiele ebenfalls in die Affäre verwickelt waren.

ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt schwächte die am Dienstag verbreiteten Vorwürfe gegen 20 deutsche Biathleten und Langläufer "zum Teil aus der Weltspitze" ab, die als Kunden von "Human Plasma" Eigenblut-Doping betrieben haben sollen: "Es ist nicht gesichert, dass aktuelle Mitglieder von Nationalmannschaften betroffen sind." Es gehe eher um zurückliegende Fälle.

DSV-Präsident Alfons Hörmann wies die Anschuldigungen scharf zurück: "Es gibt keinen Dopingfall DSV, so lange es keinen Gegenbeweis gibt. Wir haben eine sehr klare Prüfung gemacht: Es gibt bis zum heutigen Tag keine Hinweise und keinen Namen." DSV-Sprecher Stefan Schwarzbach bestätigte am Abend dem sid: "Die Sportführung hat nach ausführlicher Prüfung entschieden, rechtliche Schritte einzuleiten: gegen die verantwortlichen Redakteure, nicht gegen die ARD."

Auch der Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Peter Danckert, forderte "Fakten statt Gerüchte, damit die erfolgreichen deutschen Wintersportler nicht alle in Misskredit gebracht werden". Selbst innerhalb der ARD haben Seppelts Doping-Vorwürfe ohne konkrete Namen für Verstimmung gesorgt.

Dieser begründete die Vorsicht damit, dass bei Recherchen im Doping-Milieu "Angst ein ständiger Begleiter" sei: "Die Russen und die Ukrainer-Mafia ziehen im Hintergrund der Blutbank die Fäden. Deshalb müssen wir unsere Informanten schützen." Es gebe jedoch sichere Hinweise, dass in Wien Blutdoping "im ähnlichen Stil wie bei Eufemiano Fuentes" in Spanien betrieben worden sei.

Für den Heidelberger Dopingjäger Werner Franke ist es keine Überraschung, dass "Human Plasma" zeitweise auch Zweigstellen in Ostdeutschland unterhielt: "Das stützt nur meine These, dass Teile des österreichischen Sports DDR-unterwandert sind."

Dagegen teilte der DSV mit, dass seine Nachfragen bei der Welt-Antidopingagentur Wada, der Nationalen Antidopingagentur Nada, der Internationalen Biathlon Union IBU sowie den Behörden in Österreich keinerlei Hinweise auf deutsche Blutdoping-Täter ergeben hätten.

© SID

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